Frieda Wissel (geb. Hüfner) hatte es aus Seligenstadt bei Karlstein wieder einmal nach Werberg gezogen. 1938 musste sie mit ihrer Familie ihre Heimat verlassen, weil der Truppenübungsplatz eingerichtet wurde. Das war vor fast 80 Jahren, doch kennt sie ihr altes Haus in Werberg noch immer. In guter Erinnerung geblieben ist ihr, dass "wir Kinder immer beschäftigt waren". Ob beim Kühe-Hüten, auf kleine Geschwister aufpassen oder auf dem elterlichen Hof helfen, im landwirtschaftlichen Leben gab es immer etwas zu tun. Mit drei Kindern und zwei Enkeln war sie heuer wieder zum Werberger Treffen gekommen: "Die können das gar nicht begreifen, dass das Leben damals so war." Sie war "jahrelang nicht mehr beim Werberger Treffen gewesen", doch hat sie nun zwei Alt-Werberger, die auch noch vor dem Krieg das Dorf verlassen mussten, getroffen: "Wir haben uns sofort wiedererkannt."

Auch viele andere trafen sich heuer in Werberg seit langer Zeit zum ersten Mal wieder. Freudige Umarmungen, Geschichten von früher und Erinnerungen prägten das Bild auf dem ehemaligen Dorfplatz. Man flanierte an den alten Hausplätzen vorbei, an denen Bilder der früheren Gebäude aufgestellt worden waren. In Führungen erhielten die Besucher Einblicke in die Geschichte und das dörfliche Leben von Werberg. Außerordentlich begeistert waren die ehemaligen Werberger von dem Ergebnis der Sanierungsarbeiten, die bis zum Vortag im Gange gewesen waren. Die auf dem Friedhof sanierten Gräber mit dem bereits im vergangen Jahr instandgesetzten Kreuz ähneln nun viel mehr einer Gedenkstätte, die der Friedhof bereits seit dem Jahr 1976 ist. Auch die Antoniuskapelle ist ein neues Schmuckstück, sogar die Steinplatten im Innenraum waren neu verlegt und verfugt worden.

Bei der Andacht vor der Werberger Stube ging Diakon Wilfried Beck auf 30 Jahre Werberger Stube und der Menschen Wurzeln ein: "Wer nicht achtet und schätzt, weiß irgendwann nicht mehr, woher er kommt." Weil 1938 "Platz für eine kriegerische Idee" geschaffen worden war, mussten die Menschen Werberg verlassen, doch haben sie dort ihre Spuren hinterlassen. Trotz eines erzwungen Wegzugs finde jeder sein Glück im "Frieden in den Beziehungen zu Menschen", so Beck. "Der Blickwinkel ist wichtig." Die musikalische Begleitung wurde gestaltet von Mitgliedern der Musikkapelle Kothen.


Arbeiten an der Antoniuskapelle

Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) nannte es "elementar wichtig, die Vergangenheit festzuhalten, bevor sie verloren geht." Die "massiven Arbeiten in Werberg", die die BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) genehmigt hatte, seien "sinnvolle und gute Investitionen." Oliver Stix von der BImA war für seinen Einsatz um die Sanierungsarbeiten geehrt worden, doch verwies er auf das "Team, dem der Applaus gebührt." Er dankte allen, die bis zum Freitag die letzten Arbeiten durchgeführt hatten, sowie der Bundeswehrkommandantur für die Möglichkeit, in Werberg - trotz vieler Sprengtermine - arbeiten zu können. Man war "etwas in Zeitnot", waren die Rodungsarbeiten erst im April abgeschlossen. Zudem war man auf die mangelhaften Grundsteine unter der Antoniuskapelle nicht gefasst gewesen. Doch hoffe Stix, dass "die Denkmäler in den nächsten Jahrzehnten" den derzeitigen Zustand behalten werden.

Ewald Kleinhenz war sich mit der Interessengemeinschaft ehemaliger Werberger einig, wer eine "Ehrung erfahren" sollte. Alfred Schrenk (SPD), stellvertretender Landrat und langjähriger Bürgermeister von Wildflecken, "kennt Werberg am besten", so der Sprecher der IG ehemaliger Werberger. Gerd Kleinhenz nahm stellvertretend für den verhinderten Alfred Schrenk die Ehrung entgegen. Ebenfalls geehrt wurde Matthias Elm, der mit einer Bonsai-Hainbuche den Dank aller ehemaligen Werberger und Organisatoren empfing. Dies sei "keineswegs nur ein Projekt von mir", betonte der Autor und dankte seinen Lektoren, dem Layouter und den vielen, die ihm hilfreich zur Seite gestanden hatten.

Dritter Bürgermeister Wolfgang Jung (Wählergemeinschaft Speicherz) dankte den Organisatoren für die Durchführung des Werberger Treffens sowie Familie Sturm und Familie Geck für die Weiterführung der Werberger Stube. Die Gemeinde wolle versuchen, weitere Räume zur Verfügung zu stellen, um die Werberger Erinnerungsstücke besser ausstellen zu können.