Für den scheidenden Oerlenbacher Bürgermeister Siegfried Erhard war es eine Abschiedstour: "Dies ist mein 24. und letzter Grenzgang", begrüßte er die Eltingshäuser Bürger an der Heglerhalle. Schnell schob er aber die Einschränkung "als Bürgermeister" nach und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Die Überlieferung fordere, die Gemarkungsgrenzen der Dörfer zu erwandern, betonte Erhrad.
Entweder jedes Jahr in eine andere Himmelsrichtung, "oder wie wir in der Gemeinde es machen, jährlich in einem anderen Ortsteil".

Lerchenhöhe und Wachtelberg

Dass die einzelnen Ortsteile der Großgemeinde durchaus selbstbewusst auf ihre Grenzen achten, erfuhren die rund 40 interessierten Grenzgänger in Laufe der rund zwölf Kilometer langen Wanderung immer wieder. Schon bei der ersten Station betonte Willi Karch, Obmann der Eltingshäuser Feldgeschworenen, dass die Halle auf Eltingshäuser Gemarkung stehe. "Nur der Parkplatz grenzt an Oerlenbacher Gebiet", schmunzelte er.
Ein Beispiel der kleinen Rivalitäten der Ortsteile gab auch Bruno Seufert zum Besten. Angekommen auf einer kleinen Anhöhe nahe der B 19 wies der Obmann der Rottershäuser Siebener darauf hin, dass die Flurbezeichnung bei ihnen Lerchenhöhe heißt. In Eltingshäuser Flurkarten hingegen wird sie als Wachtelberg bezeichnet. "Immerhin, für uns Spirken drunten ist das ein Berg und die Wachtel trippelt am Boden, für die drüben ist es nur eine Höhe, dafür zwitschert die Lerche in der Luft" , fand Bürgermeister Erhard eine treffende Ausgleichsformel.
An der Kreuzung Eltingshausen-Rottershausen-B 19 hätten sich die meisten tödlichen Unfälle in Unterfranken ereignet. Der geplante Kreisverkehr könne jedoch erst mit dem Bau der Umgehung von Eltingshausen verwirklicht werden, um optimale Zuschüsse zu erhalten, erklärte der scheidende Bürgermeister. Er zeigte an dieser Stelle auch auf, wie die Trasse der Ortsumgehung die Flur nachhaltig verändere. Auch die Standorte der geplanten Windräder beschrieb der Gemeindechef von dieser Stelle aus.

Erst Klage dann Großgemeinde

Eine Geschichte zum Schmunzeln, die vor Jahren zu einem Rechtsstreit zwischen Rottershausen und Eltingshausen führte, gab Erhard am Motocross Parcours des "MMC Schwarze Pfütze" zum Besten: Der ehemalige Steinbruch, einst auf Rottershäuser Gemarkung gelegen, hatte sich in Richtung Eltingshausen erweitert, was deren neuen Bürgermeister Karl Karch bewog, einen Teil der Erlöse für seine Gemeinde einzufordern. Sein "gegnerischer" Amtsinhaber Konrad Büttner wollte das nicht hinnehmen und es kam zu einem nachbarschaftlichen Prozess, den Eltingshausen 1971 für sich entschied. Das Kuriose dabei: Schon ein Jahr später war man nach der Gebietsreform eine Großgemeinde und die Erlöse des Steinbruchs flossen in denselben, nunmehr gemeinsamen, Topf.
Ein besonderes Erlebnis für die Teilnehmer war, den vorbeidonnernden Enduro-Maschinen bei spektakulären Steilwandfahrten und hohen Sprüngen zuzusehen, bevor Jagdpächter Georg Zänglein eine Brotzeit gerichtet hatte. Dort trafen die Grenzgänger auf die Feldgeschworenen aus Reiterswiesen, die die Gruppe zum Dreimärker führten. Ein guter Ort, den Höhepunkt eines jeden Grenzgangs, das unvermeidliche "Stauchen" auf den Grenzstein zu vollziehen, meinten die versammelten "Siebener". Jeder neue Bürgermeister müsse das schmerzlich erfahren, so will es der Brauch, damit die Grenzen bei den Gestauchten in Erinnerung bleiben. Der künftige Bürgermeister Franz Kuhn nahm es mit Humor, dass ihn die Obleute je einmal in Richtung Rottershausen, Reiterswiesen und Eltingshausen auf den Grenzstein setzten.
Weiter ging's hinab in den Talgrund, über die KG 8 hinweg, wieder bergauf Richtung Sportheim und nach gut vier Stunden kehrten die Wanderer um viele Eindrücke und Informationen reicher, zum Ausgangspunkt Heglerhalle zurück.
Den ganzen Weg tapfer mitgelaufen war die achtjährige Lilly. Ihr hatten die Luftsprünge der Motorräder an der Motocross-Bahn am besten gefallen. Am Dreimärker wollte sie ebenfalls gestaucht werden und erklärte hinterher gelassen: "Hat gar nicht weh getan."