Pater Franz Reinisch sollte sich am 14. April 1942 in der Kaserne in Bad Kissingen zum Militärdienst melden. Das war damals - so wie in diesem Jahr - Dienstag nach Ostern. Ganz bewusst erschien er erst einen Tag später, verweigerte den Fahneneid auf Adolf Hitler, wurde verhaftet, nach Würzburg überführt, später zum Tod verurteilt und am 21. August in Brandenburg enthauptet. Eine Ausstellung über den Lebensweg des glaubensfesten Pallottinerpaters ist seit 27. Februar in der Stadtpfarrkirche zu sehen und wird sehr gut angenommen.

Zum lebendigen Herzstück der eindringlichen Schau ist inzwischen eine beziehungsreiche Pinnwand geworden. Eigentlich gedacht, um Gedanken der Besucher aufzunehmen, Notizen zum Vorbild Pater Reinisch festzuhalten oder Gebetsbitten zu formulieren, ist sie Ausdruck von Verunsicherung und Ängsten der Zeit geworden. Nach dem Reinisch-Zitat: "Wenn ich einmal oben bin, werde ich manche Rose auf die Erde werfen", liegen Blätter aus Papier in Form eines Rosenblattes bereit, die beschriftet und auf die Tafel geheftet werden können. Es lagen viele bereit, aber sie haben nicht lange gereicht.

Es sind so viele "Rosenblätter" zusammengekommen, dass sie schon ein paarmal abgenommen werden mussten, um Platz für neue Gedanken zu schaffen. "Danke für diesen Glaubenszeugen", ist da zu lesen, oder "Nur ein Tausendstel seines Glaubens, seiner Treue, seines Mutes, Herr, gewähre mir". Auch an die bedrückenden Zeiten des Nationalsozialismus wird erinnert, aber besonders die Ängste dieser Wochen rund um das Coronavirus sind festgehalten. "Lasse Rosen regnen für das Pflegepersonal, Krankenschwestern und Ärzte, die Tag für Tag ihr Bestes geben, um Menschen zu helfen", heißt es da oder "Für die Menschen auf aller Welt, dass dieser Virus nicht alles zerstört!" und "Lass' uns einander beistehen, helfen und trösten".

Weil sich in diesen Wochen vieles schlagartig verändert hat und die Corona-Krise uns vor die Frage stellt, was wichtig ist in unserem Leben, konnte die Ausstellung nach Absprache mit Stadtpfarrer Gerd Greier bis zum 30. April verlängert werden, schreibt Franz Josef Tremer, einer der Organisatoren der Ausstellung in Bad Kissingen.

Das gibt den Menschen noch ein wenig länger die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit Leben und Sterben des Franz Reinisch, ist aber auch Gelegenheit, christlichen Glauben zu leben in einer Zeit, in der die Kirche sonst leer bleiben muss. Dass die Ausstellung am 15. April, dem Tag, an dem vor 78 Jahren in Bad Kissingen seine Gewissensentscheidung öffentlich wurde, in der Kurstadt gezeigt werden kann, ist einerseits glücklicher Begleitumstand, setzt aber auch ein Zeichen für die Verehrung, die Reinisch inzwischen in der Stadt genießt.