Seit 20 Jahren unterrichtet Iva Simon Gesang und auch in diesem Jubiläumsjahr bleibt sich die Opernsängerin aus Prag, die in Ramsthal ihr Lebensglück gefunden hat, treu und präsentiert im schönen Ambiente des Kursaals des Biedermeierbades ausschließlich ihre zwölf Schülerinnen und einen Schüler mit ihren Gesangsvorträgen aus Klassik, Musical und Pop. Viele ihrer Schülerinnen sind bei der Musik geblieben, studieren weiter oder sind an Bühnen engagiert, berichtet sie in ihrer Begrüßung. Manch eines der jungen Mädchen träume von einer großen Gesangskarriere, aber den meisten mache es einfach Spaß zu singen und viele seien länger als nur ein Jahr dabei, weil sie ihre eigene Stimme formen wollen und spüren, wie sie von einer professionellen Begleitung profitieren, meint Eva Simon.

Wie immer verbreitet die Opersängerin Freude an der Musik, motiviert ihre Gesangsklasse sich zu trauen, nicht nur im Studio ihre Stimme zu verfeinern, sondern vor großem Publikum zu singen, das sich nicht nur aus der Familie und dem Freundeskreis zusammensetzt. Und weil sie so viel Zuversicht ausstrahlt, nimmt sie einen großen Teil der Nervosität von den schmalen Schultern der meist jungen Mädchen.

Konzentration und Körperbeherrschung

Denn es ist einfach etwas anderes, in großer Robe vor einem erwartungsvollen Publikum aufzutreten, als im Badezimmer einen Schlager zu trällern. Die ausgebildete Opernsängerin hat im Unterricht Konzentration und Körperbeherrschung gefördert und mit dem Motto "Entdecke deine eigene Stimme neu" das Vertrauen zum eigenen Vortrag gestärkt.

Tatsächlich gelingt es allen sehr gut, jeder Auftritt hat seinen eigenen Reiz, man ist gespannt, wer kommt jetzt, was singt sie, wie ist sie gekleidet und so wird der Nachmittag einerseits zu einem abwechslungsreichen musikalischen Querschnitt, aber auch zur spannenden Entdeckung unterschiedlichster Persönlichkeiten.

Freilich gibt es die eine oder andere Unsicherheit, wirkt die Stimme im großen Saal etwas dünner als im Studio, aber Keiko Meißner am Flügel begleitet unerschütterlich sicher jeden Vortrag, Thiemo Schroll findet die richtige Einstellung am Mischpult, Iva Simon drückt hinter dem Vorhang die Daumen und Ehemann Dieter - selbst bekannter Musiker und Mitglied im Deutschen Musikrat - ist als Organisator und Bühnenhelfer ruhender Pol, bevor er die jungen Grazien hinaus ins Rampenlicht schickt.

Der Jubel beflügelt

Und sie schaffen es alle. Magdalena Keller, im weitschwingenden gelben Glitzerkleid - ja es ist auch eine kleine Modenschau - beginnt und bricht sofort den Bann mit dem Schumann Kunstlied "Der Nussbaum", das der Komponist seiner angebeteten Pianistin und späteren Ehefrau Clara Wieck gewidmet hat. Magdalena lässt die Blätter "luftig und duftig" grünen. Der Beifall ist ehrlich und der Jubel beflügelt alle weiteren Vorträge.

Renate Schwab hat sich Händel und Schubert ausgesucht. Zwar liegen zwischen ihr und der ganz jungen Magdalena eine halbe Lebenszeit, aber auch sie strahlt, weil sie es wieder geschafft hat. Auch für Regine Kotowski ist es nicht der erste Auftritt, sie färbt die Arie aus Samson und Dalila mit kräftiger Altstimme eindrücklich dramatisch. Camille Saint- Saëns ist auch Favorit bei Anna-Lina Blank, die das bekannte "Mon Coer s'ouvre a ta voix" mit seinen unterschiedlichen Stimmungen schön ausdrückt.

Natürlich ist der einzige Mann des Konzerts Hahn im Korb der jungen Damen, aber auch die Herzen des Publikums fliegen Danny Montenegro zu, wenn er "Ángel de luz", ein Volkslied aus seiner Heimat Ecuador, ganz unprätentiös fröhlich zum Besten gibt. Weiter geht's zum Musical "My fair Lady". "Wäre das nicht wunderschön" singt Greta Bindrum und Annika Weigand hat sich "Reflection" von M. Wilde ausgesucht. Melissa Mühle begleitet sich am Piano selbst und interpretiert Udo Lindenbergs "Verbotene Stadt. Für Filmmusik schlägt das Herz von Ronja Reininger, die auch die passende Stimme für "You are the reason" hat. Rockig klingt das Konzert aus mit Lilli Endres und ihrer Version von "Writing on the wall", mit "Hurt" von Hannah Potschka und "I have nothing" mit Anna Stöhling. Die drei suchen auch gekonnt den Kontakt mit dem Publikum und lassen's ganz schön krachen.