Landrat Thomas Bold (CSU) tritt vor der Kommunalwahl auf rund 100 Wahlkampfveranstaltungen auf - obwohl er der einzige Bewerber um das Amt ist. "Natürlich ist es angenehm, keinen Gegenkandidaten zu haben", sagt Bold. Aber sein politisches Programm wolle er auf jeden Fall vorstellen, gleich ob er sich allein für das Amt bewirbt oder ob er fünf Gegner hat. "Das gehört für mich dazu, um die Kritik und die Anregungen der Bürger aufzunehmen", erklärt er.


Bereits seit Wochen ist so gut wie sicher, dass Bold nach dem 16. März weiterhin eines der wichtigsten kommunalpolitischen Ämter im Landkreis bekleiden wird. Es müsste schon mehr als die Hälfte der Wähler den gleichen Namen einer wählbaren Person in die leere Zeile auf dem Wahlzettel eintragen, damit Bold nicht seine dritte Periode antritt.

Politische Schwergewichte fehlen

Alle sechs weiteren Parteien und Gruppierungen, die für den Kreistag kandidieren, haben es nicht geschafft, geeignete Bewerber aufzustellen. "Ich finde es traurig für die Demokratie, dass man keine Wahl hat", sagt Grünen-Kreisrätin Monika Horcher. "Ich wüsste nicht, wen ich aufstellen soll." Junger Nachwuchs fehlt, politische Schwergewichte, die antreten könnten, lehnen aus Altersgründen ab. Ähnlich ergeht es der SPD-Kreistagsfraktion. Etablierte Politiker wie Robert Römmelt (Riedenberg), Ernst Stross (Hammelburg) und Alfred Schrenk (Wildflecken) sind entweder bereits zu alt für einen hauptamtlichen Posten oder ziehen sich freiwillig aus der Kommunalpolitik zurück. Als aktive Kandidaten stehen sie der SPD nur noch für den Kreistag zur Verfügung.

Nachwuchs muss heranwachsen

"Dass wir keinen Kandidaten für den Landrat gefunden haben ist nicht gut", sagt Wolfgang Görner, Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion. Es gehöre zum Anspruch der Volkspartei, für jedes wichtige politische Amt einen Bewerber zu stellen. "Aber wir können uns keinen Kandidaten herbei zaubern." Die Etablierten wollten es sich nicht mehr antun und die Jungen könnten es noch nicht. "Sie haben noch nicht das politische Gewicht, um für so ein Amt zu kandidieren", erklärt Görner. "Wir hoffen deshalb auf die Zukunft."

Breites Bündnis gescheitert

Monika Horcher denkt, dass es für die Parteien generell schwieriger wird, junge Menschen zu finden, die Verantwortung übernehmen wollen. Abgesehen von der FDP haben alle Kreistagsfraktionen dieses Mal parteiübergreifend nach einem Bewerber gesucht, wurden aber nicht fündig. Laut Horcher ist es in der Region aussichtslos, gegen einen CSU-Kandidaten anzutreten. Hinzu komme der Amtsinhaber-Bonus für Bold und die Tatsache, dass Bold in den letzten zwölf Jahren keine großen Fehler begangen habe. "Bold kriegt seine 75 Prozent mit oder ohne Gegenkandidaten", sagt Horcher. Das demotiviert.

Warum also soll sich jemand, der nicht persönlich hinter der Bewerbung steht, einen aufreibenden Wahlkampf liefern? Nur damit es einem symbolischen Kandidaten gibt? "Es muss jemand sein, der das aus Überzeugung macht", sagt SPD-Mann Görner. Bold stimmt ihm zu: "Natürlich ist es legitim, dass in den Gruppierungen gesagt wird, das tue ich mir nicht an."

Zum erstem Mal seit 1972 gibt es für Bad Kissingen nur einen Landratskandidaten. "Ich würde das nicht als Verlust für die Demokratie sehen", sagt Bold. Erstens, weil es kein überregionales Phänomen ist. "Bayernweit gibt es nur wenige Landräte, die keinen Gegenkandidaten haben", betont er. In Bad Kissingen hätten sich die Parteien ja alle um einen Gegner bemüht. Bold hält eine andere Situation für bedenklicher: "Es wäre etwas anderes, wenn die Parteien von vornherein sagen würden, wir unterstützen dich." Denn dann wäre die politische Alternative verloren gegangen.