Wer in einem Mehrparteienhaus zur Miete wohnt, kann sich seine Nachbarn nicht aussuchen. Er muss mit ihnen und ihren Marotten leben oder umziehen. "In einem Mehrfamilienhaus bin ich eben nicht alleine. Da heißt es, Akzeptieren und Tolerieren", meint der Bad Kissinger Immobilienmakler Heribert Schießer. Der Vermieter hingegen hat einen größeren Einfluss darauf, wer als Nachbar einzieht.
Gerade wenn es viele Interessenten für eine Wohnung gibt, hat er die Wahl und kann sich einen ihm angenehmen Mieter aussuchen.

Selbstauskunft ist kein Zwang

"Es gibt Vermieter, die möchten nicht, dass in ihren Wohnungen geraucht wird", sagt Schießer. Um auszuschließen, dass ihre Immobilien anders als gewünscht genutzt werden, lassen sie sich vorab von den Wohnungssuchenden eine Selbstauskunft unterschreiben. Dort wird beispielsweise abgefragt, ob jemand raucht, oder ob und welche Haustiere er besitzt. So sollen vergilbte Wände, stinkende Teppiche und starke Abnutzungen durch Mensch und Tier unterbunden werden.

Der Makler erklärt: "Wenn du einen strikten Nichtraucher als Vermieter hast, wird er dem Raucher die Wohnung nicht vermieten." Allerdings ist die Einflussnahme begrenzt. Der Vermieter hat bisher keine juristische Handhabe dagegen, dass der Mieter in seinem Haushalt raucht. "Die Selbstauskunft ist freiwillig. Das muss man nicht unterschreiben", sagt Schießer.

Vergilbte Tapeten und Zigarettengeruch stellen keinen Kündigungsgrund dar. Laut Schießer hat der Vermieter lediglich über den Passus "Schönheitsreparaturen" im Mietvertrag die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. "Wenn ein Gebrauch der Wohnung stattfindet, der über das Normale hinausgeht - also wenn die Abnutzung der Wohnung sehr stark ist - kann der Vermieter verlangen, dass der Mieter neu tapeziert oder die Wohnung streicht." Seit vergangener Woche dürfen sich Vermieter in ihrer Position bestärkt sehen (wir berichteten).

Das Amtsgericht Düsseldorf entschied, dass der Vermieter eines Mehrparteienhauses es nicht dulden müsse, wenn Zigarettenrauch im Treppenhaus zu einer unzumutbaren und unerträglichen Geruchsbelästigung führe. Dies gelte, obwohl ein Mieter grundsätzlich in seiner Wohnung rauchen dürfe. Nach dem Urteil muss der Betroffene, ein 75-jähriger Kettenraucher, seine Wohnung räumen. Das Berufungsverfahren bleibt abzuwarten, ein endgültiges Urteil steht noch aus.

Eingriff in Persönlichkeitsrechte

Matthias Göbhardt, Direktor des Amtsgerichts Bad Kissingen, zeigt sich von der Entscheidung überrascht. "Ich halte das für einen grundrechtlichen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Rauchers." Er sei verwundert, dass man in Düsseldorf das Urteil so weit ausdehne.

Immobilienmakler Schießer sieht das Urteil kritisch. Seiner Meinung nach handelt es sich bei dem verhandelten Fall um eine Ausnahme, bei der zwei Menschen mit extremen Ansichten aufeinander geprallt sind. Nach seinen Erfahrungen gibt es in der Praxis selten Beschwerden wegen der Raucher. "Beschwerden wegen anderer Geruchs- oder Lärmbelästigungen gibt es häufiger." Schießer fragt sich, wo juristisch die Grenze gezogen werden soll. Reicht der Fischbratgeruch, der in den Hausgang zieht, als Grund, einen Mieter zu kündigen? Was ist mit dem lauten Nachbarshund? "Wenn der tagsüber bellt wird sich kaum jemand beschweren. Nachts um drei Uhr ist das problematischer."

Nichtraucherzimmer sind billiger

Hans Markwalder, Geschäftsführer des Hotels Sonnenhügel, zuckt bei dem Düsseldorfer Urteil mit den Schultern. "In Bayern gibt es eine klare Gesetzeslage zum Nichtraucherschutz in Hotels und Gaststätten", erklärt er. An die Gesetze halte man sich. In öffentlichen Bereichen wie den Restaurants und Bars ist das Rauchen untersagt. Die Gäste müssen auf ausgewiesene Raucherbereiche zurückgreifen, wenn sie ihrem Laster fröhnen wollen. Das Hotel bietet 30 Raucherzimmer an. "Natürlich sind wir Hoteliers um jedes Nichtraucherzimmer froh, weil es einen geringeren Pflegeaufwand bedeutet." Ein generelles Rauchverbot in Hotelzimmern sieht Markwalder skeptisch. Das lasse sich schwer kontrollieren. "Mir ist es lieber, es raucht ein Raucher in einem Raucherzimmer", sagt er. "Schlimmer ist es, ein Nichtraucherzimmer zu haben, in dem geraucht wird und das ahnungslos weiter zu vermieten." Da sind Beschwerden verärgerter Gäste vorprogrammiert.