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LKR Bad Kissingen
Jugendschutz

Bloß keine Angst!

Die Neuen Medien erobern zusehends die Kinderzimmer. Kinder und Jugendliche müssen dabei begleitetet werden. Doch die Familien schaffen das nicht allein.
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Foto: Brian Jackson/fotolia.com
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Viele Eltern stehen vor der Frage: Was tun? Egal ob das Kind ein Smartphone haben, das angesagteste Computerspiel kaufen oder einem sozialen Netzwerk beitreten möchte. Einerseits wollen Mütter und Väter ihre Kinder beschützen, andererseits kennen sich viele nicht wirklich mit den sogenannten Neuen Medien aus. Nicht zuletzt, weil die digitale Entwicklung auf allen Kanälen rasend schnell voranschreitet.
Musik wird übers Internet heruntergeladen. Gebrauchsanleitungen finden sich auf Videokanälen wie YouTube. Parktickets lassen sich bequem per SMS ordern. Selbst Lebensmittel lassen sich mittlerweile mit Rezept online bestellen.


Verbote bringen nichts

Da kann man schon den Überblick und auch den Anschluss verlieren. Und: Wo Erwachsene Schwierigkeiten haben, sollen sich auch noch Kinder und Jugendliche zurechtfinden? "Eltern müssen sich Sorgen machen", zeigt Rabea Daniel Verständnis. "Aber sie sind auch gefordert", fügt sie hinzu.
Die 43-Jährige ist Sozialpädagogin und seit 2000 für die Jugendarbeit im Landkreises mitverantwortlich. Ihr Fachgebiet ist der Jugendschutz - und der gilt auch für die Neuen Medien. "Gute Vorarbeit und viele Gespräche sind wichtig", sagt sie.

Von Verboten oder einem Spielschutz im PC hält die Sozialpädagogin nur wenig. Denn, wenn Kinder nicht zu Hause spielen dürfen, tun sie das bei Freunden. Dann haben Eltern wirklich keinen Einfluss mehr. Deshalb sollten sich Mütter und Väter informieren, welche Computerspiele es gibt und welche ihre Kinder zocken oder zocken möchten. "Als Orientierung für das richtige Alter gilt die USK - die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle."


Jeder Zwölfjährige mit Handy

Die Alterseinstufungen der USK finden sich auf jeder Spieleverpackung und in der Regel auf jedem Datenträger. "Ich empfehle außerdem, dass Eltern die Spiele selbst ausprobieren", sagt Rabea Daniel. Manchmal sei es hilfreich, das mit den Kids zu tun. Viel stärker als die Computerspiele zu Hause bestimmen mittlerweile Smartphones den Alltag der Kinder und Jugendlichen. Laut einer Studie von Bitkom Research, ein Unternehmen, das Marktforschung für die Digitalwirtschaft betreibt, benutzen bereits mehr als ein Drittel der Sechs- und Siebenjährigen ein solches. Ab zwölf Jahren gehört das Gerät für alle Jugendlichen zur Standardausstattung. Somit sind sie automatisch mit sozialen Netzwerken, YouTube, WhatsApp und Online-Spielen versorgt.


WhatsApp erst ab 13 Jahren

"Eltern sollten ihre Kinder so medienfit machen, dass sie da nicht ausreißen", ist die Sozialpädagogin überzeugt. Mütter und Väter müssen nicht nur wissen, was mit dem Smartphone alles machbar ist, welche Dienste verfügbar sind und wie diese angewendet werden. Auch Regeln und Gesetze sollten die Erziehenden kennen und ihren Kindern erklären können.

So gilt für die Nutzung von WhatsApp beispielsweise und anderen sozialen Netzwerken derzeit ein Mindestalter von 13 Jahren. Ab Ende Mai 2018 könnte es jedoch eine Erhöhung geben. Denn die neue geplante EU-Datenschutz-Grundverordnung sieht vor, dass Internetdienste und Plattformen wie Facebook, Snapchat, YouTube und Co. für unter 16-Jährige nur mit elterlicher Zustimmung genutzt werden dürfen. "Das Thema Mediennutzung gehört nicht allein ins Kinderzimmer, sondern an den Familientisch", bestätigt Dorothee Bär (CSU), Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, auf Nachfrage dieser Zeitung. Allerdings hält sie Altersbeschränkungen für fraglich. "Vor allem machen sie wenig Sinn, wenn sie nicht plattformübergreifend wirken", fügt Bär hinzu. Zudem müssten Gesetze immer wieder überprüft und angepasst werden.


Eigenverantwortliches Handeln

Unabhängig davon hält die Abgeordnete den Umgang mit den Neuen Medien für eine Grundkompetenz von jungen Menschen. Deshalb sei es enorm wichtig, diese zu vermitteln. "Hier spielen Elternhaus und Schule eine große Rolle", betont Bär. Sozialpädagogin Rabea Daniel ist überzeugt: "Die Mediennutzung sollte neben Mathe, Deutsch und Englisch ein Hauptfach in der Schule sein. Davon sind wir noch weit entfernt. " Mehr dazu auf