Bürgermeister Nico Rogge hatte den Abschied von den früheren Räten wegen Corona immer wieder aufschieben müssen und war glücklich, jetzt offiziell "Danke" sagen zu können.

Es war der Disput über brisante Sachthemen und Einzelentscheidungen, die Altbürgermeister Siegfried Erhard, dessen Nachfolger Franz Kuhn und den ausgeschiedenen Ratsmitgliedern im Gedächtnis geblieben sein. Man war wohl sicher nicht immer einer Meinung - die Akteure berichten von harten Disputen und süffisanten Kommentaren im Sitzungssaal; Siegfried Erhard, den alle nur Siggi nannten, erinnerte sich an spitzbübische Formulierungen aus der Mitte seines Gemeinderates, auf harte Kontroversen, aber am Ende immer auf einen Konsens, der seine 24 Jahre als Rathauschef prägten.

Ähnlich äußerte sich Franz Kuhn, der krankheitsbedingt nicht mal eine volle Amtszeit auf dem Chefsessel verbringen konnte. In seinen beinahe sechs Jahren an der Rathausspitze fiel die Sanierung der Heglerhalle und der Ausbau des Bauhofes - zwei Maßnahmen, die weder in der Bevölkerung, noch im Ratsgremium unumstritten waren.

Siggi Erhardts Erinnerungen umspannten einen größeren Zeitraum und er musste sich mit den Räten aus den vier Ortsteilen unter anderem mit dem neuen Seniorenheim in Oerlenbach, mit der aufwändigen Dorferneuerung in Rottershausen und städtebauliche Maßnahmen in Ebenhausen befassen. An Diskussionen mit vielen unterschiedlichen Argumenten erinnerte sich der Altbürgermeister auch rund um die neue Platzgestaltung am Oerlenbacher Rathaus und in Eltingshausen.

Ein weiter Weg

Franz Kuhns erste Zeit im Rathaus war das Berufspraktikum, dass der junge Verwaltungsschüler ableisten musste. Vom "Praktikanten zum Bürgermeister" war es ein weiter Weg für Kuhn, der später in den Gemeinderat gewählt wurde und dort auch als Stellvertreter des Bürgermeisters fungierte. Einmal, so Siggi Erhard, musste in dieser Zeit sogar das Los entscheiden, wer zweiter und dritter Bürgermeister Oerlenbachs sein durfte. Franz Kuhn war jahrelang Geschäftsleiter in der Nachbargemeinde Poppenhausen und zweiter Bürgermeister in Oerlenbach - eine Ämterhäufung, die wohl beiden Kommunen gut tat.

Aus der engen Partnerschaft heraus entstand dann auch das gemeinsame Gewerbegebiet an der A71. Kuhn, der schon allerlei Ehrungen für seinen Einsatz in der Kommunalverwaltung erhalten hatte, trägt nun offiziell den Ehrentitel Altbürgermeister - die Urkunde ist zwei Jahre alt, die Übergabe scheiterte bisher immer an der Pandemie.

Großer Wechsel 2020

Geballtes Wissen aus mehreren Jahren Gemeinderatszugehörigkeit verabschiedete sich 2020 aus dem Ortsparlament. Walter Vierheilig und Michael Bambach konnten zur Ehrung nicht kommen. Bambach saß zusammen mit Stefan Beutert zwischen 2014 und 2020 im Gemeinderat. Beutert kandidierte auch um das Bürgermeisteramt und unterstützte die Rechnungsprüfung, Bambach engagierte sich in der Jugendarbeit.

Andreas Kukuk war zwölf Jahre dabei - allerdings mit einer Auszeit. 2002 bis 2008 und dann wieder ab 2014 stärkte er die Belange Eltingshausens, war auch Ortsreferent des Gemeindeteils. Ohne Unterbrechung auch zwei Perioden, saß Heribert Seufert im Gemeinderat. Kulturelles und Soziales lag ihm am Herzen, er gründete die Musikkapelle und erinnert sich noch lebhaft an die Diskussionen über die A71.

"Mister Wald" Reinhard Landgraf kennt Altbürgermeister Siggi Erhard schon aus alten gemeinsamen Studentenzeiten. Obwohl Landgraf sich als Gegenkandidat aufstellen ließ, verbindet die beiden Rottershäuser das Engagement für die Gemeinde. Auch wenn sich Landgraf "nur bedingt was hat sagen lassen" (Siggi Erhard), waren die Expertise des 2020 ausgeschiedenen Gemeinderates bei allen Dingen rund um die Natur wichtig.

Länger als der Waldfachmann Landgraf gehörte Walter Vierheilig dem Ratsgremium an, zwölf Jahre übernahm er dort auch die Aufgaben als Ortsreferent. Weil er nicht kommen konnte, erhält Vierheilig Besuch von Nico Rogge und dessen beiden Vorgängern.

Besondere Ehre für Klemens Wolf

"Der Mann vom Grenzschutz" ist nun Träger der Bürgermedaille. Einstimmig verlieh der amtierende Gemeinderat Klemens Wolf dieses Ehrenzeichen. Das Wort von Klemens Wolf im Ratsgremium besaß stets Gewicht, trotz "spitzer Zunge" war sein Auftreten sachlich korrekt, aber kritisch.

Am längsten saß Robert Erhard, der Neffe des Altbürgermeisters im Gemeinderat: 26 Jahre gehörte er fast zum Inventar. Als dritter Bürgermeister diente er Oerlenbach und auch als Kassenprüfer.