Die Lage und Geschichte geben es her: Gradierbau und Salinenbad, Dampferle und das Salzhaus sind in direkter Nähe - alles Punkte, die auf die Weltbadzeit Bad Kissingens verweisen. Da wundert es nicht, dass Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) das Welterbezentrum an der Unteren Saline sieht. Aber: Welche Anforderungen hat die Unesco an ein solches Gebäude und passt das Ensemble am Saaleufer zu den gestellten Voraussetzungen?

Bad Kissingen: Was fordert die Unesco-Kommision?

Welchen Rahmen die Unseco für das Zentrum gesetzt hat, weiß der Eigentümer der Unteren Saline, der Freistaat Bayern, nicht. Konkrete Werte - etwa zur Fläche - gibt es wohl nicht. Zumindest sind Dr. Christoph Machat, der seit 1984 auf internationaler Ebene für Icomos tätig ist, solche nicht bekannt. Bei Icomos handelt es sich um das Expertengremium, dass die Bewerbungen von Welterbestätten überprüft. "Welche Größe beziehungsweise wie viele Räumlichkeiten ein solches Welterbezentrum benötigt, ist schwer zu sagen", kommentiert er.

Das sind die Aufgaben des Bad Kissinger Welterbezentrums

Das Zentrum werde nach Bedarf und Profil eingerichtet. "Hauptaufgabe ist es, in erster Linie den eigenen Einwohnern, also den Betroffenen - und erst in zweiter Linie Touristen - alle Unterlagen zum Verständnis des Welterbestatus - Begründung, Erhaltung beziehungsweise Umgang damit - zur Verfügung zu stellen", teilt Christoph Machat mit.

"Es könnte beziehungsweise sollte in einem bestehenden Bau mit Bezug zur örtlichen Welterbethematik untergebracht werden, der freilich für Publikumsverkehr geeignet sein muss", meint er. "Einen eigens dafür errichteten Neubau hielte ich nicht für angemessen."

Alt- oder Neubau als Lösung in Bad Kissingen?

Das bestätigt die deutsche Unesco-Kommission. Peter Martin, der mit der Pressearbeit beauftragt ist, sagt: "Es gibt keine Anforderungen. Was es gibt, ist ein Auftrag Welterbe zu vermitteln. Die Form und Ausgestaltung sind nicht genau festgelegt." Ein wuchtiges Zentrum muss es nicht sein, möglich sei beispielsweise auch ein kleinerer Infopoint. "Es ist sehr offen formuliert", stellt Peter Martin fest. Die Einschätzung von Christoph Machat bestätigt er: "Es hängt von den Gegebenheiten vor Ort ab." Neubau oder das Nutzen eines Altbaus mit Bezug zum Welterbe - beides ist möglich. Regeln, wie etwa eine feste Quadratmeterzahl, gibt es nicht.

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Welterbezentrum: So ist Bamberg das Zentrum angegangen

In Bamberg befindet sich das Welterbezentrum beispielsweise im Herzen der Altstadt. Auf rund 220 Quadratmetern wird Besuchern dort das Welterbe nahe gebracht. "Das Team besteht momentan aus fünf Personen, darunter eine FSJlerin und eine wissenschaftliche Volontärin", teilt Hannah Gröner vom Bamberger Welterbezentrum mit. "Möglich sind auch digitale Lösungen." Solche gibt es beispielsweise in Bayreuth. Dort ist das Welterbegut das Markgräfliche Opernhaus. Die Unesco stuft das Bauwerk in der oberfränkischen Stadt als "Meisterwerk barocker Theaterarchitektur" ein. Digitale Angebote würden Welterbestätten zuhauf nutzen. " Viele haben während der Pandemie den Bereich gestärkt, beispielsweise mit Apps", sagt Peter Martin. Anders gestaltet sich die Situation an der Würzburger Residenz. Zwar war mal ein Welterbezentrum geplant, jedoch wurde dieses nicht realisiert. Um Welterbestätten zu helfen, gibt es eine Infobroschüre von der Unesco.

Hürde beim Welterbezentrum: Wie lässt sich das Gebäude dauerhaft finanzieren?

Eine Hürde ist laut der Handreichung insbesondere die langfristige Finanzierung eines Welterbezentrums. Inhalte und Technik sollen stets auf einem aktuellen zeitgemäßen Stand sein. Um die Kosten zu decken, lassen sich verschiedene Fördermittel von der EU und dem Bund anzapfen. Eine Möglichkeit, um die langfristige Finanzierung sicherzustellen, sind laut Broschüre beispielsweise Tagungen, Spenden oder Eintrittspreise.

Wichtig ist der deutschen Unesco-Kommission die Barrierefreiheit, die sich auch auf die Anreisemöglichkeiten bezieht. Große Parkplätze in Nähe des Zentrums sind - sofern möglich - favorisiert.

Warum die Untere Saline in Bad Kissingen durchaus Chancen hat

Damit kommt die Untere Saline durchaus ins Spiel: Parkplätze, Straßenanbindung - wichtige Faktoren sind dort bereits gegeben. Hinzu kommt noch die Vergangenheit: "Grundsätzlich ist die Untere Saline ein hochinteressantes Objekt für die Einrichtung des Welterbe-Zentrums, aufgrund ihrer Lage, ihrer Bausubstanz und ihrer Historie", sagt Thomas Hack, Pressesprecher der Stadt Bad Kissingen. Beim Welterbe-Festakt verwies Dirk Vogel auf eine Studie, die sich mit der Suche nach einem geeigneten Ort für das Zentrum befasste.

Die Anregung aus dem Bad Kissinger Rathaus zum Welterbezenturm

Das Ergebnis war eine Empfehlung für die Untere Saline. Damit erfüllte sich ein Stückweit die Hoffnung des OBs: Er äußerte die Hoffnung, dass sich über das Welterbe Leerstände beseitigen lassen würden. "Ich würde mir wünschen, wenn wir das Welterbezentrum dort unterbekommen. Das wäre eine klasse Entwicklung für das Areal", äußerte er sich jüngst zum Thema am Welterbe-Festakt(wir berichteten). Aber: Fix ist noch nichts. Der Hinweis auf die Untere Saline lasse sich als Anregung sehen, heißt es aus dem Bad Kissinger Rathaus.

Mit der Untersuchung und einer Grundlagenstudie zum Welterbezentrum dürfen sich die Stadträte im September auseinandersetzen. Sollte es dann auf die Untere Saline herauslaufen, gibt es immer noch genug an dem Gebäudetrakt zu tun. Und das, obwohl Handwerker diverse Arbeiten an dem Gebäudekomplex im vergangenen März abschlossen. Der Freistaat setzte damals in zwei Etappen Dächer und Fenster der Anlage instand.

Arbeiten an der Unteren Saline im Frühjahr vollendet

Die Kosten: 1,36 Millionen Euro (wir berichteten). Allein 800 000 Euro flossen von 2017 bis zum März 2021 in das Dach des Nordflügels mit Werkstatt, Kesselbau und Wäscherei. Mit weiteren 200 000 Euro schlug das Dach des Kopfbaus zu Buche.

Auf die ehemaligen Meister- und Inspektorenwohnungen sowie das Sudhaus entfielen 360 000 Euro. Die Arbeiten waren notwendig - allerdings nicht wegen einer baldigen Nutzung. Dem Freistaat ging es darum, dem Verfall des Ensembles Einhalt zu gebieten.

Erhalt war im Fokus des Eigentümers

Das zeigte sich an den Fenstern. Aus Kostengründen verwendeten die Restauratoren nur gebrauchtes Material. "Es ging nur darum, dass die Fenster wieder funktionieren und dicht sind", kommentierte Restaurator Heiko Koob die Arbeiten im Frühjahr.

Geschichte der Unteren Saline

Geschichte Das Areal der Unteren Saline ist seit der karolingischen Zeit im 9. Jahrhundert mit der Salzgewinnung verbunden. Der heutige dreiflügelige Gebäudekomplex entstand größtenteils ab 1788 unter dem Würzburger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim.

Im Gebäude steht - so das Stadtarchiv - die älteste Sudpfanne Süddeutschlands. Die Anlage unterlag immer wieder Umbauarbeiten. 1968 wurde zum letzten Mal Salz gesotten. Von da an nutzte die staatliche Bäderverwaltung OHG die Untere Saline als Wäscherei und Werkstatträume.Seit 1999 steht der Komplex leer, lediglich ein kleiner Teil wird noch als Lager genutzt. Das Gebäudeensemble ist denkmalgeschützt.josch