Es könnte alles so schön sein: Nach der Schließung ihres Geschäftes für Kinder-Ausstattung am Marktplatz 1998 richteten sich Sieglinde und Heribert Schilling in dem Gebäude eine Wohnung fürs Alter ein. "Hier haben wir alles in der Nähe", schwärmen die beiden 84-Jährigen vom Wohnen in der Altstadt. Doch seit vier Jahren trübt sich die Freude zunehmend: "Die Stadt hat bei der Planung des Bürgerhauses keine Rücksicht auf uns genommen", wettert Sieglinde Schilling. Sie und ihren Mann stört vor allem, dass das ehemalige Kaufhaus um bis zu 90 Zentimeter höher wird und ein Zugang übers schmale "Schillingsgässchen" vorgesehen ist. "Das ist direkt unter unserem Schlafzimmer", sagt Heribert Schilling beim Blick aus dem Fenster. Deshalb hat das Ehepaar nun Klage gegen die Baugenehmigung eingereicht.

Laut Bescheid genehmigte das Landratsamt am 24. April "Umbau und Sanierung eines Geschäftshauses zum Bürgerhaus mit Stadt-Bibliothek und Tourist-Information sowie eines Verbindungsgangs im Kellergeschoss zum Rathaus". Der Bescheid umfasst 14 Seiten, eingegangen wird darin auch auf Einwendungen von Nachbarn und die Geschichte des Bauvorhabens. Der erste Plan vom Mai 2018 war wegen des Bürgerbegehrens zum Bürgerhaus zurückgenommen worden. Seit Juni 2019 liegt der neue Entwurf vor, bei dem die Dachgauben gestrichen und das Dach um bis zu 30 Zentimeter abgesenkt wurde.