Auf dem Herd brutzelt das Fett, das Gemüse ist geschnitten und der Tisch ist gedeckt. Amal und Fuaad Yatzi stehen seit fünf Stunden in der Küche. Sie erwarten Besuch. Die Asylbewerber haben Karin Reinshagen, Sybille Balonier-Werner und Mächthild Denninger vom Bad Kissinger Helferkreis eingeladen.

Heute werden unter anderem "Kubba", also syrische Fleischbällchen und "Moutabal", einer Auberginenpaste, serviert.
Dazu gibt es Salate, Reis und einen "Zucchini-Bettler", was "Sheikh al Mashi" grob übersetzt bedeutet. "Es heißt so, weil die meistens Bettler alt sind und die Zucchini angebraten auch alt aussieht", erläutert der 21-jährige Mouhamed. Er ist der älteste Sohn und oft Übersetzer für andere Familienmitglieder, weil am besten Deutsch spricht.

Insgesamt leben die Yatzis zu sechst in ihrer Wohnung in Garitz. Ehepaar Amal und Fuaad wohnen dort gemeinsam mit ihren Söhnen Mouhamed und Shouki, Tochter Garam und deren Onkel Hassan.


Restaurant geplant

Fuaad und Hassan haben in ihrer Heimat Syrien als Köche gearbeitet. Hassan hat zur Zeit eine Anstellung in der Garitzer Sportgaststätte "Bei Themis". Fuaad muss sich erst noch ein wenig auskurieren. Ihm wurden vor Kurzem ein paar Nierensteine entfernt. Auf lange Sicht plant Familie Yatzi mit Hilfe von Freunden ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Dafür braucht es aber erst eine Aufenthaltsgenehmigung. Die lässt seit ein paar Monaten auf sich warten.


Kontaktfreude und Herzlichkeit

Familie Yatzi keine Probleme neue Kontakte zu knüpfen. Vor allem die beiden Söhne Mouhamed und Shouki haben in der Schule einige Bekanntschaften gemacht. Einen Monat lang besuchten sie eine Englischklasse am Gymnasium. Auch mit den anderen Familien im Haus - sechs an der Zahl - verstehen sie sich gut. "Wir essen sehr oft mit den Nachbarn", erzählt Mouhamed. Außerdem haben sie an einer großen Kochaktion, die vom Helferkreis organisiert wurde, teilgenommen.

Mehrere Familien unterschiedlicher Herkunft trafen sich zum gemeinsamen Kochen und Essen . "Das war toll", sagt Mouhamed. Doch auch bei spontanen Besuchen ist schnell etwas zubereitet. "Wenn wir kommen, werden wir immer zum Essen eingeladen", sagt Sybille Balonier-Werner.


Deutsch lernen

Das gemeinsame Essen hat für die Asylbewerber nebenbei einen psychologischen Effekt. "Es ist wichtig für das Selbstbewusstsein und es ist wichtig, dass sie uns etwas zurückgeben können", sagt Mächthild Denninger. Sie ist eine von sechs ehrenamtlichen Lehrkräften, die Asylbewerbern aus Bad Kissingen Deutschunterricht geben.
Der Unterricht findet dreimal die Woche statt. Dienstags für Frauen, mittwochs für Männer und donnerstags für beide Geschlechter.

Doch warum gibt es diese Trennung? "So sind die Gruppen kleiner", sagt Karin Reinshagen. Außerdem seien die Frauen nicht gewohnt, dass sie öffentlich lernen dürfen. Amal ist jedenfalls immer eifrig bei der Sache. Doch die Aussprache ist noch etwas schwierig. "Schreiben geht besser", sagt sie.

Ihr Sohn Mouhamed ist überzeugt: "Die Sprache ist sehr wichtig." Man könne nicht mit jedem Englisch sprechen. Er benötigt eine besondere Sprachqualifikation. Denn Mouhamed möchte bald in Würzburg Informatik studieren. Dafür besucht er einen viermonatigen Kurs an der Berufsschule.


Fußmarsch in die Freiheit

Seit neun Monaten ist Familie stammt Yatzi nun in Deutschland. Acht davon in Bad Kissingen. Die Yatzis stammen aus Aleppo und sind - wie viele andere - vor dem Krieg geflohen. Nach dem Tod von einem ihrer Söhne verkauften Amal und Fuaad kurzerhand ihr Haus und organisierten die Flucht. Pro Person hat sie das 5000 Euro gekostet. Doch Freiheit ist nun mal unbezahlbar.

Ihre Reise begann mit dem Boot. Von der Türkei ging es nach Griechenland. Von Dort aus liefen sie durch Mazedonien zu Fuß nach Serbien. Fünf Tage lebten sie da in einem Flüchtlings-Camp. Dann führte sie ihr Weg nach Ungarn. Über Österreich gelangten sie schließlich nach Passau, wo sie an einer Autobahnraststätte abgesetzt wurden. Insgesamt dauerte die Flucht 13 Tage. Die meiste Zeit davon sind die Yatzis gelaufen. Von morgens bis abends.


Erfahrungen in Deutschland

Bereits die ersten Erfahrungen in Deutschland waren für die syrische Familie positiv. Freundliche Polizisten kannten sie bis dahin nicht. "Sie sind sehr respektvoll", erzählt Mouhamed, "sie sagen bitte und danke." Außerdem kümmern sie sich um etwas zu Essen und einen Dolmetscher. Die Polizei brachte sie zunächst in die Erstaufnahmeeinrichtung in Würzburg. Nach 20 Tagen kamen die Yatzis nach Bad Kissingen. Hier gefällt es ihnen. "Wir wollen in Bad Kissingen bleiben, weil die Leute sehr nett sind", sagt Mouhamed.

Berührungspunkte mit der deutschen Küche hatten die Yatzis bisher kaum. Nur Kuchen und ein paar Süßigkeiten haben sie probiert. Beim nächsten Treffen mit den Frauen vom Helferkreis wird aber vielleicht mal die fränkische Küche ausprobiert.