Jugendliche und Heimat. Wie soll das denn gehen? Das werden jetzt mit Sicherheit einige Erwachsene denken. Und überhaupt, Jugendliche, sind das nicht die, die sowieso zu nichts Lust haben und obendrein noch frech daher kommen? Weit gefehlt, für das Projekt "Zeige mir Deine Heimat" legten sich elf junge Teilnehmer - in Gruppen, in Zweier-Teams und auch alleine - mächtig ins Zeug.

Zwischen 13 und 17 Lenze zählen die jungen Leute, die sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Zu sehen sind die Ergebnisse ihrer Arbeit bis zum 26. November in Nüdlingen im Rathaus. Bei der Vernissage mit rund 50 Besuchern und den jungen Künstlern zeigt ein Film von von Jana Runkel aus Hohn und Émilie Heinisch aus Steinach zur Begrüßung die heile Welt in der Rhön. Pferde, Ponys, Reiter, Wiese, Feld, Wald, Flur, Harmonie in Reinform in der dieser letzten Sequenz des Videos.

"Die Welt ist klein und wir sind groß", untermalt den Einstieg, der den Zuschauer mit auf die Reise in die Heimat nimmt, die so oft gar nicht mehr wahrgenommen wird. Hier, in dieser Ausstellung, sind es die Jugendlichen, die den Erwachsenen die Augen öffnen,: Schau her, es ist schön hier, sagen die Bilder und die Zitate als Begleittexte. "Heimat ist für mich da", sagt Anna-Lena Heid, "wo Freunde und Familie sind. Wo man Spaß haben kann und sich wohl fühlt."


Schöngeist und Kultur

Die 13-Jährige kommt wie Isabell Jungklaus aus Nüdlingen, für die 16-Jährige zählt auch das Vereinsleben als ein Stück zum Puzzle, das sich Heimat nennt. "Heimat, das ist nicht nur die Straße, das Haus, das Einkaufszentrum um die Ecke", sagt Ganna Kravchenko, Projektmanagerin der Allianz Kissinger Bogen und Initiatorin der Aktion. "Heimat ist auch der Schöngeist und die Kultur einer Region und das muss weiterhin gefördert werden."
Sie kennt gleich zwei Heimatländer: Die Ukraine, hier ist sie geboren und aufgewachsen, und Bad Kissingen. Hier lebt und arbeitet sie seit März 2015. Nach Deutschland gekommen ist sie elf Jahre früher. Im Herbst 2015 entstand die Idee, Kinder und Jugendliche für das Thema Heimat zu begeistern. Durch "Rhönkäppchen", ein Theaterprojekt, das zum Teil an der Hermannsruhe in Burkardroth spielt, nahm der Gedanke, Jugendliche für das Thema Heimat zu begeistern, Gestalt an. Unterstützung bekam die Allianz Kissinger Bogen, der Bad Bocklet, Burkardroth, Nüdlingen und Oberthulba angehören, vom Pro Jugend Verein und der Gemeindebücherei in Nüdlingen. In den Schulen der Gemeinden waren schnell Interessierte gefunden, darunter - neben einzelnen Schülern - auch die Bläservereinigung Burkardroth und die Jugendfeuerwehr Wittershausen.

Mit Fotoapparat, Handy oder Filmkamera zogen die Suchenden los. "Der Schnitt der Videobeiträge wurde durch das Projektteam von Hubert Ziegler von der Gemeinde Nüdlingen erarbeitet", so Kravchenko. "René Felcht war zuständig für die Akquise der Teilnehmer und die inhaltliche Ausarbeitung."


Menschen, Tiere, Landschaft

Gefunden haben die Teilnehmer ihre Heimat in den Menschen, der Landschaft, in den tierischen Bewohnern - zu sehen als Ganzes oder im Detail: die Margaretenblüte auf dem Weg, Gewitterwolken am Sommerhimmel, ein Blick auf das Blau des Wassers im Schwimmbad oder die eigenwillige Ansicht einer Rutsche auf dem Spielplatz. Heimat ist vielfältig und bedeutet für jeden etwas anderes, das wird bei der Ausstellung deutlich. "Heute ist das Rathaus ein Arthaus", sagt Stefan Funk, Geschäftsleiter der Gemeinde Nüdlingen, bei der Eröffnung der Ausstellung. Die Besucher hätten die Gelegenheit, nicht nur das Rathaus, sondern auch die Region aus einer anderen Perspektive zu betrachten: "Das Projekt ist einmalig und nicht alltäglich."


Bei Anliegen melden

"Das Rathaus ist mehr als eine Verwaltung", befindet Bürgermeister Harald Hofmann. Nirgends gelinge Integration und Inklusion besser als unter Jugendlichen, lobt er die Arbeit der Allianz Kissinger Bogen. Hier werde über Kunst, Musik und Theater viel erreicht. Wenn sie Anliegen hätten, dann sollten sie sich melden, fordert er die Jugendlichen auch im Namen von Bad Bocklets stellvertretendem Bürgermeister Andreas Sandwall und dem stellvertretenden Bürgermeister von Nüdlingen, Stephan Schmitt auf,

Es sei gut, dass Jugendliche für die Heimat begeistert werden, sagt stellvertretender Landrat Emil Müller. "Heimat ist nicht nur der Punkt, zu dem man abends wieder heimfährt, Heimat ist auch die Verbundenheit mit der Region."

Mit dem Projekt und der Ausstellung bekommen die Jugendlichen eine Plattform um zu zeigen, was ihn ihnen und in ihrer Heimat steckt. "Sie erfahren eine Wertschätzung und die Erwachsenen nehmen sie viel mehr wahr", so Müller. Wer will ist natürlich herzlich eingeladen, die Bilder im Rathaus und in der Gemeindebücherei in Nüdlingen anzuschauen.


Gemeinsam gestalten

Erklärtes Ziel der Allianz Kissinger Bogen e. V. ist die Zukunft der ländlichen Entwicklung gemeinsam zu gestalten und die Region in den nächsten Jahren als Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum weiter voranzubringen. Die Zusammenarbeit der beteiligten Gemeinden soll die Kommunalentwicklung begünstigen und mehr Schwung in die Region bringen.