Eigentlich wollte der Berliner Thomas Pollack in Ruhe um seinen verstorbenen Vater trauern. Der wurde auf dem Garitzer Friedhof beigesetzt. Doch ein Vorfall beschäftigt Pollack: Das Erinnerungsfoto an seinen Vater wurde gestohlen. Der Täter ist angeblich bekannt. Er habe nicht zum ersten Mal ein Foto von einem Kreuz entfernt.

"Ich kann nicht nachvollziehen, dass andere das hinnehmen", sagt Pollack. Er habe von anderen erfahren, dass der Täter bereits seit Jahren die Erinnerungsfotos einstecke. Was er damit macht, weiß aber keiner so genau. Doch seine Aktionen hinterlassen bleibende Schäden (siehe Fotos). "Für Angehörige, die sowieso durch den Wind sind, ist das kein Spaß", schimpft Thomas Pollack.


Die große Frage: Was tun?

Wie Mitarbeiter der Kirche und einige Garitzer berichten, wurde der Mann, der geistig behindert sei, auch schon auf frischer Tat ertappt. Dabei habe er jedes Mal Reue gezeigt und versprochen, dass er die Sterbebilder nicht mehr entfernt. Gehalten habe er dieses Versprechen nicht.


Wer ist zuständig?

Was soll man dagegen unternehmen? Das fragt sich auch der Garitzer Bestattungsunternehmer Rüdiger Fehr, der die Erinnerungsfotos an den Kreuzen anbringt. "Es ist eine wirklich schwierige Situation", schätzt er die Lage ein. Denn etwas Böses sei dem behinderten Mann seiner Meinung nach nicht zu unterstellen. "Er ist bestimmt kein schlechter Mensch", sagt Fehr. Er hat aber auch keine Idee, wie die Diebstähle verhindert werden können. "Wir bringen eben einfach wieder neue Bilder an", sagt Fehr resignierend.

Generell ist die Stadt für die Einhaltung der Friedhofsordnung zuständig. Doch bisher hat man dort nichts von den Diebstählen gehört. "Der Fall ist uns nicht bekannt", sagt Pressesprecher Thomas Hack. Prinzipiell sei es natürlich nicht zulässig, die Bilder zu entfernen und mitzunehmen. Da sich bisher kein Betroffener bei der Stadt gemeldet habe, werde auch nichts gegen die Diebstähle unternommen. Doch was wäre, wenn sich jemand meldet? "Eine pauschale Handlungsrichtlinie gibt es nicht", sagt Hack. Da müsse man sich zusammensetzen und sich Gedanken machen.

Bei der Polizei sind die Diebstähle nicht zur Anzeige gebracht worden. Doch was würde eine Anzeige bringen? Wie würde die Polizei den Diebstählen Einhalt gebieten? "Das ist nicht einfach", sagt Polizeihauptkommissar Lothar Manger. Spontan fällt ihm auch keine Lösung für das Problem ein. Doch auch bei der Polizei gilt: Wo kein Kläger, da kein Richter. Dem Betroffenen legt er nahe Anzeige zu erstatten, was Thomas Pollack nach eigener Aussage bei einem erneuten Diebstahl auch machen wird. Wie das Problem dann gelöst werden soll, bleibt allerdings unklar.