Er prägte das deutsche Kino der Nachkriegsjahre und brachte es zu internationalem Ansehen, sie unterstützte die Armen und Alten der jüdischen Gemeinde in Berlin. Im Rahmen der Jüdischen Kulturtage erzählt die Berliner Filmproduzentin Alice Brauner (56) am Freitag, 10. Juni, in der Bad Kissinger Erlöserkirche aus dem ungewöhnlichen Leben ihrer Eltern Maria und Artur Brauner und liest aus ihrer Biografie "Also dann in Berlin".

Musikalisch wird die Veranstaltung von Laura Rosen (Gesang) und Boris Rosenberg (Klavier) begleitet. Tickets gibt es in der Buchhandlung "seitenweise" (Ludwigstraße 21).

Wohl jeder von uns hat schon mal einen alten Karl-May-Film, einen Doktor-Mabuse- und oder einen dieser düsteren Edgar-Wallace-Schocker gesehen, über die man sich heute nur amüsieren kann. Der wichtigste Mann hinter diesen und anderen damals so spektakulären Kino-Hits war Deutschlands erfolgreichster Filmproduzent und Studio-Betreiber Artur Brauner (1918-2019), meist nur "Atze" genannt.

An seiner Seite stand 70 Jahre lang Maria Brauner (1927-2017). Beide hatten als Holocaust-Überlebende - er gebürtig aus Lodz (Polen), sie aus Lwiw (Ukraine) - im November 1946 in einem Lager für Displaced Persons im württembergischen Heidenheim geheiratet, nachdem sie sich im Jahr zuvor am Bahnhof in Stettin erstmals getroffen hatten. Tochter und Biografin Alice Brauner nennt ihre Mutter angesichts ihrer Aufgabenvielfalt als Berliner Sozialdezernentin sowie Gemeinderepräsentantin und Patientenfürsprecherin am Jüdischen Krankenhaus in Berlin "ein Synonym für Werte und Menschlichkeit": Maria Brauner kümmerte sich liebevoll um Senioren, nahm sich viel Zeit für sie, hörte ihnen zu und unterstütze sie auch finanziell, wo es nötig war.

In ihrem kürzlich erschienenen Buch "Also dann in Berlin" widmet sich Tochter Alice nicht nur der Liebesgeschichte beider erst vor wenigen Jahren verstorbenen Eltern, sondern drei Generationen ihrer jüdischen Familie. Zur Familiengeschichte gehört natürlich das filmische Lebenswerk ihres Vaters, dessen schon 1946 in Berlin mit geliehenem Geld gestartete Firmengruppe CCC-Film sie heute leitet. Doch sie erzählt auch von den weniger erfolgreichen Filmen wie "Morituri", "Die weiße Rose", "Hitlerjunge Salomon" oder Babij Jar", in denen sich der Vater mit dem NS-Regime und der Shoah auseinandersetzte. Diese Themen lagen ihm als einzigen Überlebenden seiner Familie besonders am Herzen. Brauner hatte sich einst geschworen: "Wenn ich überlebe, muss ich die Opfer lebendig machen."

Trotz moderner Lebensführung der Eheleute Brauner im Blitzlichtgewitter des internationalen Filmgeschäfts wurde dennoch daheim das Judentum aktiv gelebt: alle Feiertage wurden gefeiert, es wurde traditionell, aber nicht koscher gekocht. Am Freitagabend wurden die Shabbat-Kerzen entzündet, doch die Synagoge nicht regelmäßig besucht - es gab dann doch zu viele Filmpremieren und gesellschaftliche Verpflichtungen.

Veranstaltung:

Freitag, 10. Juni, 19 Uhr, Erlöserkirche: "Also dann in Berlin. Artur und Maria Brauner" mit Alice Brauner (Lesung), Laura Rosen (Gesang), Boris Rosenberg (Klavier); Tickets: Buchhandlung "seitenweise", Ludwigstraße 21, Bad Kissingen, Tel.: 0971/ 46 46.