Vor ein paar Wochen war noch Bischof Friedhelm Hofmann zu Besuch. Noch mal ein kleiner Höhepunkt. Doch nun ist das Gasthaus "Zum Hirschen" in Ebenhausen geschlossen. Zumindest vorerst. Die Besitzer Carola und Willi Schneider haben einen Käufer gefunden, der Fremdenzimmer und Gastronomie übernehmen will. Die Kegelbahn wird allerdings nicht weiter betrieben.
Der Abschied fällt nicht unbedingt schwer. "Wir machen das schon lang genug", sagt Willi Schneider.
Er freue sich auf ein normales Leben. Jetzt bleibt mehr Zeit für Radtouren. "Man muss nicht mehr überlegen, was auf die Speisekarte kommt", sagt der Gastwirt. Für gewöhnlich waren darauf häufig Wildgerichte zu finden.

Ein Traditionsgasthaus

Den Hirschen gibt es seit über 100 Jahren. Wie lange genau, wissen die Schneiders nicht. 1964 erhielt das Haus jedoch bereits eine Urkunde über 70 Jahre Bierbezug der Brauerei Wahler.
Schon Carola Schneiders Urgroßvater war Gastwirt. Da fand man das Gasthaus, das zuvor eine Wärmestube war, noch in der Hennebergstraße. Übernommen hat Carola Schneider den Betrieb von ihrem Vater. 1983 eröffneten sie und ihr Mann das neue Gasthaus in der Raiffeisenstraße. "Wir haben mit einem Buffet angefangen", erzählt die gelernte Köchin. Und mit einem Buffet endete auch die Zeit im Hirschen.
In den nächsten Wochen räumen die Schneiders die Privaträume, in denen sie wohnten. Die gastronomische Ausstattung bleibt erhalten. Das ist aber nicht das Einzige, was bleibt. Die hauseigenen Obstbrände will Willi Schneider weiter herstellen. Die Sorten reichen von Birne, Mirabelle und Kirsche bis zu Zwetschge und Quitte.

Viele Pendler zu Gast

Die Gäste im Hirschen waren meist Menschen, die beruflich unterwegs waren. Durchreisende gab es eher weniger. Die gibt es derzeit ab und an wegen der Oerlenbacher Umleitung. Es gab jedoch vereinzelt Besucher aus dem Ausland. Aus den Niederlanden, aus Dänemark und Schweden kamen die meistens. Sie suchten ein Obdach auf ihrer Weiterfahrt in den Süden.
An Berühmtheiten, die zu Gast waren, kann sich Willi Schneider nicht erinnern. "Wenn, dann höchstens anonym", sagt er. Der prominenteste Besuch war also der Bischof, der erst vor Kurzem im Hirschen einkehrte. Auch wenn mehr Zeit für andere Dinge bleibt: Eins werden die Schneiders vermissen. "Den Kontakt zu den netten Gästen", sagt Willi Schneider. Vor allem die Stammgäste, die über Jahre hinweg immer wieder kamen.

Wehmut und Pläne

Die neugewonnene Zeit wollen die Schneiders mitunter für Kurzreisen nutzen. "Wir sind keine, die nur daheim bleiben", sagt Willi Schneider. "Aber wir wandern nicht aus", ergänzt seine Frau. Sie möchte nun öfter Freunde besuchen, die vorher vielleicht etwas zu kurz gekommen sind. "Wenn ich Langeweile habe, suche ich mir vielleicht einen Aushilfsjob", sagt ihr Mann. Noch gebe es aber genug zu tun. Schließlich muss sich noch um einiges an Papierkram gekümmert werden. "Es geht nicht von heute auf morgen", sagt Willie Schneider.

Schwerer Stand auf dem Land

Der neue Besitzer des Hirschen wird es nicht unbedingt leicht haben. Denn in der Region haben viele Gastronomen ihre Probleme. "Es wird immer weniger Lokale auf den Dörfern geben", sagt Willi Schneider. Das rühre auch daher, dass es stetig mehr Dorffeste gebe. "Da weißt Du ja gar nicht, wo Du am Wochenende hingehen sollst", sagt der Gastwirt.
Carola Schneider glaubt, dass es weniger Gäste gibt, weil viele Vereine inzwischen ihre eigenen Lokale haben. Ein weiterer Grund sei, dass die Menschen nach Prozessionen nicht mehr in die Wirtschaft gingen, sondern nach Hause. Zum Frühschoppen komme heutzutage kaum jemand und auch das Kartenspielen habe nachgelassen. "Früher saßen die Leute manchmal bis nachts um fünf", erzählt Carola Schneider. Aber es sei normal, dass sich das verändert. Heute haben sie eben alle ihre Handys und Laptops. "Die jungen Menschen, die ständig auf ihr Handy gucken, verlernen das reden", sagt die Gastwirtin. Sie sitzen sich gegenüber und kommunizieren über ihr Handy.
Bis die neuen Besitzer das Gasthaus wieder eröffnen, werden wohl noch ein paar Wochen vergehen. Was genau geplant ist, wissen die Schneiders derzeit noch nicht. Nur, dass die neuen Besitzer vom Balkan stammen. Vielleicht werden demnächst ein paar ausgefallenere Gerichte als bisher auf der Speisekarte stehen. Das ist den Schneiders aber nicht mehr so wichtig: Das Gasthaus ist verkauft, der Ruhestand beginnt.