Eigentlich war es der Interessengemeinschaft gegen den Mobilfunkmast am Ziegelweg schon vorher klar, dass sie mit ihrem Protest und ihrer Unterschriftenliste nichts ausrichten können. Der bestehende Mast auf einem Privatanwesen im Ziegelweg wird um die schnelle Mobilfunk-Technologie LTM (Long Term Evolution) erweitert werden.

Die Deutsche Telekom hatte die Stadt am 27. März wissen lassen, dass sie besagten, mitten im Wohngebiet liegenden Masten aufrüsten will. Erst am Montag, 4. Mai, hat die Interessengemeinschaft erfahren, dass dieses Thema zwei Tage später im Bauausschuss auftauchen würde. In einem Schreiben an die Stadt zeigt sich die Gemeinschaft verschnupft darüber, nicht rechtzeitig informiert worden zu sein. Des Weiteren schlugen die 19 Unterzeichner vor, zusammen mit der Stadt über Alternativstandorte nachzudenken und geeignetere Lösungen, sprich Alternativstandorte außerhalb des Wohngebietes, auszuarbeiten.

Horst Geier, bei der Stadt für das Thema Mobilfunk zuständig, nahm die ausgebliebene Information der Interessengemeinschaft auf seine Kappe. Allerdings ließ er keinen Zweifel an der Rechtslage: Das Anbringen, Ändern und Austauschen von Antennen auf bestehenden Mobilfunkmasten ist genehmigungsfrei.

Dennoch hat sich die Stadt bei der Telekom erkundigt, mit welchem Aufwand ein Neubau an der ehemaligen Bauaushubdeponie Katzengrund oder auf einem Flutlichtmast am Garitzer Sportgelände möglich wäre.
Beiden Vorschlägen erteilte die Telekom eine Absage. Der Standort im Ziegelweg versorge das dortige Wohngebiet samt Umfeld. Standorte außerhalb der Bebauung seien für UMTS und LTE ungeeignet.

Der Bereich Katzengrund würde für eine reduzierte Kapazität sorgen. Gleichzeitig käme es laut Telekom zu einer Störwirkung mit dem Sender am Staffels. Auch das Sportgelände liege zu weit von dem zu versorgenden Gebiet entfernt. Zudem sei die Höhe der Flutlichtmasten nicht ausreichend.


Auch Frage des Geldes

Unabhängig von der mangelnden Eignung vom Katzengrund und Sportgelände machte die Telekom noch eine Kostenrechnung auf. Für einen Masten von 20 bis 25 Metern Höhe wären inklusive der Erschließungskosten über 200 000 Euro fällig.

Auch auf das Thema Grenzwerte ging Geier ein. Der Belastung durch elektromagnetische Felder des umgerüsteten Masten am Ziegelweg würde bei zehn Prozent des vom Gesetzgeber festgelegten Grenzwertes liegen. Messungen von 2005 hätten ein Prozent, von 2006 4,5 Prozent und 2010 7,13 Prozent ergeben.

Wie Bürgermeister Toni Schick (DBK) resümierte, gebe es für die Stadt in diesem Fall keine Handlungsmöglichkeit: "Mobilfunkmasten gehören eigentlich nicht in ein Wohngebiet, doch die Technik geht andere Wege", sagte Schick. Eventuell sei es aber denkbar, die Mobilfunkanbieter in Zukunft zu einer gemeinsamen Antenne zu veranlassen - aber nicht nach dem St. Floriansprinzip.

Horst Geier ergänzte, dass die Stadt erst dann den Fuß in der Türe habe, wenn gravierende Änderungen an einem Mobilfunkmasten anstünden. Und diese Voraussetzung sei im aktuellen Fall nicht gegeben.


Messungen werden folgen

Trotzdem sollen zu gegebener Zeit erneute Messungen rund um den Masten am Ziegelweg stattfinden. Und ein kleines Hintertürchen ließ die Stadt auf Wunsch aus dem Bauausschuss offen. Bis 30. Mai kann sich die Stadt Zeit mit ihrer Antwort an die Telekom lassen - falls sich doch noch ein Alternativstandort findet. Aber damit scheint auch die Interessengemeinschaft nicht ernsthaft zu rechnen.