Eigentlich sollte am Münnerstädter Valentinshof von Agro-Schmitt in diesen Tagen der Raps ausgesät werden. So waren die Planungen. Doch das Wetter hat den Terminkalender ordentlich durcheinander gewirbelt. Wo der Raps jetzt in die Erde sollte, steht immer noch Getreide. Volker und Johannes Schmitt rechnen damit, dass die Mähdrescher eine weitere, gute Woche laufen werden, ehe alles Korn vom Acker ist. Normalerweise wäre die Ernte zu dieser Zeit im August komplett eingefahren. So war es zumindest in den vergangenen Jahren. Heuer ist das aufgrund der unbeständigen Witterung anders. Langsam wächst bei den Landwirten die Sorge um die Qualität ihrer auf den Feldern verbliebenen reifen Saaten. Denn mit jedem neuen Regen steigt die Gefahr, dass Weizen, Dinkel oder Roggen überreif werden. Dann verlieren sie ihre Backeigenschaften und sind im schlimmsten Fall nur noch als Futter zu vermarkten; das brächte deutliche finanzielle Einbußen mit sich.

"Wir brauchen eine stabile Woche", sagt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, der Nüdlinger Landwirt Edgar Thomas. Auch bei ihm verzögert sich die Ernte. Manche Äcker können noch gar nicht befahren werden, berichtet er. Hie und da versinke der Mähdrescher im Schlamm der durchweichten Äcker. Dort, wo das Getreide gedroschen wurde, durchziehen teilweise Furchen den Boden. Normalerweise vermeide man das Befahren der nassen Felder, um die Böden zu schonen, erklärt Edgar Thomas. "Aber wir müssen jetzt einfahren."

Die Wettervorhersagen zum Wochenbeginn stimmten ihn zuversichtlich, dass nach der Regenwoche zügig gedroschen werden kann. Doch am nächsten Morgen erneuter Regen. Auch wenn die Menge nur klein war, sie reicht, dass das Getreide wieder nass wird. Edgar Thomas drischt Getreide, das eigentlich trockener sein sollte. In der Trocknung auf dem Hof wird ihnen die Feuchtigkeit entzogen. Er ist froh, dass es diese Möglichkeit gibt. Und sie lohne sich wirtschaftlich auf jeden Fall erklärt er, zumal bei ihm auch Sonne die Energie dazu liefert.

"Wir sind halt nicht überdacht", meint der Gutsverwalter vom Münnerstädter Valentinshof, Fred Wolf, zu den Wetterproblemen und blickt auf die nächsten schwarzen Wolken, die sich am Himmel türmen. Gerade kann der Mähdrescher fahren. An diesem Nachmittag geht alles gut. Die Wolken verziehen sich. Es bleibt trocken. Wieder ein kleiner Etappensieg.

Die Ernte ist heuer ein Wettlauf mit dem Wetter und dem Fortschreiten des Sommers. Schon jetzt ist das tägliche Zeitfenster fürs Dreschen auch durch den Sonnenstand und die zunehmende Morgen- und Abendfeuchte eingeschränkter als noch Ende Juli.

Das Wetter der nächsten Tage wird also entscheiden, wie gut die Ernte bei den Brotgetreidesorten sein wird. Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die Erträge eher durchschnittlich sein werden. Das zumindest zeigen die Erfahrungen mit der Winter- oder Braugerste, die bereits eingefahren sind. Sowohl Edgar Thomas, als auch Volker Schmitt erklären, dass die Wachstumsphase in diesem Jahr sehr vielversprechend war. "Es hat richtig gut ausgesehen", sagt Volker Schmitt. Wassermangel war heuer kein Problem. Entsprechend üppig wuchsen die Saaten. Die Körner jedoch haben sich nicht ganz so prächtig entwickelt, wie es den Anschein hatte, weiß man zwischenzeitlich. Woran es gelegen hat? Die Fachleute rätseln. Wenig Sonnenschein und Wärme im Juli könnten ein Grund sein. Es ist aber auch denkbar, dass die kurze Hitzephase im Frühjahr die Kornentwicklung beeinflusst hat. Man weiß es nicht.

Im Agrarhandel von Martin Halbig in Brünn liefern Landwirte aus der ganzen Region ihre Ernteerträge ab. Durchschnittlich bis gut bezeichnet Halbig die Mengen an Wintergerste, Braugerste oder Raps, die bislang von Bauern angeliefert wurde. Die Qualitäten lägen im Normalbereich. "Die Wintergerste war in Ordnung", bestätigt auch Volker Schmitt. Beim Roggen oder Weizen kann Martin Halbig noch keine Aussage treffen. Davon traf bislang zu wenig ein. Entscheidend wird jetzt sein, wie schnell die Feldfrüchte vom Acker kommen, sagt er.

Nachfrage ist da

Die Zeit sitzt den Landwirten bei der Ernte im Nacken. In den letzten zehn Jahren habe es eine solche Schlechtwetterphase während der Ernte nicht mehr gegeben, sagt Volker Schmitt. Normalerweise kämpft die Landwirtschaft in der Region eher mit Trockenheit. Doch der Klimawandel ist unberechenbar. Heuer hat sich durch den schwachen Jetstream über Mitteleuropa diese instabile Wetterlage festgesetzt.

Wenn der Regen Pause macht, dann sind die Landwirte trotzdem zuversichtlich. Denn die durchschnittlichen Erträge werden heuer durch einen guten Preis beim Weizen oder Dinkel ausgeglichen. Aber dazu muss die Qualität stimmen. Und die sinkt, wenn weiterer Niederschlag das Dreschen verzögert.

Verhalten optimistisch zeigt sich Edgar Thomas, was die Mais-Ernte betrifft. Diese Frucht mag die Feuchtigkeit und habe sich bislang gut entwickelt. Edgar Thomas hofft, dass sich dieser Trend auch in den nächsten Wochen bis zur Ernte Anfang Oktober fortsetzt. Bei allen Sorgen, die die Wetterkapriolen in jedem Jahr mit sich bringen, mag Edgar Thomas seinen Beruf und die Tatsache, dass die Natur ihn auch immer wieder fordert. Mit Blick auf die Brände in Südeuropa und die Überschwemmungen im Westen Deutschlands ist er mit der Situation in der Region ohnehin zufrieden.