LandkreisWenn die Erdkröten sich im zeitigen Frühjahr auf den Weg zu ihren angestammten Laichplätzen machen, wissen sie nichts von den Gefahren des Straßenverkehrs. Im Landkreis bereiten sich Naturschützer bereits jetzt auf die Wanderzeit vor. Auch in diesem Jahr wird der Bund Naturschutz (BN) in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband oder den Straßenbaubehörden die Straßenabschnitte sichern, die von den Amphibienwanderungen besonders betroffen sind. Ehrenamtliche Helfer kontrollieren täglich die Abschnitte, um die von den Zäunen gestoppten Tiere sicher auf die andere Seite zu bringen. Es sind überwiegend Erdkröten, seltener sind es Frösche oder Molche, die die Helfer antreffen. Ziel ist, dass möglichst viele Tiere unversehrt zu Teichen und Tümpeln gelangen, um dort für die nächste Amphibien-Generation zu sorgen.

Rund 1000 ehrenamtliche Stunden kommen im Landkreis während der Krötenwanderung zusammen, weiß Elisabeth Assmann von der BN-Kreisgruppe. Über die Einsätze wird Buch geführt. Deshalb hat der Naturschutzbund einen Überblick darüber, wie viele Amphibien pro Wandersaison an neuralgischen, durch Zäune geschützten Straßen geholfen wird. Rund 8500 Tiere wurden im letzten Jahr gerettet. "Die Tendenz ist leider sinkend", bedauert Elisabeth Assmann. Denn die Amphibienbestände gehen zurück. Mit ihrer jährlichen Aktion im Frühling wollen Naturschützer einen Beitrag zu deren Fortbestand im Landkreis leisten. Klimawandel, intensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen und eingeschleppte Krankheiten machen der Population im Landkreis und anderswo zu schaffen. "Es sind weltweit die Amphibienbestände, die am gefährdetsten sind", so Landkreis-Diversitätsmanager Matthias Franz.

2021 waren 50 Helfer im Einsatz

Die Wiege des BN im Landkreis Bad Kissingen ist nach Aussage von Elisabeth Assmann diese Schutzaktion. Vor 49 Jahren sammelten erstmals engagierte Landkreisbürger und -bürgerinnen wandernde Amphibien von den Straßen, weil sie erkannt hatten, wie groß das Gefahrenpotenzial für die wandernden Tiere dort ist. Daraus habe sich der Bund Naturschutz im Landkreis entwickelt.

2021 wurden an zehn Strecken 3600 Meter Amphibienschutzzäune aufgestellt; 50 Helfer unterstützten das Projekt, die auch nachts und bei Regen unterwegs waren, erklärt Elisabeth Assmann. Sie selbst gehört auch zu den Helfern. Der Zaun sei nicht nur für die Amphibien ein Schutz, sondern auch ein Sicherheitsfaktor für die menschlichen Retter. Die Intensität der Amphibienwanderung variiert von Strecke zu Strecke. Viel zu tun war letztes Jahr beispielsweise in Premich.

Für 2022 kommen vier Strecken mit zusätzlich 3850 Metern Zaun hinzu. Die Beschaffung der neuen Zäune und die finanzielle Unterstützung der Helfer werden durch einen Antrag des Landschaftspflegeverbandes bei der Regierung von Unterfranken unterstützt. Auf einer Gesamtlänge von knapp 7500 Metern wird es in diesem Frühling zehn vom BN betreute Amphibienstrecken geben. Neu ist ein 750 Meter langer Abschnitt zwischen Euerdorf und Sulzthal sowie ein 900 Meter langer Bereich bei Obereschenbach. Erstmals im Schutzprojekt sind auch die Straßen zwischen Wermerichshausen und Weichtungen sowie zwischen Kleinwenkheim und Maria Bildhausen. Mit einer Länge von jeweils 1000 Metern werden diese beiden Bereiche 2022 auch die längsten bezaunten Amphibienstrecken sein. Dazu braucht es ehrenamtliche Helfer. Derzeit befindet sich der Bund Naturschutz auf Helfersuche. Mehr dazu lesen Sie auf