Der Angeklagte wurde beschuldigt, falsches Geld als echtes in Verkehr gebracht, sich dadurch einen Vermögensvorteil verschafft und eine andere Person geschädigt zu haben. So schwerwiegend der Vorwurf auch klang, wurde der Prozess am Ende doch gegen eine Auflage von 50 Arbeitsstunden vorläufig eingestellt.

Im Sommer vergangenen Jahres hatten der Angeklagte, sein Freund und ein weiterer Landsmann am späten Abend in der Wohnung zusammengesessen und getrunken. Als die Flaschen leer waren, bat der Angeklagte eine ihm bekannte Taxifahrerin, in seinem Auftrag an einer Tankstelle neuen Wodka zu besorgen. Bei Übergabe der gekauften Flasche zahlte der 36-Jährige, der an jenem Abend selbst kein Geld hatte, mit einem 20-Euro-Schein, den ihm zuvor der Bekannte ausgehändigt hatte. Den Restbetrag von knapp sechs Euro der von der Fahrerin verauslagten Gesamtsumme für Wodka-Kauf und Taxifahrt wollte er später zahlen, womit sie sich zufrieden gab..

Übergabe an die Polizei

Bei ihrer Tagesabrechnung fiel der Chauffeurin jedoch auf, dass dieser Geldschein gefälscht war, und sie übergab ihn der Polizei, wodurch der Fall aktenkundig wurde. Die Fahrerin stellte den Angeklagten später zur Rede und warf ihm Betrug vor. "Er stritt ab, von der Fälschung gewusst zu haben, schien aber auch nicht überrascht", sagte sie als Zeugin vor Gericht. Doch der Angeklagte beteuerte, den Schein nicht als Fälschung erkannt zu haben: Der Bekannte, dessen vollständigen Namen und Wohnsitz er zu Protokoll gab, habe den Schein zusammengefaltet aus der Handytasche genommen, und er habe ihn genau so an die Taxifahrerin weitergegeben.

Fast professionell

Richterin, Staatsanwalt und Verteidiger überprüften den gefälschten Geldschein im Gerichtssaal und kamen zum Ergebnis, er sei "fast professionell" gemacht. Weniger auffällig war der aufgedruckte Hinweis, dass es eine Kopie sei. "Solche Geldscheine bestellen Zauberkünstler im Internet", merkte der Verteidiger an. Doch trotz dieser ausdrücklichen Kennung hatte ein Gutachter festgestellt, dass der beanstandete Geldschein "trotz Veränderungen mit echtem Geld verwechselbar" sei. So war dem Angeklagten kein vorsätzliches Handeln nachzuweisen, hatte er sich doch den Geldschein gar nicht näher angesehen.

Die Richterin hielt dem Angeklagten zugute, dass er sich den 20-Euro-Schein nicht in strafbarer Weise beschafft habe. Somit bewege sich der Tatvorwurf des Inverkehrbringens von Falschgeld in Tateinheit mit Betrug nur "im minderen Bereich", zumal der gesamte Schuldbetrag von knapp 26 Euro später der Taxifahrerin ausbezahlt worden war.

Um eine laufende Bewährung des Angeklagten aus dem Jahr 2018 nicht zu gefährden, schlug die Richterin dem Staatsanwalt vor, die Verhandlung gegen Auflage von 50 Arbeitsstunden vorläufig einzustellen. Der Vertreter der Anklage stellte fest, der Beschuldigte sei zwar nicht einschlägig vorbestraft, "doch der Betrugstatbestand steht nach wie vor im Raum". Nach Abwägung der Fakten stimmte er aber doch dem Vorschlag zu.

Frist bis 1. September

Da auch Verteidiger und Angeklagter einverstanden waren, wurde das Verfahren vorläufig eingestellt und dem Angeklagten 50 Arbeitsstunden auferlegt. Richterin: "Dadurch bleibt das laufende Bewährungsverfahren gegen Sie unberührt." Die endgültige Einstellung des Verfahrens erfolge allerdings erst dann, machte sie dem 36-Jährigen klar, wenn er seine 50 Arbeitsstunden bis zum 1. September vollständig abgeleistet hat.