Es war alles vorbereitet: Rund zwei Jahre lang plante die Truppenübungsplatz-Kommandantur das Jubiläum "125 Jahre Lagerberg". Dann warf die Corona-Pandemie im Frühjahr alles über den Haufen. "Ich bin froh, dass wenigstens die Chronik jetzt vor Weihnachten noch rauskommt", sagt Mit-Organisator Jörg Göbel. Der stellvertretende Leiter der Kommandantur hat persönlich mehrere hundert Bücher über die Geschichte des Lagerbergs in der Innenstadt verteilt. Die Chroniken sind zwar kostenlos, Göbel hofft aber auf Spenden, die zu gleichen Teilen auf das Soldaten-Hilfswerk und den örtlichen Bürgerbus-Verein aufgeteilt werden. 5000 Exemplare hat die Bundesdruckerei mit einiger Verspätung gedruckt. Drei Paletten mit insgesamt 2,2 Tonnen Papier erwarteten Göbel kurz nach seiner Rückkehr vom Auslandseinsatz in Afghanistan. Bei der Auflage hatte er mehrere tausend Dienstposten am Standort und vor allem den geplanten Wandertag im August eingerechnet. Neuer Termin für die Wanderung durch den Truppenübungsplatz ist der 8. August 2021. Dafür will Göbel mindestens 1500 Chroniken zurückgelegen.

Die Chronik ist zwar fertig, aber die geschichtliche Aufarbeitung der Geschichte des Lagerbergs geht trotzdem weiter: Das Bundeswehrdienstleistungszentrum und das Museum Herrenmühle sammeln aktuell Zeitzeugnisse rund um Schloss Greifenstein. Die Kooperation startete 2019 mit dem Museumserlebnistag "Ein Tag - drei Erlebnisse". Rund tausend Besucher informierten sich damals in der Herrenmühle, in der Regionalausstellung auf dem Lagerberg und in der sonst nicht zugänglichen Lehrsammlung Infanterie. Zudem gab es eine Rundfahrt über den Truppenübungsplatz samt Besichtigung von Schloss Greifenstein.

Das Schloss sollte auch beim Wandertag ein besonderer Anlaufpunkt sein. Die Historie ist bereits aufbereitet: Unter den Schlossherren waren Naturforscher, Maler, Dichter und Denker. Zu Gast waren Schiller, König Ludwig I. und andere berühmte Persönlichkeiten. Die jüngste Tochter Schillers, Emilie Schiller, verheiratete von Gleichen-Rußwurm, verbrachte ihr Leben meist in Bonnland.

Das Stadtmuseum und das Bundeswehrdienstleistungszentrum wollen die Verschiebung auf August 2021 nutzen, um "die einfachen Leute" noch zu Wort kommen zu lassen: Gesucht sind Menschen, die vielleicht nach dem Krieg als Heimatvertriebene im Schloss gewohnt oder auf dem Hofgut gearbeitet haben. Die Initiatoren hoffen auf alte Fotos und Berichte, angedacht sind auch Hörstationen oder sogar Film-Aufnahmen. Nach dem Wandertag soll die Sonderausstellung in der Herrenmühle und im Lichthof des Landratsamtes Bad Kissingen zu sehen sein.

Die Chronik "125 Jahre Lagerberg" liegt in Hammelburg in folgenden Geschäften aus: im Eine-Welt-Laden, bei "Schuh Zoll", in den Vinotheken des Winzerkellers sowie den Weingütern Lange-Schloss Saaleck und Ruppert, im "Bunten Buchladen", bei der Flessa-Bank, im Kundencenter Bahnhofstraße der Stadtwerke, bei "Augenoptik Servatius", bei "Sport Hohmann" und in der Einhorn-Apotheke am Marktplatz.

Zeitzeugen, die Erinnerungen vor allem an Schloss Greifenstein haben, können sich an Elfriede Böck, Leiterin des Museums Herrenmühle wenden unter Tel.: 09732/902 330 oder per Mail an museum@hammelburg.bayern.de.rr