Der Lollbach ist ein kleiner Seitenarm der Saale, nicht einmal einen halben Meter breit und nur wenige Zentimeter tief. Er fließt durch das Gewerbegebiet zwischen Reiterswiesen und Arnshausen und mündet ein paar Kilometer entfernt am Golfplatz Bad Kissingen in die Saale. Der Lollbach ist zwar klein, aber als Lebensraum für Biber gerade groß genug.

"Biberreviere können in Flüssen je nach Qualität des Biotops bis zu sechs Kilometer groß sein", erklärt Marc Baumgart von der Bad Kissinger Kreisgruppe des Bundes Naturschutz. "Der Lollbach hat die Minimalgröße." Er ist aber sehr gut geeignet, was die Wasserqualität und das Nahrungsangebot angeht.

Große Biberbestände an Saale

Vor etwa vier Jahren hat sich ein Jungtier den Lollbach als Lebensraum ausgesucht. Baumgart wirkt bei den jährlichen Kartierungen mit, bei denen die Biberbestände im Landkreis aufgelistet werden. "Es ist wahrscheinlich ein Abwanderer aus dem Saaletal", sagt er. Jungtiere werden im Alter von zwei Jahren von ihren Eltern vertrieben und suchen sich eigene Reviere. Biber wandern normalerweise flussaufwärts. Deshalb vermutet Baumgart, dass das Exemplar am Lollbach aus dem Euerdorfer oder Hammelburger Raum stammt. "Biber sind ortstreu. Und weil die Reviere an der Saale alle besetzt sind, gehen die Jungtiere jetzt in die Nebenarme", erläutert Baumgart weiter.

Jetzt im Winter sind die Spuren des Gewerbegebietsbibers leicht zu erkennen. Autofahrer können sie beispielsweise von der Zufahrt zum Hafu-Markt aus sehen: Auf der Uferwiese liegen eine Handvoll angenagter Stämme in der Nähe der mit Moos bewachsenen Baumstümpfe. "Man sieht das jetzt so deutlich, weil das Laub weg ist", sagt Baumgart. Im Sommer wird das schwieriger. Biber sind pflanzliche Allesfresser. Im Sommer bevorzugen sie Kräuter, Sträucher, Gräser und Schilf, aber auch Laubbäume wie Erlen und Espen. Sie fällen die Bäume und essen Zweige, Blätter und die Rinde.

Ökologischer Beitrag

Am Lollbach "macht der Biber aber keine Konflikte", meint Baumgart. Auch bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt sind keine Beschwerden bekannt. Anderswo klagen insbesondere Landwirte über den Verbiss. Baumgart: "Dabei ist das eine wichtige Naturverjüngung." Ökologisch gesehen leiste der Biber wertvolle Arbeit: Sein Damm beispielsweise hält Schlamm zurück und reinigt so ganz natürlich das Gewässer.