Der Mitarbeiter der Bank in Nüdlingen (Landkreis Bad Kissingen) hatte schon beim Öffnen des Briefumschlags ein ungutes Gefühl. Und der Mann sollte Recht behalten: Über den Postweg hatten Betrüger den Kuvert an das unterfränkische Kreditinstitut geschickt. Inhalt: ein gefälschter Überweisungsträger. 12.000 Euro sollten von dem Firmenkonto eines Nüdlinger Unternehmens nach Spanien überwiesen werden. Die Polizei ermittelt derzeit wegen Urkundenfälschung und Überweisungsbetrug.

Kein neues Phänomen, aber eines das zeigt, dass Verbrecher auch abseits des Online-Bankings weiter aktiv sind. Zuletzt registrierte die Polizei in Franken wieder mehrere Fälle. Dabei werden die meist elektronisch ausgefüllten Überweisungsträger mit gefälschten Unterschriften verschickt oder in die Bankbriefkästen eingeworfen. Die Beträge liegen zwischen ein paar Hundert und mehreren Tausend Euro. Die Polizei kennt die Masche, eine Überführung ist aber nicht einfach. "Den Betrügern ist nur schwer beizukommen", sagt Polizeisprecher Fabian Hench vom Polizeipräsidium Unterfranken.

Besonders Firmen sind betroffen. Die simple Rechnung: Wo viele Überweisungen getätigt werden, fällt der eine oder andere Geldtransfer ins Ausland nicht auf. Da die Kontonummern vieler Unternehmen oft auf den Briefköpfen offizieller Schreiben oder im Internet hinterlegt sind, haben die Betrüger leichtes Spiel. Auch die Unterschriften der Geschäftsführer sind so zu finden.


Banken sind versichert

Die Daten von Privatpersonen finden die Gauner direkt vor Ort. Ausgefüllte Überweisungen wurden lange Zeit aus den Bankbriefkästen gefischt und abfotografiert. Hier haben viele Geldinstitute vorgesorgt und Briefkästen mit Sicherheitsschlitzen installiert. Darüber hinaus dienen Papierkörbe als Informationsquellen. Viele Bankkunden werfen wichtige Dokumente weg, wenn diese nicht mehr benötigt werden.

Die gute Nachricht: Bankangestellte werden geschult, und zwar regelmäßig. Fällt ihnen, wie in Nüdlingen, ein Überweisungsschein auf, halten sie sofort Rücksprache mit dem Kunden. Wie genau die Prüfkriterien aussehen, wird nicht verraten. "Sonst müssten wir die Mechanismen ja sofort überarbeiten und erneuern", begründet Mathias Polz, Pressesprecher bei der Sparkasse Bamberg.


Gerichtsprozess in Nürnberg

Für die Verbraucher entsteht meist kein Schaden - jedenfalls, solange ihnen die unrechtmäßig abgezweigten Gelder rechtzeitig auffallen. Die Banken sind gegen solche Fälle versichert. Robert Sandmann vom Polizeipräsidium Mittelfranken betont, dass es einen umfassenden Schutz nicht gibt. Einen wichtigen Tipp hat der Polizeisprecher aber doch: "Gerade Privatpersonen sollten ihre Kontoumsätze in regelmäßigen Abständen überprüfen."

Dern Fahndern geht trotzdem immer wieder ein großer Fisch ins Netz. Beispielsweise standen 2015 in Nürnberg zwei Frauen und sieben Männer vor Gericht. Sie hatten ausgefüllte Überweisungsscheine aus Bankbriefkästen gefischt und mit den Kontodaten Überweisungsscheine gefälscht. Insgesamt waren Bankkunden im Raum Nürnberg und in Nordrhein-Westfalen so um 324 000 Euro gebracht worden. Drei der Angeklagten wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Fingerabdrücke hatten Ermittler auf die Spur der Verdächtigen gebracht.


Fälle in der Region aus dem Vorjahr

Überweisungsbetrug Die Masche wird bei der Polizei im Deliktsbereich "Überweisungsbetrug" geführt. Sie umfasst den Betrug mittels gefälschter oder verfälschter Überweisungen. Das kann z.B. ein komplett gefälschter Überweisungsträger sein oder ein aus einem Briefkasten entwendeter, echter Überweisungsträger, auf dem die Bankdaten verändert werden. Da die Überweisung grundsätzlich nicht an die Form des Dokuments gebunden ist, kann der Betrug auch per Brief oder Fax begangen werden. Betrugsdelikte mittels Onlineüberweisung oder Telefonbanking fallen in der Regel in das Deliktsfeld Computerbetrug.

Zahlen Das Polizeipräsidium Mittelfranken registrierte 2016 insgesamt 420 Fälle von Überweisungsbetrug. In Oberfranken wurden im Jahr 2016 insgesamt 150 Fälle zur Anzeige gebracht. Im Polizeipräsidium Unterfranken waren es im Vorjahr 146 Fälle.