Bei der Neuinstallation von Solaranlagen gab es 2025 einen deutlichen Einbruch: rund ein Drittel weniger. Wird er 2026 nicht gestoppt, droht ein Stillstand bei der Energiewende.
Der Solarausbau auf deutschen Dächern stockt. Zusammen mit zwölf weiteren Verbänden – von der Verbraucherzentrale Bundesverband bis zur Mittelständischen Wirtschaft – warnt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) vor tiefen Einschnitten bei der Förderung, wie sie für 2026 im Raum stehen. Was plant die Bundesregierung und welche Auswirkungen sind zu befürchten?
Sind neue PV-Anlagen auf dem Dach als zentrale Säule der Energiewende gefährdet?
2025 sind nur noch etwas mehr als halb so viele neue PV-Anlagen installiert worden wie noch zwei Jahre zuvor, wie eine Hochrechnung des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) zeigt. "In einer derartigen Marktlage wäre eine weitere Verschlechterung der Rahmenbedingungen zwangsläufig Gift", warnt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Zusammen mit zwölf weiteren Verbänden haben BSW-Solar und andere den Verbändeappell "Gebäude-Photovoltaik muss zentrale Säule der Energiewende bleiben" veröffentlicht.
Darin heißt es: "Ohne einen attraktiven Förderrahmen dürfte sich der Photovoltaik-Zubau im Eigenheimsegment mehr als halbieren." Und die Verbände fahren fort: "Dies würde die Klimaziele gefährden und die Abhängigkeit von teuren fossilen Energieträgern verlängern." Ist dieser Pessimismus wirklich berechtigt?
Die Zahlen zu den neuen PV-Anlagen auf deutschen Dächern zeigen den Trend: 2023 waren im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur 793.800 Neu-Anlagen aufgeführt. Zwei Jahre später waren es nur noch 453.800 neue Dach-Solaranlagen im Heimsegment bis 30 Kilowatt Leistung. Damit hat sich die Zahl der Neuanlagen fast halbiert (43 Prozent).
Gibt es wirklich keinen Förderbedarf mehr?
Wo liegt die Ursache für die nachlassende Begeisterung für die eigene Energiewende? Haben die Stromkunden das Interesse verloren? Nein, sagt der BSW-Solar und verweist auf eine repräsentative Bevölkerungsumfrage von YouGov. Danach gaben rund acht von zehn Befragten an, dass die aktuelle Bundesregierung den Ausbau der Solarenergie "(eher) beschleunigen" oder auf dem aktuellen Niveau weiterführen soll. Dabei gab es keine großen Unterschiede zwischen den Wählern der Regierungsparteien CDU/CSU (86 Prozent) und SPD (88 Prozent).
Den Grund für das nachlassende Interesse sehen die Verbände in den geplanten Einschnitten bei der staatlichen Förderung. Aber: Ohne einen attraktiven Förderrahmen dürfte der PV-Zubau im Heimsegment noch weiter zurückgehen. In diesem Fall beabsichtigen nur noch rund 12 Prozent der Interessenten mit geeignetem Dach, eine PV-Anlage zu installieren. "Dies würde die Klimaziele gefährden und die Abhängigkeit von teuren fossilen Energieträgern verlängern", warnen die Verbände in ihrem Appell.
Als Ursache haben die Verbandsexperten das Bundeswirtschaftsministerium mit Katherina Reiche (CDU) an der Spitze ausgemacht. Sie sieht keinen Förderbedarf mehr bei PV-Anlagen. Deshalb sollen neue und kleine Solaranlagen künftig komplett bei der staatlichen Förderung außen vor bleiben. Ihr zentrales Argument: Auch ohne staatliche Unterstützung rechnen sich die kleinen PV-Anlagen auf dem Dach.