Marion Beyer spricht mit dem Hohen Rat, mahnt die Legionäre, schneller zu laufen und bittet die Frauen, beim Verkauf ihrer Waren im Tempel etwas lauter zu werden. Zusammen mit Hermann J. Vief leitet die Theaterpädagogin Marion Beyer (Coburg) derzeit die Proben für die Passionsspiele in Sömmersdorf (Landkreis Schweinfurt).
Am 29. Juni starten die Fränkischen Passionsspiele in die neue Saison. Vief und Beyer sind zwei der wenigen "Profis", die rund um die Bühne bei der "ältesten Geschichte der Welt" mitarbeiten. Alle fünf Jahre wirken rund 400 Laien bei der Leidensgeschichte Jesu mit, alles Bürger aus Sömmersdorf. Rund die Hälfte steht auf der Bühne, die anderen arbeiten im Hintergrund, in der Maske oder an der Abendkasse.

Duduk kommt zum Einsatz

Die beiden Theatermacher haben viele neue Ideen mit nach Sömmersdorf gebracht und mit dem ausführenden Verein auch umgesetzt. Mit allen Sinnen sollen die Gäste den Orient aufnehmen. So gibt es statt fränkischer Hausmannskost Feines aus dem Orient in der Spielpause.
Hans-Jürgen Beyer, der Ehemann der Regisseurin, und Martin Kleiner, haben eigene Musikstücke komponiert, die mit einem Live-Orchester eingespielt werden. Zum Einsatz kommen moderne Instrumente und auch ein ein Duduk, ein uraltes orientalisches Musikinstrument. Die Bühne bietet auch ein neues Bild, das allerdings zu den Proben noch nicht ganz fertig war.
Hermann Vief und Marion Beyer haben im Vorfeld für die (Haupt-) Rollen Lebensgeschichten zusammen getragen, damit sich die Darsteller besser in ihr anderes Ich versetzen können. Diese Vorgehensweise hatte sich 2011 bewährt, als die beiden Theatermacher"Don Camillo und seine Herde" mit den Sömmersdorfer Laien auf die Bühne brachten.
Für beinahe alle Darsteller galt es, neue Rollen zu lernen. Mit dieser Maßnahme wollen Vief und Beyer die Aufmerksamkeit und die Spielfreude wecken. Nur wenige - unter ihnen Susanne Mergenthal als Maria - durften wieder in dieselbe Rolle schlüpfen. Neue Figuren werden dem Spiel zugefügt - unter ihnen auch "Satan". So bieten die Passionsspiele auch dem Stammpublikum immer wieder etwas Neues.
Seit 2006 leitet Robert König als ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins die Aufgabe Passion, die im Grunde genommen, bei all den Personen, die mitarbeiten und bei all den Geldern, die umgesetzt werden , längst ein Unternehmen geworden ist. Für ihn und seine Mitstreiter ist nach der Passion vor der Passion. Sein Vorgänger Robert Seemann ist kürzlich verstorben. Es werden seit langer Zeit Spiele ohne den "Ur-Sömmersdorfer" sein.
Seemann prägte die Spiele ü und das Dorf, war außer bei den Passionsspielen beim Männergesangsverein aktiv. Seemann starb kurz nach seinem 75. Geburtstag. Für sein Lebenswerk "die Passionsspiele" wurde er ausgezeichnet, ein Teil seiner Ideen lebt in den Aufführungen fort.

Aufführungen
Vom 29 .Juni bis 18. August finden 18 Aufführungen statt. Schirmherr ist traditionell der Würzburger Bischof Dr. Friedhelm Hofmann. Spielzeiten und Karten im Internet unter www.passionsspiele-soemmersdorf.de sowie unter Tel.: 09726/26 26.

Fernsehgottesdienst Einen ersten Eindruck von der Bühne können sich Fernsehzuschauer am 26. Mai machen. Ab 9.30 Uhr kommt der ZDF-Fernsehgottesdienst live aus Sömmersdorf. Die Fernsehübertragung von der Passionsspielbühne ist auch für das ZDF eine Premiere.