Mit dem Kissinger Sommer 2021 endete auch die Amtszeit von Festivalintendant Dr. Tilman Schlömp. Und so, wie die sinfonischen Konzerte alle in zweifacher Ausfertigung stattfanden, war auch dieser Abschied zweigeteilt: zunächst am Ende des zweiten Abschlusskonzerts mit den Bamberger Symphonikern im Max-Littmann-Saal, sozusagen für das Publikum, dann auf der Altane des Regentenbaus für die offiziellen Kreise. Viel war die Rede von künstlerischen und organisatorischen Leistungen, aber vor allem von dem Wunder, dass der Kissinger Sommer 2021 überhaupt stattfinden konnte.

Im Saal kam man gleich zur Sache. Oberbürgermeister Dirk Vogel meinte, dass das Motto des Kissinger Sommers, "Erinnerungen" sehr gut passe, denn es sei auch für das Festival eine Epoche zu Ende gegangen: "Leider müssen wir uns von Intendant Dr. Tilman Schlömp verabschieden." Es sei gegen alle Widrigkeiten "ein toller Kissinger Sommer" gewesen. Seine Arbeit habe nachhaltige Spuren hinterlassen durch die Schaffung neuer Formate. "Wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre neue Tätigkeit! Auf bald!", beendete er seinen Dank.

Eine Torte

Kuratoriumsvorsitzende Dorothee Bär würdigte die gute Zusammenarbeit in schweren Zeiten. Auch sie erinnerte an die neuen Formate wie die Konzerte im Hof des Luitpoldbades oder die Schaffung eines Festivalorchesters: "Leider hat uns die Pandemie dazwischengefunkt." Sie überreichte Tilman Schlömp eine Torte, "um den Abschied zu versüßen" und äußerte ihre Hoffnung, ihn noch oft in der Stadt und beim Kissinger Sommer zu treffen.

Fördervereinsvorsitzender Anton Schick bedauerte, dass in diesem Jahr ein Mitgliederempfang nach dem Abschlusskonzert aus hygienischen Gründen nicht möglich sei. Aber er dankte den Mitgliedern, dass sie trotz des Totalausfalls im letzten Jahr und der reduzierten Version jetzt auch finanziell bei der Stange geblieben seien, sodass der Verein mit Hilfe von Schlömp zumindest einen Kissinger Spätsommer auf die Beine stellen konnte.

Und so konnte auch Schatzmeisterin Martha Müller den immer sehnlichst erwarteten Spendenscheck des Vereins an Oberbürgermeister Dirk Vogel überreichen. Mit dem abschließenden Dank des OB und dem Wusch, alle gesund wiederzusehen, zog die Karawane weiter auf die Altane. Dorthin war sogar Alt-Oberbürgermeister Kay Blankenburg gekommen, hielt sich aber im beobachtenden Hintergrund.

Klare Vorstellungen

Dort musste Vogel schon deshalb ausführlicher werden, weil es galt, den öffentlichen und privaten Förderern und Sponsoren des Festivals zu danken. Und das sind mittlerweile doch eine nicht unbeachtliche Menge geworden. Aber er ging auch auf die Entwicklung des Festivals ein: "Wir haben vor eineinviertel Jahren eine Zäsur gehabt." So mancher habe im vergangenen Jahr schon das endgültige Ende gesehen. "Aber wir haben einen Prozess gestartet, und wir haben in mehreren Workshops die Zukunft des Festivals behandelt. Wir hatten einen sehr innovativen Kissinger Sommer 2021, und wir haben sehr klare Vorstellungen, wie es weitergehen kann." Wobei er in Richtung Staatsbad GmbH seiner Hoffnung Ausdruck gab, dass die bisher geltenden Konditionen für die Bereitstellung der Spielstätten so bleiben, wie sie sind.

Der OB dankte allen, die vor und hinter den Kulissen ohne Blick auf die Uhr zu dem Erfolg des Kissinger Sommers beigetragen hatten. Und schließlich galt sein Gruß dem scheidenden Intendanten: "Ich danke Ihnen für schöne Jahre mit vielen Neuerungen und wichtigen Maßnahmen wie die Installierung eines Festivalorchesters oder Sicherung der Kissinger LiederWerkstatt. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder."

In guten Händen

Natürlich dankte auch Tilman Schlömp, aber zunächst einmal den Künstlern des Abends: "Es ist eine große Leistung, ein solches Konzert zweimal zu spielen." Alle Künstler hätten in diesem Jahr Besonderes geleistet, denn viele von ihnen hätten in Bad Kissingen nach dem langen Lockdown zum ersten Mal wieder vor Publikum gespielt. "Alle haben gespürt, dass der Applaus besonders herzlich war." Der Kissinger Sommer eines der ersten Festivals, "die nach Corona wieder gestartet sind."

Das Motto, so Schlömp, habe mit Ende zu tun: "Gut, dass nach Corona etwas Neues passiert, gut, dass die Stadt weitergemacht hat in einer Zeit der Unsicherheit. Ich hätte mir mehr Konzerte gewünscht, aber es ist ein respektables, tolles Programm herausgekommen. Jetzt heiße es, sich zu verabschieden: "Ich freue mich, dass der Kissinger Sommer in guten Händen ist. Mein Nachfolger (Alexander Steinbeis) ist ein kunstsinniger Mensch. Ich hoffe, dass er in Bad Kissingen gut behandelt wird." Und natürlich dankte auch Tilman Schlömp dem sichtbaren und unsichtbaren Team des Kissinger Sommers für seinen großen Einsatz.

Dorothee Bär hatte sich bei Erich Kästners Gedicht "Der Handstand auf der Loreley" bedient, um den scheidenden Intendanten zu würdigen und die sechste Strophe umgedichtet. Das war auch nötig. Denn da stürzt der Turner in die Tiefe und bricht sich das Genick. In der Bär-Version hieß das: "...und ging hinaus und fand ein neues Glück."

Kurdirektorin Sylvie Thormann überreichte einen Blumenstrauß für das ganze Team und dankte für die gute Zusammenarbeit, denn es seien viele spontane Entscheidungen nötig gewesen. Es sei schrecklich gewesen, dass im letzten Jahr der Kissinger Sommer abgesagt werden musste. Aber auch der Winterzauber sei ausgefallen. In diesem Jahr gab es einen reduzierten Sommer, und sie war fest überzeugt, dass das auch beim Winterzauber möglich wird. Immerhin steht ja auch eine kleine Hommage an den Fürsten Rakoczy ins Haus.