6,6 Prozent Männer gehören heute bundesweit zum pädagogischen Kita-Personal. 2011 waren es 3,8 Prozent. Zuwachs ist also da. Allerdings: Es gibt Unterschiede beim männlichen Drang in die Kindertagesstätte. Im Kreis Bad Kissingen liegt der Anteil bei 2,8 Prozent. Damit kletterte er um 1,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. In der Bundesliga der Kindergärtner, pardon, Erzieher, belegt der Kreis Bad Kissingen damit derzeit den 338. Platz unter 402 bundesweit erfassten Stadtstaaten, Stadt- und Landkreisen. Die niedrigste Quote hat der Kreis Schwandorf in Bayern: 0,8 Prozent. Spitzenreiter ist Flensburg mit 15,9 Prozent.

Selbst wenn, wie in Flensburg, rund jede sechste Frau inzwischen durch einen Mann abgelöst wurde, sind Männer weiter eher Exoten in Kindergärten. Allen Regierungsprogrammen und Modellprojekten zu Trotz, die in den letzten zehn Jahren liefen. Im Kreis Bad Kissingen zeigte der Ruf nach mehr Männern nur mäßigen Erfolg: Hier erhöhte sich die Männer-Quote von 1,3 (Jahr 2011) auf 2,8 (Jahr 2019) Prozent. Bundesweit kletterte der Anteil von 2011 bis 2019 von 3,8 auf 6,6 Prozent. Im Bayern hat sich die Quote von 2,6 auf 4,7 Prozent entwickelt. Das ändert aber nichts dran, dass die Erziehungstätigkeit in den Kindertageseinrichtungen von Frauen dominiert wird.

Aber ist das schlimm? Männer verhalten sich anders als Frauen und können die Kinderbetreuung bereichern. Soweit der allgemeine Konsens. Und der wissenschaftliche Beleg? Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD (die mit der PISA-Studie) hat in der Studie "Gute Strategie für gute Berufe in der frühen Bildung" festgestellt: "Es wird zunehmend anerkannt, dass die Beschäftigung männlicher Fachkräfte in der frühen Bildung das Potenzial hat, die Entwicklung und das Lernverhalten der Kinder zu verbessern." Sprich Kinder profitieren, wenn sie auch von Männern erzogen werden. In Norwegen werden deshalb bei gleicher Eignung Männer bevorzugt eingestellt.

Was allerdings voraussetzt, dass auch Bewerber da sind. Und da ist der Haken: "Niedriglöhne, ein geringes Ansehen, fehlende öffentliche Anerkennung, schlechte Arbeitsbedingungen und begrenzte berufliche Entwicklungsmöglichkeiten führen dazu, dass die Personalgewinnung und -bindung sich häufig schwierig gestalten", fasst die OECD ihre Erkenntnisse zusammen.

Sie zählt in ihrem 60-seitigen Bericht eine ganze Reihe von Maßnahmen auf, die Männer in die Kitas bringen könnte. Höhere Ausbildungsanforderungen und Berufsabschlüsse, um den Status des Berufsfeldes frühkindliche Erziehung zu heben. Höhere Gehälter, um es attraktiver zu machen.

Denn die Konkurrenz ist groß. Und der Lehrermangel auch. Was das miteinander zu tun hat? Wer sich vorstellen kann, im Kindergarten zu arbeiten, kann sich meist auch vorstellen, in der Schule zu arbeiten, ergab eine OECD-Umfrage im Rahmen der PISA-Studie unter 15-jährigen. Und Männer gehen dann lieber in die Schule als in den Kindergarten.

Teja Banzhaf (teb). /Zeitungsdienst Südwest (zds)