Bereits zum dritten Mal organisierte die Gemeinschaftsunterkunft in Volkers ein interkulturelles Begegnungsfest. Die Flüchtlinge, die in Volkers leben, hatten stundenlang in der Küche gestanden und Spezialitäten aus ihren Herkunftsländern gezaubert. Auch ehemalige Bewohner, inzwischen anerkannt und in den eigenen vier Wänden wohnend, kommen gerne wieder nach Volkers und treffen alte Freunde wieder.
Tischeweise präsentierten die Bewohner ihre landestypischen Gerichte und sehr schnell waren nur noch Reste übrig. Ob "Bashamal", ein äthiopisches Nudel-Hackfleischgericht, Fladenbrot oder "Alecha", ein ebenfalls aus Äthiopien stammendes Kartoffel-Karotten-Paprika-Gemüse, Bewohner und Gäste wollten mit Naschen und Probieren gar nicht mehr aufhören. Besonders ins Zeug gelegt hatte sich Ali Shire Hiirey aus Somalia. Bereits am Vorabend hatte er mit den "Sambusa", den würzigen Fleisch-Gemüse-Teigtaschen, begonnen. Um vier Uhr morgens waren die Vorbereitungen erst mal abgeschlossen, bevor die Taschen am Vormittag frittiert wurden.
Deutsches Essen ist bei den Flüchtlingen auch sehr beliebt. Besonders von Gemüsesuppe und Kartoffelsalat schwärmte eine Gruppe junger Frauen. Semrt Chakalus neue Leibspeise ist nun Kalbsgeschnetzeltes. Neben vielen weiteren Köstlichkeiten hat sie mit ihren Freundinnen den Grieskuchen "Besbusa" und "Doro Wet", Hühnchen auf äthiopische Art, mitgebracht. Alle Zutaten sind in deutschen Supermärkten zu finden. Zusammen speisen ist in Äthiopien üblich, die Flüchtlinge in Volkers organisieren jeden Tag gemeinsame Mahlzeiten.
Momentan leben circa 50 bis 60 Flüchtlinge in der Unterkunft in Volkers. Eine Familie wartet schon mehr als drei Jahre auf einen für sie endgültig positiven Bescheid. Klageverfahren und Familienzusammenführung ziehen den Fall in die Länge, berichtet Daniela Schad. Acht Nationalitäten sind in der Volkerser Flüchtlingsunterkunft versammelt. Spannungen gibt es nicht, das Zusammenleben funktioniert teilweise auch gut ohne Sprache. Bei aller Freude über ein gutes Zusammenleben in einem sicheren Land: Petra Wissen, seit zwei Jahren als ehrenamtliche Helferin mindestens vier Mal pro Woche in Volkers, berichtet auch andere Situationen. Sie hört manchmal am anderen Ende eines Handy-Gesprächs in Syrien Bomben fallen. Dann ist es am hilfreichsten, "dass einfach jemand da ist". Sprachkurse, Kleidung, die deutsche Kultur verstehen - das ist nicht mehr das Thema, aber: "Sie sind allein!"
Doch es gibt auch schöne Momente. So ist Petra Wissen Taufmutter der kleinen Ruth, deren Eltern sich im Kirchenasyl in Brückenau wiedergefunden hatten. Roman Shicullte sollte abgeschoben werden und hatte ein halbes Jahr im Kirchenasyl in Brückenau gelebt. Über viele Kontakte via Handy hatte ihr Ehemann Berthanu Abebe, von dem sie auf der Flucht getrennt worden war, davon erfahren und sie in Brückenau wiedergefunden. Neun Monate später kam Töchterchen Ruth zur Welt. "Weil wir schon so viel miteinander durchgemacht hatten, hat mich die Anfrage der Eltern, die Patenschaft zu übernehmen, nicht überrascht", gesteht Petra Wissen.
Bei Volksliedern und Schlagern wurde weiter gefeiert. Aus vielen einzelnen Flüchtlingen ist eine große Familie geworden.