Vor wenigen Tagen übernahm Pfarrer Gerd Greier (43) aus Hofheim (Landkreis Haßberge) die seit einem Jahr vakante erste Pfarrstelle in der Pfarreiengemeinschaft "Jesus - Quelle des Lebens" als Nachfolger von Generalvikar Thomas Keßler. In einem feierlichen Einführungsgottesdienst in der Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche hatte ihn Dekan Stephan Hartmann am 29. Mai der Öffentlichkeit vorgestellt.
Seine erste Amtswoche nutzte der neue Pfarrer, sich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut zu machen.
"Ich kenne Bad Kissingen noch nicht", muss Greier eingestehen. Sein Lebens- und Dienstweg hatte den 1973 in Bad Königshofen Geborenen zuvor noch nie in die Kurstadt geführt. Aufgewachsen ist er in Wülfershausen an der Saale (Landkreis Rhön-Grabfeld). Damals gehörte die Kirche zum täglichen Dorfleben, man wuchs mit ihr auf. Greier wurde maßgeblich durch seinen Pfarrer geprägt: "Ein glaubwürdiger, überzeugender Mann."


Viel Erfahrung

Unmittelbar nach seinem Schulabschluss am Königshofer Gymnasium begann der Abiturient 1992 sein Studium in Würzburg, das er sechs Jahre später abschloss. Nach seiner Priesterweihe im Jahr 2000 in Würzburg, wurde er als Kaplan jährlich wechselnd in Mürsbach (Landkreis Haßberge), Lohr am Main und Aub (Landkreis Würzburg) eingesetzt, bis er 2004 die Pfarrstelle im unterfränkischen Hofheim bekam. Ähnlich wie jetzt in Bad Kissingen hatte er auch dort als Leiter einer Pfarreiengemeinschaft zwölf Jahre lang "die erste und letzte Verantwortung" für 13 Pfarreien.
In Bad Kissingen wird er künftig für die Kernstadt, für Winkels, Reiterswiesen, Arnshausen, Hausen und Kleinbrach zuständig sein. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit sieht Greier in der Seelsorge: "Ich will Menschen begleiten, Menschen aufbauen." Seine Gottesdienste und Predigten sieht er als Möglichkeit, den Gläubigen "etwas für den Alltag mitzugeben".


Zusammenwirken mit Laien

Wichtig für den neuen Pfarrer ist aber auch, "die christliche Gemeinde vor Ort lebendig zu halten". Greier sieht sich nicht als Einzelkämpfer, sondern will das Zusammenwirken mit den Ehrenamtlichen und Laien fördern, will auch sie begleiten. Denn Ehrenamtliche dürfen sich nicht neben Beruf und Familie durch Kirchendienste überfordert fühlen. "Ihr Einsatz in der Gemeinde soll ihnen doch Freude machen." Als dritten Arbeitsschwerpunkt sieht Pfarrer Greier den "Blick über den Kirchturm". Er denkt an soziale Projekte zur Hilfe von Menschen in Not - nicht nur in der weiten Welt, auch in Bad Kissingen. Dabei scheut er sich nicht, klare Worte zu sprechen.


Politik nicht ausschließen

Der politisch interessierte Privatmann Greier will auch als Pfarrer seine Augen nicht vor politischen oder gesellschaftlichen Themen verschließen, die die Menschen heute bewegen. Davon wird auch in seinen Predigten zu hören sein. Denn auch als Mann der Kirche, so ist Greier überzeugt, darf man bei aller gebotenen Diplomatie nicht nur den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Man muss im Leben auch eine Position beziehen, Greier hat erfahren: "Wenn die einen einen lieben und die anderen einen hassen, dann hat man es richtig gemacht."
Zunächst aber will sich Greier mit den Menschen vor Ort bekannt machen. "Sehen - Urteilen - Handeln" ist sein Motto. Momentan ist er noch beim Sehen. In den wenigen Tagen seit Dienstantritt hat er nicht einmal alle wichtigen Personen seiner eigenen Pfarreiengemeinschaft kennenlernen können, da trifft er sich schon mit seiner evangelischen Amtskollegin Christel Mebert. "Die Ökumene liegt mir sehr am Herzen."
Beide christlichen Kirchen müssen enger zusammenrücken, um auch in Zukunft weiter bestehen zu können, ist Greier überzeugt. Beide hätten die gleiche Basis und das gleiche Ziel. Dennoch: "Wir leben von unseren Verschiedenheiten." Wichtig ist ihm aber das Gemeinsame. Greier: "Im Glaubensbekenntnis unterscheiden wir uns nur in einem Wort."