Bei einem angenommenen Erdbeben der Stufe 7.2 in Süddeutschland stellten eingestürzte Gebäude, verschüttete Fahrzeuge und entgleiste S-Bahnen eine Herausforderung dar. Auch galt es Verletzte und Tote zu bergen. Das THW Bad Kissingen war präsent im Übungs-Krisengebiet.
Es ist Freitag, 12. Juli: Die Funkwecker der ersten Bergungsgruppe des Ortsverbandes (OV) Bad Kissingen piepen. Die Durchsage ließ erahnen, dass dieser Übungseinsatz anstrengend wird. Die Helfer der 1. Bergungsgruppe des OV Bad Kissingen sollen sich gemeinsam mit allen anderen Ortsverbänden aus Unterfranken am Autobahnrasthof Werneck sammeln. Von dort wird gemeinsam im Verband in das Krisengebiet nach Mosbach in Baden-Württemberg, wo ein Erdbeben der Stufe 7.2 für großes Chaos gesorgt hat, verlegt. Gleichzeitig machen sich die Ortsverbände aus Oberfranken ebenfalls auf den Weg. Dies war der Startschuss zur diesjährigen groß angelegten Bereichsübung der Regionalstelle Bamberg.
Im "fiktiven" Krisengebiet (TCRH - Training Center Retten und Helfen, Mosbach) angekommen, wurden nach einer kurzen Sicherheitseinweisung und einem Abendessen die Schlafquartiere bezogen, denn um 6 Uhr am nächsten Morgen ging es bei einem gemeinsamen Frühstück weiter mit Einweisungen für die Führungskräfte.
Gegen 8 Uhr starteten die ersten Übungsalarmierungen. Am ersten Übungsszenario angekommen, erwartete die THW-ler ein teileingestürztes, mehrstöckiges Gebäude mit starker Rauchentwicklung und zahlreichen um Hilfe schreienden Personen. Aufgrund der großen Dimension der Einsatzlage teilte die Einsatzleitung mehrere Abschnitte ein. Den Helfern wurde das gesamte Wissen abgefragt. So mussten Zugänge mittels Wanddurchbrüchen geschaffen, Decken abgestützt, Personen unter Atemschutz in stark verrauchten Räumen gesucht, Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet, oder Personen über riesige Berge von Trümmerfeldern in Teamarbeit transportiert werden.
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Aufdringliche Gaffer
Auch den Gruppenführern und Abschnittsleitern wurde einiges abverlangt. So galt es immer, in enger Verbindung mit der Einsatzleitung, die zahlreichen unterstellten Helfer zu koordinieren, mit extrem aufdringlichen Gaffern umzugehen und erlerntes Führungswissen in den angesetzten Lagebesprechungen einzubringen.
Gegen 12 Uhr konnte der erste Einsatz mit Erfolg abgeschlossen werden. Nach einer kurzen Stärkung ging es gegen 14 Uhr mit dem zweiten Einsatz weiter. Hier wurden die Helfer zu einem teileingestürzten Gebäude, einem Busunglück sowie einer entgleisten S-Bahn gerufen. Ebenfalls wurde das Einsatzgebiet von der Einsatzleitung sofort in mehrere Abschnitte aufgeteilt.
Mit Sprengsatz gedroht
Zu Beginn lief alles ähnlich wie in der Übung am Vormittag - das sollte nicht so bleiben. Plötzlich rief eine sich noch im eingestürzten Gebäude befindliche Person aus dem Fenster, dass sie einen Sprengsatz zünden würde, wenn sich die Einsatzkräfte nicht zurückziehen würden.
Schnell reagierte die Einsatzleitung mit einem sofortigen Rückzugsbefehl für alle eingesetzten Kräfte im Einsatzgebiet und alarmierte über die Polizei das SEK. Nachdem dieses eingetroffen war, konnte die Person schnell außer Gefecht gesetzt werden, und die Rettungsarbeiten wurden fortgesetzt. Aufgrund des verschütteten Zugangs zum Gebäude wurden zahlreiche verletzte Personen über das Fenster im ersten Obergeschoss mittels einer "schiefen Ebene" ins Freie gebracht. Die Übung konnte gegen 18 Uhr ebenfalls mit Erfolg abgeschlossen werden.