Mit einem dumpfen Donnergrollen kündigt sich "Bonnie" an: Noch bevor der 53 Jahre alte Pontiac-Bonneville von Benedikt Scheller zu sehen ist, wummert der V-8-Motor. Wenn der 23-Jährige durch Stadt und Land cruist, sind ihm die Blicke von Passanten sicher: Der aubergine-farbene Ami-Schlitten mit schwarzem Vinyl-Kunstleder-Dach, Baujahr 1967, erinnert an Filme aus der besten Hollywood-Zeit. Tatsächlich ist der Oldtimer auch aus den USA importiert. "Ich habe den Anfang 2018 im Internet gesehen", erzählt Benedikt Scheller, und: "Es war Liebe auf den ersten Blick, sowas kann man mit keiner Frau haben."

Benedikt Scheller interessiert sich schon immer für alles, was einen Motor hat. Mit 16 fuhr der Westheimer sein erstes Moped, nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, nach und nach kaufte er mehrere Motorräder und Autos. Nachdem er zwei Bikes verkauft hat, gehört ihm jetzt noch eines, neben dem Pontiac-Bonneville fährt er einen Audi A6.

Laut Scheller ist seine viertürige Limousine aus den USA eine echte Rarität. "Ich habe nie wieder ein vergleichbares Modell gesehen", berichtet er. Auch auf Oldtimer-Treffen werde seine "Bonnie" - wie er den Wagen nennt - immer als Unikat bewundert. "Ich habe das Auto nicht zum Angeben, sondern zum Cruisen", erzählt der 23-Jährige, und: "So ein gemütliches Fahren hat man in keinem anderen Auto."

Bis es soweit war, musste Benedikt Scheller allerdings viel Geduld haben: Anfang 2018 stand der Wagen im US-Bundesstaat Illinois. Erst im September 2018 hatte er das Geld für den Kauf gespart und wurde sich mit dem Händler einig. Aus der Ferne organisierte Scheller, dass das Auto nach New York überführt und in einem Container verschifft wurde. Über Bremen und einen Auto-Transporter kam der Wagen am 15. Januar 2019 in Westheim an.

"Ich hatte aber keinen Fahrzeug-Brief oder Fahrzeug-Schein", berichte Scheller, dass dann der Kampf mit der Bürokratie los ging. Bereits der Transport hatte mehrere tausend Euro gekostet, jetzt musste er noch einmal mehrere tausend Euro investieren, um eine Zulassung für Deutschland zu bekommen. "Einiges habe ich selbst gemacht, aber vieles musste die Werkstatt übernehmen." Unter anderem mussten die alten Scheinwerfer gewechselt werden, weil sie nicht den aktuellen Vorgaben entsprechen, der 1,9 Tonnen schwere Wagen brauchte eine Abschlepp-Öse vorne, die mit einem Schild angebrachte Fahrgestell-Nummer musste dauerhaft eingeschlagen werden und auf dem Original-Tacho, der die Geschwindigkeit in Meilen pro Stunde angibt, müssen Aufkleber das Tempo in Kilometer pro Stunde anzeigen. Das stimme zwar nur, wenn er genau gerade vor dem Tacho mit seiner großen Scheibe sitze, aber: "Es muss halt sein."

Nach mehreren TÜV-Terminen zur Einzel-Abnahme von Änderungen war es am 4. Juli 2019 endlich so weit: Die Zulassungsstelle gab grünes Licht. "Das hat alle Erwartungen erfüllt", schwärmt er von seiner ersten Fahrt auf deutschen Straßen. Für den Oldtimer hat er einen Stellplatz in einer anderen Gemeinde angemietet. Dort holt er seine "Bonnie" immer für mehrere Tage ab - "hauptsächlich im Sommer, aber bei schönem Wetter auch das ganze Jahr über". Das Fahren mit dem Oldtimer ist kein ganz billiges Vergnügen: 25 Liter Benzin braucht der V-8-Motor mit 6,6 Litern Hubraum und 330 PS im Durchschnitt auf 100 Kilometer. Eine Füllung des 100-Liter-Tanks reiche also höchstens für 400 Kilometer. Trotz des hohen Alters hat der Oldtimer bereits Servo-Lenkung, Bremskraft-Verstärker und eine Klimaanlage, die bis heute funktioniere. "Da waren die Amis viel früher dran", berichtet Scheller. Und hat sich der Aufwand gelohnt? Für Benedikt Scheller auf alle Fälle: "Die Leute drehen sich um und freuen sich", erzählt der Westheimer, und: "Ich kann Leute glücklich machen mit etwas, was mir selbst gefällt."