Die karge, raue Landschaft der Rhön hat die dort lebende Bevölkerung über Jahrhunderte geprägt. Kultur, Sprache und Brauchtum haben sich den Gegebenheiten angepasst. "Rhöner Leut' sind zurückhaltend. Sie sind knorzig. Aber wenn sie sich öffnen, kann man alles von ihnen haben. Der Rhöner ist ein liebenswerter Mensch", erklärte Luise Voll aus Gefäll. Sie gehört zur Musikgruppe "Hoibüche Muisig". Wie liebenswert der Rhöner sein kann, zeigten sie und andere Künstler beim Rhöner Heimatabend im Großen Saal des Regentenbaues.

Mit flotten, aber auch sinnlichen Weisen, "Geschichtlich" und "Gedichtlich", wurde den Bewohnern des Mittelgebirges tief ins Herz geblickt. Sprachlich war zwar manchmal eine Barriere aufgebaut, denn der Dialekt ist nicht einfach zu verstehen. Liebevoll wurden die Sprachprobleme spielend umschifft, sodass man keinen Übersetzer brauchte.

So wurde die Blaskapelle als die "Pramicher" angekündigt. Das sind fünf Musikanten, die sich auf Hochdeutsch "Premicher Blechbläser" nennen. Mit Musik vergangener Jahre bezauberten sie die Zuhörer.

Steirische Harmonika

Mit Melodien aus der Rhön begeisterte die "Hoibüche Muisig". Dieser Name kommt von der Hainbuche und wird im Gefäller Dialekt als "Hoibüche" ausgesprochen. "Owannig" heißt ein Trio aus Waldberg, das mit zwei Steirischen Harmonikas und Liedern in Mundart, wie "Doa bin ich dehoam" ihre Heimat hochleben ließen. Der Name der Gruppe kommt von "Owann". Das Wort bedeute "Grenz zwischen zwei Feldern".

Fränkische Rund- und Figurentänze, wie den "Schlamperer" oder den "Hackschottisch" zeigte die Tanzgruppe aus Weisbach gekleidet in ihren traditionellen, reich bestickten Trachten. Begleitet wurden sie musikalisch von Helmut Handwerker mit der Steirischen Harmonika.

Nachwuchs ist voll dabei

Auch der musikalische Nachwuchs kam nicht zu kurz. Mit ihren Steirischen Harmonikas beeindruckten der zwölfjährige Linus Schaub (Diebach) und der 14-jährige Justin Huppman (Steinach) die Zuhörer. Linus war erstmals dabei und hat als Solist und auch im Duo mit Justin exakt und gekonnt sein Instrument beherrscht. Justin ist schon ein alter Hase und hatte zuvor einige Jahre beim Fränkischen Heimatabend seine glanzvollen Auftritte. Beide haben sich beim gemeinsamen Musikunterricht in der Musikschule kennen gelernt und jetzt einen gemeinsamen Auftritt mit Bravour bestritten.

Mit "Geschichtlich" und "Gedichtlich" reizte Heribert Voll als Co-Moderator von Gabi Kanz die Lachmuskeln der Gäste. Gleichzeitig erzählte er von der früheren, harten, aber dennoch auch schönen Zeit in der Rhön: "Die Leute haben sich krumm gearbeitet, konnten nicht mehr aufrecht gehen. Man hat von dem gelebt, was man selbst erzeugt hatte."

Forellen mit Hand gefangen

Mit Witz und Selbstironie erzählte er auch von seiner Jugend, als er mit seinen Freunden Forellen gefangen habe. Sie hätten diese mit der Hand am Bauch gekitzelt, dann seien sie stehen geblieben und sie hätten sie leicht aus dem Wasser nehmen können. Ob die Geschichte jemand geglaubt hat?

Dank der überaus gelungenen Mischung aus Musik, Erzählungen, Tanz und Humor wurde der "Rhöner Heimatabend" zu einer Veranstaltung, die begeisterte, was man dem riesigen Applaus des Publikums entnehmen konnte.

Den Mitwirkenden gelang es, die Besucher ohne zu verklären, in eine längst vergangene Zeit mitzunehmen und sie damit zu fesseln. Man konnte viel vom "Land der offenen Fernen" und seinen Bewohnern erfahren und dank der Mitwirkenden, die mit viel Herzblut ihre Darbietungen präsentierten, einen stimmungsvollen Abend erleben.