Wenn Autofahrerinnen und Autofahrer derzeit von Euerdorf kommend in den unteren Teil von Garitz oder in die Nähe der Innenstadt möchte, haben sie zwei Möglichkeiten: Entweder sie fahren über den Ostring und biegen in eine der stadteinwärtsführenden Straßen ab. Oder sie nehmen die Umleitung an der Garitzer Tankstelle und fahren parallel zur Schönbornstraße stadteinwärts durch das Wohngebiet.

Doch manche nutzen eine dritte Möglichkeit: Sie fahren stadteinwärts in die Bismarckstraße (siehe Bild). Dass das nicht erlaubt ist und die Straße im Zuge der Baustelle nicht für alle in beide Richtungen geöffnet wurde, empört manche Bürgerinnen und Bürger. Auch, dass dort des Öfteren die Polizei steht und kontrolliert, ob alle sich an die Vorgabe halten.

Die Bismarckstraße geht von der Ludwigsbrücke/Schönbornstraße zum Westring

Normalerweise ist die Bismarckstraße gar nicht für den normalen Verkehr geöffnet. An der südlichen Zufahrt ist sonst eine Schranke, die für die Zeit der Baustelle abmontiert wurde. So kann der Verkehr stadtauswärts fließen.

Dass die Stadt sich dagegen entschieden hat, die Straße in beide Richtungen zu öffnen, hat seine Gründe. Einer ist, dass die Straße nicht breit genug ist: "Rechter Hand parken Fahrzeuge. Der Bus und Baustellen-Lkw verkehren hier. Bei übermäßigem Gegenverkehr ist dies nicht mehr gewährleistet", erklärt die Stadt auf Facebook. Es würde die Straße überlasten, wenn sämtlicher Verkehr aus Euerdorf und von Ring in Richtung Innenstadt in dieser Straße fahren würde.

Warum kein Parkverbot?

Zu dieser Begründung fallen Autofahrerinnen und Autofahrern viele Gegenargumente ein: Mit angepasster Geschwindigkeit, etwa mit Tempo 30, kämen die Fahrzeuge doch sicher aneinander vorbei. Ein Parkverbot würde die Straße verbreitern. Und wenn das nicht sicher genug ist, könnte man nur noch Autos in der Straße zulassen.

Doch die Stadt nennt weitere Gründe für ihre Entscheidung: Eigentlich ist die Straße für den Durchfahrtsverkehr ja ganz gesperrt, und das hat auch seinen Grund", sagt Pressesprecher Thomas Hack.

Sicherheitsaspekt: "viel schützenswertes Klientel"

Die Bismarckstraße liegt zwischen Luitpoldpark und den Kliniken in der Kurzone. Dort seien viele Menschen zu Fuß unterwegs, seien es Kurgäste aus den Kliniken oder Menschen, die dort geparkt haben. Auch das Altenheim Rosenhof sei in der Straße. "Wir haben dort also viel schützenswertes Klientel", fasst Hack es zusammen.

Und: "Es geht auch um die Emissionen." Mitten im Kurviertel, direkt am Park solle nicht durch zweispurigen Verkehr mit Rückstaugefahr die Luft mit Lärm und Abgasen belastet werden.

Hinzu kommt: Die Fahrzeuge, die aus Euerdorf zur Westringkreuzung fahren, haben Vorfahrt gegenüber denen, die von der Westringkreuzung in die Bismarckstraße einbiegen wollen. Hier bräuchte es eine sichere Lösung, damit es nicht zum Stau kommt. Kämen die Autos auf der anderen Seite an der Kreuzung Schönbornstraße/Ludwigsbrücke heraus, würde es sich an der relativ engen Kreuzung ebenfalls schnell stauen.

Gute und sichere Umleitung über den Ostring

Hätte es Probleme mit der aktuellen Umleitung über den Ostring gegeben, hätte die Stadt sie angepasst. "Es gibt keine Beschwerden, kein Chaos an der Winkelser Kreuzung, es klappt super", sagt Hack. "Der Verkehr rollt da sicher, es gibt breite Straßen, Ampeln und Fußgängerüberwege."

Ja, es dauere manchmal etwas länger, aber in Anbetracht der großen Baustelle, seien die Beeinträchtigungen total im Rahmen. Beschwerden nimmt die Stadt keine wahr. "In Anbetracht der wirklich gravierenden Maßnahmen ist das absolut nicht selbstverständlich. Ein Dank deshalb auch an die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer."

Die "Unechte Einbahnstraße"

Dass es in der Straße dennoch ab und Gegenverkehr gibt, hat zwei Gründe: Zum einen handelt es sich um eine sogenannte ,Unechte Einbahnstraße'. Wer sich auf einem Grundstück innerhalb der Bismarckstraße befindet, darf beim Verlassen in beide Richtungen abbiegen. Zum andern dürfen Taxen, Radfahrende und Busse in beide Richtungen fahren.

So viel kostet ein Verstoß

Ob die Einbahnstraßenregelung eingehalten wird, kontrolliert die Polizei sporadisch. Wer widerrechtlich in die Straße einbiegt, zahlt 50 Euro Verwarnungsgeld. Genaue Zahlen kann Florian Heuring von der Polizei Bad Kissingen und zuständig für das Sachgebiet Verkehr, nicht nennen.

Er berichtet: "Wenn die Kollegen unten stehen, kommt es schon zu zahlreichen Verstößen." Aber ihre Kontrollen schreckten andere ab: Wenn die Beamtinnen und Beamten gerade dabei seien, einen Verstoß zu ahnden, beobachteten sie nicht selten, wie andere Autofahrerinnen und -fahrer wortwörtlich einlenken und sich dagegen entscheiden, stadteinwärts in die Bismarckstraße zu fahren.

Bisher keine Unfälle

Weil oft die Ausrede gefallen sei, das Schild übersehen zu haben, ließ die Polizei eine Baustellenabsperrung an der Kreuzung aufstellen. Die signalisiere eindeutig, dass das Fahren in die Straße nicht gestattet sei.

Zu Unfällen sei es wegen der vielen Umleitungen bisher noch nicht gekommen. Das spreche auch dafür, dass das Umleitungskonzept der Stadt sehr gut war. Beschwerden bekomme die Polizei von beiden Seiten: Die Anwohnerinnen und Anwohner stören sich daran, dass nun der Verkehr durch die Bismarckstraße läuft und dass die Autos zu schnell seien, die Autofahrerinnen und Autofahrer sind unzufrieden, dass nicht beide Seiten offen sind.