Paula (zwölf) und Daniel (13), Realschüler aus Delmenhorst, sind zum zweiten Mal im "Heiligenhof" und wollen im nächsten Jahr wieder kommen. Denn es mache Spaß, neue Leute kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Diesmal sind sie zusammen mit Gleichaltrigen aus Karvina in der Tschechischen Republik.

Alle zusammen haben gerade Physik erlebt und gelernt, was Rückstoß ist : Es gibt zwei Möglichkeiten: Die zu einer "Rakete" umfunktionierte Wasserflasche düst Richtung Wald, wenn jemand per Fußpumpe genügend Druck aufgebaut hat - oder auch nicht. Warum das so ist, weiß Philipp Schumann. Aber der hat ja auch Physik studiert.
Was so spielerisch vermittelt wird, ist ein kleiner Baustein aus einem neuen Programm, von dem sich "Heiligenhof"-Geschäftsführer Steffen Hörtler sehr viel verspricht. "Learning Campus" sei ein in ganz Bayern einmaliges Konzept, das zusammen mit dem VEZ in Trabitz entwickelt worden ist und angeboten wird. VEZ steht für Verein für Erlebnispädagogik und zukunftsorientierte Jugend- und Sozialarbeit. Geholfen haben dabei die Firma Siemens AG und die Universität Eichstätt.

"Learning Campus" erinnert stark an die legendäre "Sendung mit der Maus". Größter Unterschied: Bei "Learning Campus" kann man nicht nur zuschauen, man kann mitmachen. Und das macht noch mehr Spaß.

Das Konzept ist untergliedert in die Abschnitte Aktion, Schule und Vision, so VEZ-Geschäftsführer Stephan Müller. Es ermögliche (nicht nur) jungen Menschen Erfahrungen ganz anderer Art, sei eine sinnvolle und nachhaltige Freizeitgestaltung, verbunden mit Kompetenztraining und Förderung der Persönlichkeit. Schüler und Jugendliche sollen für die Technik begeistert werden, sie ganz direkt erleben und begreifen, einen Tag daran Spaß haben. Das kann auf dem "Heiligenhof" geschehen, aber auch in Schulen.

Azubis und Manager

Zielgruppen sind darüber hinaus Azubis, Mitarbeiter und Manager großer Unternehmen. Dieser nächste Schritt heißt vermutlich "Campus-Business".
Zum "Learning Campus" gehören Aktionen wie der Bau von Flößen, Klettern im Hochseilgarten, Bogenschießen oder "Geocoaching". Dazu werden Module angeboten. Das Programm dauert von einem halben bis zu 2,5 Tagen zu moderaten Preisen. Es kann auch in Englisch durchgeführt werden.

Dazu bietet sich der "Heiligenhof" mit seinen 212 Betten geradezu an: Nach Angaben von Hörtler punktet er mit seiner Küche, seinen modernen Zimmern (ohne TV und Mini-Bar), Seminarsälen und schnellem, kostenlosen Internet überall.
Im Rahmen von "CampusSchule" findet außerdem Projektarbeit in den Schulen oder auch am "Heiligenhof" statt.
Hörtler, seit zehn Jahren der Chef am "Heiligenhof", sagte, Stillstand sei Rücktritt und der Markt sei umkämpft. Deshalb habe man ein Angebot gesucht, "das es so noch nicht gibt". Auch in Zukunft wolle man die Nummer eins sein. Einen wichtigen Impuls habe die Siemens AG gegeben mit ihrer Klage, immer mehr Jugendliche, die die Schule verlassen, hätten kein Interesse an Technik. Deshalb wurde "Learning Campus" kreiert.

Post für 5000 Schulen

Es wird auf dem "Heiligenhof" und bei der Schwester-Einrichtung Burg Hohenberg durchgeführt. Angeboten wird es unter anderem über Alpetour (Starnberg), einem Spezialisten für Kinder- und Jugendreisen sowie Klassenfahrten. Alleine bei den Aufenthalten von Klassen habe es dank "Learning Campus" ein Buchungsplus von 250 Prozent gegeben, so Hörtler; "das hat uns umgehauen".

Dabei soll es nicht bleiben. Ein druckfrischer Katalog macht auf "Learning Campus" aufmerksam. Außerdem sollen 5000 Schulen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Berlin angeschrieben werden.
Besucher sammeln schon bei der Anfahrt zum Heiligenhof erlebnispädagogische Eindrücke: Die Schlaglöcher in der Piste zum "Heiligenhof" sind sehenswert. Und - das ist der Lerneffekt - sie zwingen gleichzeitig, langsam zu fahren.

Den "Heiligenhof" - Motto: Alles Leben ist Begegnung - gibt es als Bildungs- und Begegnungsstätte seit 61 Jahren. Träger ist das Sudetendeutsche Sozial- und Bildungswerk. Zunächst waren die Sudetendeutschen unter sich. Seit langem werden auch internationale Tagungen und Seminare mit tschechischen, slowakischen, ungarischen, rumänischen oder polnischen Referenten und Partnern durchgeführt.

Erfolgreich ist seit einigen Jahren das mehrfach umgebaute, vergrößerte und modernisierte Haus auch als Jugendherberge . Seit zehn Jahren ist Steffen Hörtler Geschäftsführer am "Heiligenhof", der dem Sudetendeutschen Sozial- und Bildungswerk gehört. Seitdem haben sich laut Hörtler die Übernachungszahlen pro Jahr von 15 600 auf über 34 000 mehr als verdoppelt.

Bei der Jugendbelegung gibt es auf dem "Heiligenhof" ein 70-prozentiges Plus. 75 Prozent der Gruppen buchten erlebnispädagogische Elemente mit. Über "Learning Campus" wurden für 2013 mehr als 8300 Teilnehmertage auf dem "Heiligenhof" und in der Schwestereinrichtung Burg Hohenberg im Fichtelgebirge verkauft. Daraus ergebe sich ein Mehr von ca. 15 000 Übernachtungen.

Informationen gibt es bei der Bildungsstätte "Heiligenhof" in Bad Kissingen (0971/ 71 47 0, info@heiligenhof.de; www.heiligenhof.de) oder beim VEZ in Trabitz (09644/ 68 09 77 0, info@learningcampus.de; www.learningcampus.de).