Die Nacht hatte sich erst verabschiedet, schon bald sollte der Mond seine letzte Strahlkraft verlieren. Eine angenehm kühle Frische empfing daher die Gruppe zur sehr frühen Morgenstunde. Über 50 Personen hatten sich um 6 Uhr am Schotter-Parkplatz der Flugsportgruppe Hammelburg eingefunden, dazu ein gutes Dutzend Bundeswehr-Soldaten vom nahen Lager. In einem Jahr sollen es um die 5000 Menschen sein, denen dann ein sehr spezielles Naturerlebnis kredenzt wird: eine Wanderung durch den Truppenübungsplatz.

Also durch jenes etwa 4000 Hektar große Areal, das doch eigentlich militärisches Sperrgebiet ist. Durchgang strengstens verboten. Zu diesem besonderen Anlass war den Fußgängern sogar das Fotografieren erlaubt. Ein Luxus angesichts der visuellen Vielfalt, die einem begegnete auf dem 18 Kilometer langen Marsch durch das Gelände, das offiziell übrigens ein Stadtteil von Hammelburg ist. Seit 125 Jahren gibt es den Truppenübungsplatz, der im Jahr 1895 seine erste Bestimmung bekam als Schießplatz für die bayerische Armee. Ein Jubiläums-Jahr also, das am 9. August entsprechend hätte gefeiert werden sollen mit einem Tag der offenen Tür inklusive Wandertag für die breite Öffentlichkeit. Längst gedruckt war der Flyer, längst ausgearbeitet der Ablaufplan - dann kam Corona.

Geteilte Verantwortung

So wurde ein Ereignis zu einem Testlauf degradiert, der freilich ein Erlebnis war für die Teilnehmer. Allesamt Personen aus Vereinen und Verbänden, die gemeinsam mit der Bundeswehr diese Veranstaltung nun im nächsten Jahr offerieren wollen, am 8. August 2021. Die organisatorische Hauptlast wird gestemmt von der Kommandantur des Truppenübungsplatzes um Hauptmann Jörg Göbel, der vor zwei Jahren die ersten Ideen hatte, um das Jubiläum in einen passenden Rahmen zu betten.

"Über das Jahr verteilt, waren auch andere Sachen geplant, die aufgrund der Pandemie alle abgesagt werden mussten", so Hauptmann Göbel. Zumindest die Truppenübungsplatz-Chronik, die auch eine Geschichte des Lagerbergs ist, soll wie vorgesehen im September erscheinen. Kostenfrei übrigens. "Das ist ein Dankeschön der Bundeswehr an die Garnisonsstadt Hammelburg. Hier als Soldat zu leben, ist eine Glückseligkeit. Und das ist keinesfalls selbstverständlich", sagt Göbel.

Intaktes Naturerlebnis

Das Feedback der Teilnehmer an der Probewanderung fiel ausnahmslos positiv aus, sodass das Planungsgerüst steht. "Es ist immer schön, wenn man der Bevölkerung ein solch intaktes Naturerlebnis zeigen darf", sagt Stabsfeldwebel Andreas Pütz, der zusammen mit Heiko Haas, ebenfalls ein Stabsfeldwebel, die Strecke ausgearbeitet hatte. "Die historischen Bauten auf dem Gelände haben die Richtung sowie die Länge vorgegeben", sagt der Hammelburger. Wobei es auch eine deutlich kürzere Variante geben wird.

Als Vorbild dienen die Wandertage durch den Truppenübungsplatz Wildflecken, die in der jüngeren Vergangenheit auf eine enorme Resonanz stießen. Auch in Hammelburg soll ein kleiner Obolus, der über Eintrittskarten erhoben wird, zur Deckung der Fixkosten beitragen.

Ausnahmsweise läuten die Glocken

Zur Feier des informellen Wandertages durch den Truppenübungsplatz Hammelburg läuten zu jeder vollen Stunde sogar die Glocken der Michaelskirche in Bonnland. Jenem ab 1937 abgesiedelten Dorf, in dem Soldaten nun den Häuserkampf üben. In unmittelbarer Nähe: Schloss Greifenstein, das einst sogar Friedrich Schiller mit seiner Frau Charlotte besuchte. Elf der 18 Kilometer langen Strecke sind hier bewältigt.

Nach einer kurzen Einweisung durch das Führungspersonal der Bundeswehr werden die Testläufer gleich zu Beginn mit einem wunderbar weiten Blick verwöhnt. In südwestliche Richtung führt der Weg - mal geschottert, mal frisch und großzügig gemulcht. Und bestens ausgeschildert.

Die organisatorische Handschrift der Bundeswehr ist unverkennbar. Sogar Ranger-Patrouillen werden eingesetzt, um die Sicherheit zu gewährleisten. Rechts liegengelassen wird nach sechs Kilometern die Ruine Reußenberg, die am 8. August 2021 Anlaufpunkt sein wird zum offiziellen Veranstaltungs-Termin, an dem die Organisatoren mit mindestens 5000 Personen rechnen, auf die weitere informative Extras warten.

Über Bonnland und den Friedhof Hundsfeld führt die große Schleife zurück zum Ausgangspunkt. Kurz vor dem Ziel wartet ein letzter langgezogener Anstieg. Mit dem Greifenstein-Abstecher ist die 19-Kilometer-Marke fast geknackt, sind 350 Höhenmeter überwunden. Eine lohnenswerte Anstrengung.