In der letzten Sitzung des Gemeinderats in diesem Jahr blickte Bad Bocklets zweiter Bürgermeister Norbert Borst (CSU) auf die vergangenen zwölf Monate zurück. Trotz der Corona-Pandemie hofft er auf Normalität im kommenden Jahr. In manchem Bereich scheint das bald möglich zu sein: Bürgermeister Andreas Sandwall kämpft sich nach seiner Erkrankung derzeit zurück ins Leben.

Bad Bocklet: Die Rückkehr des Bürgermeisters

"Ein Schock für uns alle" war in der Gemeinderatssitzung am 30. Juni der plötzliche Zusammenbruch von Bürgermeister Andreas Sandwall (CSU), so Borst. Wie Sandwall sich selbst im November äußerte, habe er sich nach Operationen und Anschlussbehandlung "ins Leben zurück" gekämpft. "Wir hoffen, dass Andreas im Frühjahr wieder voll einsatzbereit sein wird und seine Amtsgeschäfte aufnehmen kann", äußerte sich Borst zuversichtlich.

Seit Juli teilt er sich mit drittem Bürgermeister Uto-Paul Schmitt die Aufgaben Sandwalls, weshalb Borst nicht nur seinem Amtskollegen, sondern auch den Mitarbeitern und Abteilungsleitern der Verwaltung, allen voran Rathaus-Geschäftsleiter Thomas Beck, für die Unterstützung und ihren Arbeitseinsatz unter diesen erschwerten Bedingungen dankte.

Veranstaltungen in Bad Bocklet fielen teilweise aus

Denn die hatten es in sich: Wie überall musste auch die Marktgemeinde Bad Bocklet seit Beginn der Corona-Pandemie ab März auf alle Veranstaltungen verzichten. Zum Glück des veranstaltenden Jugendvereins hatte aber die zweite Azubi-Messe in den Kursälen mit einer Rekordbeteiligung von 40 ausstellenden Unternehmen aus dem Landkreis und 500 Besuchern noch im Januar stattfinden können. Wegen des weiter bestehenden Veranstaltungsverbots wird die dritte Messe im kommenden Jahr allerdings ausfallen müssen, weshalb die drei Organisatoren Raphael Langer, Florian Grom und Marcel Dünisch seit November eine Online-Alternative im Internet anbieten. Borst: "Hoffen wir, dass es 2022 wieder eine richtige Messe geben wird."

Auch die Büttenabende und der Faschingsumzug in Steinach konnten im Februar noch abgehalten werden. Doch die Feierlichkeit zum 50-jährigen Bestehen des SPD-Ortsverbandes Bad Bocklet und die Gedenkfeiern zum 75. Jahrestag des Kampfes um Steinach mussten entfallen. Die Wiedereröffnung des Schlosses Aschach mit neuer Ausstellungskonzeption nach mehr als einjähriger Generalsanierung konnte leider nur in kleinem Kreis ausgewählter Ehrengäste gefeiert werden.

Trotz der sich seit März auswirkenden Corona-Beeinträchtigungen erledigte die Verwaltung die ihr auferlegten Arbeiten. So wurde zum Jahresschluss die Baureife der Baugebiete "Am Salzforst" in Steinach und "Hopfengarten" in Roth hergestellt. "Erste Bauanträge wurden schon genehmigt", gab Borst bekannt. "Man sieht also, der Bedarf ist da." Er dankte der Verwaltung für "die Rekordzeit nur eines Jahres", in der das Rother Neubaugebiet entstand. Zudem wurde die Umgestaltung der Brachfläche des alten Rathauses in Bad Bocklet zu einem Dorfplatz in Angriff genommen, im Juli erfolgte der Spatenstich für den Rewe-Markt am Aschacher Kreisel und im selben Monat öffnete der neu gestaltete Spielplatz in Großenbrach. Dieser soll künftigen Spielplatz-Sanierungen in den anderen Ortsteilen als Vorbild dienen.

Schlauchpflege läuft nun ortsübergreifend

Nach Vorgaben des Feuerwehrbedarfsplanes wurde nicht nur die Schlauchpflege für alle Feuerwehren der Marktgemeinde im Rahmen der Zusammenarbeit in der kommunalen Allianz "Kissinger Bogen" an die Nüdlinger Feuerwehr abgegeben, sondern auch der Neubau der Feuerwehrhäuser in Bad Bocklet und Steinach sowie die Anschaffung eines Mannschaftstransportwagens für die Feuerwehr Aschach beschlossen. "Der weitere Bedarf der Feuerwehren wird schrittweise abgearbeitet", versprach Borst.

Für den örtlichen Tourismus besonders wichtig war im Juli die Wiedereröffnung des generalsanierten und zum Wellness-Hotel umgestalteten Caritas-Kurhauses mit Segnung der neuen Kapelle. Im Kurgarten laufen derzeit noch letzte Sanierungsarbeiten des Freistaates an der Sandsteinbruchmauer und am Brunnenbau. Diese Arbeiten sollen vor Ostern abgeschlossen sein. "Dann ist für die Sommersaison 2021 im Kurgarten alles hergerichtet", versprach Borst.

Als Höhepunkte auf politischer Ebene erinnerte der zweite Bürgermeister an die Kommunalwahl im März, die Vereidigung der neuen Gemeinderäte im Mai mit Wahl von Norbert Borst und Uto-Paul Schmitt (FCW) zu Bürgermeister-Stellvertretern sowie an die Verabschiedung der ausgeschiedenen Gemeinderäte im Oktober.

Bauanträge auf der Tagesordnung

Trotz der Erfordernis mancher Befreiung von Vorgaben der verschiedenen Bebauungspläne gab der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung des Jahres allen fünf Bauanträgen seine Zustimmung. Damit dürfte einer endgültigen Genehmigung durch das Landratsamt nichts mehr im Weg stehen.

Am Steinigweg in Großenbrach ist die Errichtung eines landwirtschaftlichen Betriebes geplant. Das Vorhaben liegt zwar im Außenbereich der örtlichen Bebauung, ist nach Auskunft des Landratsamtes und des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aber privilegiert, weshalb eine Bebauung des Grundstücks zulässig wäre. Dort soll eine 2 600 Quadratmeter große Hoffläche gepflastert werden. Ferner soll eine weitere Halle mit den Maßen 24 mal 35,5 Meter gebaut und ein Waschplatz errichtet werden. Der Hof soll an der Nordseite mit einem zwei Meter hohen Systemzaun und an den drei anderen Seiten durch Erdwälle umfriedet werden.

Landwirtschaftlich geprägt ist auch das Bauvorhaben in Steinach nahe dem Eckartspfad. Dort plant der Bauherr die Errichtung eines Pferde-Unterstandes mit Heu-Lager. Auf dem Dach soll eine Photovoltaikanlage installiert werden. Obwohl für dieses Projekt, das ebenfalls außerhalb der örtlichen Bebauung liegt, keine Privilegierung gegeben ist, hat das Landratsamt bereits in Abstimmung mit den zuständigen Fachbehörden die Genehmigungsfähigkeit in Aussicht gestellt: Angesichts des Tierwohls sei ein solcher Unterstand im Hinblick auf heiße Sommermonate zu befürworten. Der Gemeinderat verweigerte allerdings seine Zustimmung.

Um Wohnbebauung ging es in den drei anderen Bauanträgen im Staatsbad, Aschach und Steinach. In der Bad Bockleter Erlöserschwesternstraße ist der Bau eines Mehrfamilienhauses mit Tiefgarage geplant. Da nicht alle Wünsche dem im Gebiet Kleinfeldlein gültigen Bebauungsplan entsprechen, erteilte der Gemeinderat nach kurzer Diskussion die erforderlichen Befreiungen, zumal die notwendige Zustimmung der Nachbarn vorliegt. So soll das Mehrfamilienhaus drei Vollgeschosse mit Flachdach bekommen, während der Bebauungsplan eigentlich nur zwei Vollgeschosse mit Dachgeschoss und Sattel- oder Walmdach vorsieht. Außerdem überschreitet die Garagenzufahrt mit seitlicher Stützwand die offizielle Baugrenze.

Auch das in Aschach am Quellenweg gewünschte zweigeschossige Wohngebäude mit zwei Wohneinheiten und Doppelgarage weicht in Dachform, Dachneigung und Kniestock von den jeweiligen Vorgaben des Bebauungsplans Weinberg-Hirtenrasen ab. Da aber auch hier die Nachbarn bereits zugestimmt hatten, gab der Gemeinderat für dieses Projekt ebenfalls grünes Licht. Zustimmung fand schließlich auch der fünfte Bauantrag, bei dem es um die Errichtung eines Zweifamilienwohnhauses am Salzforst in Steinach ging. Hier soll nach dem Plan der Bauherren die Garagenwand auf der nördlichen Grundstücksgrenze stehen, wodurch die offizielle Baugrenze um einiges überschritten würde.

Neues Mobiliar für Henneberg-Halle

Im November hatte der Gemeinderat beschlossen, zur Ausstattung der generalsanierten Henneberg-Sporthalle in Steinach neues Mobiliar zu beschaffen. Nach Einholung von Angeboten hatte sich das Ratsgremium kürzlich in nicht öffentlicher Sitzung für eines der eingereichten Angebote entschieden. Deshalb gab Geschäftsleiter Thomas Beck am Dienstag nun in öffentlicher Sitzung bekannt, dass die Gemeinde auftragsgemäß 400 Stühle und 60 Tische anschaffen wird. Den Namen der mit der Lieferung beauftragten Firma und die genauen Kosten nannte er nicht, verwies aber auf Nachfrage unserer Zeitung auf das im Haushaltsplan 2020 vorgesehene Budget von 60 000 Euro.