Der Sportunterricht bereitet Schulleiter Markus Arneth dieser Tage einiges an Kopfzerbrechen. Das Schwimmen fällt am Jack-Steinberger-Gymnasium wegen der Schließung des städtisches Hallenbades aus , und zwar so lange bis das neue steht. Aber auch beim normalen Turnunterricht ist die Schule neuerdings mit erheblichen Problemen konfrontiert. Die schuleigene Halle darf coronabedingt nicht für Sportstunden genutzt werden. Die Kontingente, die das Gymnasium in der Bayern- und in der Bibrahalle bekommt, reichen jedoch nicht für alle Schüler.

Die Folge: "Wir haben Klassen, die bisher in diesem Schuljahr nur bei schönem Wetter draußen Sport hatten", berichtet Arneth. Regnet es oder ist es zu kalt, findet für sie kein Sport statt. Der Rektor nennt noch ein Folge: In der Oberstufe können die Schüler ihre Sportnoten ins Abiturzeugnis einbringen. "Es ist deshalb wichtig, Sport überhaupt anzubieten", erklärt er. Eine Gruppe der Oberstufe musste für den Sportunterricht schon in die Schulaula ausweichen, weil sonst kein Platz für sie frei war.

Das Problem mit der Schulturnhalle ist eigentlich nicht neu, im Winterhalbjahr aber umso drängender. "Wir durften unsere Halle schon seit dem Ende des Lockdowns im Frühjahr nicht mehr benutzen", sagt Arneth. Die warmen Monate über war das nicht schlimm, da die Klassen auf die Außenanlagen ausgewichen sind. Bei der aktuellen Witterung ist das nicht mehr möglich.

Dass in der Halle kein Sport erlaubt ist, hängt mit der Belüftung zusammen. "Die Fenster haben einen zu geringen Neigungswinkel", erklärt der Rektor. Die Frischluftzufuhr reiche nicht aus. In den Geräteräumen gibt es zwar Fenster, die sich weit öffnen lassen, jedoch müssen die Tore zu den Geräteräumen während des Unterrichts aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben. Der Landkreis als Sachaufwandsträger wolle zwar Luftfilter für die Turnhalle anschaffen; wann die bestellten Geräte geliefert, eingebaut und betrieben werden, weiß der Schulleiter jedoch nicht. Arneth: "Das ist leider ein Prozess, der lange dauert. Wir hoffen, dass wir zum zweiten Halbjahr die Halle wieder verwenden können." Das Gymnasium habe inzwischen ein Lüftungskonzept erstellt und dem Landratsamt vorgelegt. Arneth hofft, dass unter gewissen Bedingungen zumindest kleinere Gruppen die Halle schon früher wieder betreten dürfen.

Das Landratsamt habe sich um Alternativen gekümmert: Als geeignet erwies sich die Schlossberghalle in Nüdlingen. Der Gemeinderat stimmte vergangene Woche zu, dass sowohl das Kissinger Gymnasium, als auch die Realschule, Zeiten in der Halle bekommen. Für das Gymnasium heißt das: 21 Sportgruppen aus allen Jahrgangsstufen werden künftig mit dem Bus nach Nüdlingen zum Sport gefahren. Von einer Doppelstunde mit 90 Minuten bleiben da zwar nur noch 50 Minuten übrig, aber: "Das ist etwas, was wir machen können", sagt Arneth.

Mehr Schüler, weniger Hallenkontingente

Bei der Realschule ist die Lage zwar nicht ganz so gravierend, aber dennoch kompliziert. Immerhin mussten keine Stunden entfallen, betont Rektor Torsten Stein. Die Realschule kann - anders als das Gymnasium - die hauseigene Sporthalle nutzen, plus Zeiten in Bayern- und Bibrahalle. Problematisch ist vielmehr, dass die Schülerzahl in den vergangenen Jahren von 750 auf 850 gestiegen ist - die Sporthallen-Kapazitäten jedoch nicht. Mit der Hallenbad-Schließung wiederum fällt nicht nur der Schwimmunterricht aus, sondern es fehlen auch fest eingeplante Hallenkontingente.

Durch die Verlegung von Sportstunden auf den Nachmittag und durch "die Anmietung der Schlossberghalle für einen Wochentag, können die Hallenverluste durch den Schwimmbadentfall kompensiert werden", erklärt der Rektor. Drei Sportgruppen fahren ab sofort immer montags für je eine Doppelstunde nach Nüdlingen. Er freue sich, dass der Landkreis den Bustransport und die Ausweichhalle relativ zeitnah ermöglicht hat, nachdem die Stadt die Schließung des Hallenbades sehr kurzfristig kommunziert hatte. "Wir waren während der letzten beiden Monate auf eine behelfsmäßige Übergangslösung angewiesen", klagt Stein. Ein Prüfungsraum, der sich durch verschiebbare Wände aus vier Klassenzimmer zusammensetzen lässt, wurde mit Tischtennisplatten bestückt und so für den Sport genutzt.

Unsere Redaktion hat am Montag das Landratsamt gebeten, den Sachstand zu den Filteranlagen, zum Lüftungskonzept und die Kosten für die Busbeförderung mitzuteilen. Eine Stellungnahme war der Behörde am Montag nicht möglich und soll nachgereicht werden.