Ein mittelständischer Spediteur aus Albertshausen wird zum Spiegelbild der Europäischen Union. Vor allem Spanier und Polen, kommen in das Industriegebiet des Bad Kissinger Stadteils, um etwa als Berufskraft- und Auslieferungsfahrer zu arbeiten. Zuletzt gab es auch Bewerbungen aus Rumänien und Bulgarien. Bei der Spedition Kohlhepp kommen etwa zehn Prozent der 85 Mitarbeiter aus dem EU-Ausland, Tendenz steigend.
"Wir holen uns unsere Mitarbeiter aus allen Regionen", sagt Geschäftsführer Peter Kohlhepp. Bei Arbeitslosenzahlen in Bayern und im Landkreis nahe der Vollbeschäftigung sucht sich Kohlhepp seine Facharbeiter anderswo und bildet verstärkt selbst aus.

Hoher Personalbedarf

"Unsere Auftragslage ist sehr gut, die Kapazitäten sind mehr als ausgelastet", sagt er. Das Speditionsgeschäft boomt und das Unternehmen profitiert derzeit vom Online-Handel. "Wir planen mit einer Umsatzausweitung von zehn bis 15 Prozent für 2014", schätzt Kohlhepp. Dehalb sucht er Mitarbeiter. Die Stellenangebote der Firma auf der Internetseite lesen sich so: "Die Kohlhepp Logistik GmbH sucht laufend Mitarbeiter" als Auslieferungs- und Berufskraftfahrer, Schreiner, Monteure und Lagerarbeiter.

"Gut ausgebildetes Personal im Servicebereich zu finden, ist ganz schwierig", sagt Peter Kohlhepp. Deshalb greift er vermehrt auf EU-Ausländer zurück und kooperiert seit zwei Jahren mit verschiedenen Bildungsträgern. "Wir arbeiten zum Beispiel mit einer spanischen Sprachschule zusammen", sagt er. Die ausländischen Kräfte können dann so gut deutsch sprechen, dass sie sich beim Kunden problemlos verständigen können.

Bürojobs statt Handwerk

Die Spedition aus Albertshausen spiegelt damit nicht nur die EU, sondern auch den Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön wieder. Wer sich als ausgebildeter Kraftfahrer um eine Stelle bewirbt, hat gute Chancen auf einen Arbeitsplatz. Ebenso schaut es in der Baubranche aus.

Laut Jahresbericht der Agentur für Arbeit in Schweinfurt war es 2013 in einigen Bereichen schwer, zeitnah geeignete Fachkräfte zu vermitteln. "Sehr viele Handwerksbetriebe beklagen inzwischen erhebliche Probleme bei der Besetzung offener Stellen", heißt es. Neben Bauwirtschaft, Logistik und Handwerk sind besonders Gesundheitsberufe und das Gastgewerbe betroffen. In diesen Branchen gebe es per se ein geringes Angebot an Fachkräften. Hinzu kommen unattraktive Arbeitszeiten im Schichtdienst und am Wochenende. Anders ist die Situation bei Büroberufen. Hier wurden im vergangenen Jahr mehr freie Stellen gesucht, als angeboten wurden. Besonders gefragt sind dabei Teilzeitstellen. Wer vormittags von acht bis zwölf Uhr im Büro arbeiten möchte, sollte über spezielle Fachkenntnisse beispielsweise in der Buchhaltung, im Steuerrecht oder in Fremdsprachen verfügen. "Ungelernte Kräfte werden immer weniger gebraucht", sagt Peter Schönfelder, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Schweinfurt.

Langfristig stabile Entwicklung

Der Jahresbericht der Arbeitsagentur für die Landkreise Bad Kissingen, Schweinfurt, Rhön-Grabfeld und Hassberge fällt durchwegs positiv aus. "Der Arbeitsmarkt blieb auf erfreulich hohem Niveau stabil", berichtet Geschäftsführer Thomas Stelzer. 2013 waren durchschnittlich 8862 Menschen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einer Quote von 3,7 Prozent. Seit 2011 liegen die Meldungen stabil in diesem Bereich. Trotz Der weltweiten Wirtschafts- und Bankenkrise. "Ich würde allerdings nicht sagen, dass das eine Vollbeschäftigung ist", sagt er. Die Region liege damit aber im guten bayerischen Mittelfeld und deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Teilzeitarbeit nimmt zu

Laut Stelzer ist eine langfristige Entwicklung am Arbeitsmarkt beachtlich: Vor sechs Jahren hat es in der Region 10 000 Beschäftigungsverhältnisse weniger gegeben. Dass heute mehr Leute eine Arbeit haben, bedeute aber nicht, dass auch mehr gearbeitet werde. "Wir gehen davon aus, dass ein erheblicher Anteil in Teilzeitstellen entstanden ist", erklärt Stelzer.

Positiver Ausblick

Im Verlauf hatte sich der Arbeitsmarkt in der ersten Jahreshälfte zunächst schlechter entwickelt, als im Vorjahr. Ab August kehrte sich der Trend um, so dass Stelzer einen positive Zukunftsprognose stellt. "Wir werden ein weiteres gutes Jahr haben, nach allem, wie es momentan aussieht", sagt er. Damit plant man auch bei der Spedition Kohlhepp. "Wir haben zuletzt viel in die Richtung Kommunikation und Organisation investiert", sagt Peter Kohlhepp. Investitionen und Flexibilität am Arbeitsmarkt. Das ist sein Erfolgsrezept.

Der Arbeitsmarkt 2013 in der Region in Zahlen