Eine große Schar der insgesamt 770 Gemeindeglieder, für die der 31-jährige Niels Hönerlage bereits seit Anfang März zuständig ist, hatte am Samstag den Weg ins Weißenbacher Gotteshaus gefunden. In seinem Grußwort konnte der Lohrer Dekan Till Roth darüber hinaus zahlreiche Repräsentanten aus dem kirchlichen Bereich sowie Vertreter des öffentlichen Lebens willkommen heißen. Den musikalischen Rahmen des Festgottesdienstes gestalteten Dekanats-Kantor Mark Genzel an der Orgel, die Schlosshof-Musikanten und der Gesangverein Weißenbach.

Zu Beginn ihrer Predigt dankte Regionalbischöfin Gisela Bornowski erst einmal allen, die die Zeit der Vakanz mit viel Kraft und hohem Engagement überbrückt haben. Dem neuen Pfarrer versicherte die Oberkirchenrätin, dass er sich für einen wunderbaren Beruf entschieden habe. "Wir arbeiten an einer Willkommenskultur in unserer Kirche", sagte sie wörtlich vor dem Hintergrund, dass junge Kolleginnen und Kollegen ihre angestrebte Laufbahn doch manchmal sehr kritisch hinterfragen. Deswegen würden sich die Verantwortlichen kontinuierlich bemühen, "den Pfarrberuf lebbar zu gestalten".

Junger Pfarrer stammt aus der Region

Im weiteren Verlauf ihrer Ausführungen ging die Regionalbischöfin kurz auf Hönerlages Vita ein. Da er in Bad Brückenau aufgewachsen sei, kenne er in der Region bereits Land und Leute. Schon in frühester Kindheit hätten ihn in seinem christlich geprägten Elternhaus die biblischen Geschichten fasziniert. Und daran habe sich bis heute nichts geändert, meinte Bornowski. Der 31-Jährige, so ihr Eindruck aus diversen Gesprächen, wolle Theologie und Glauben erzählen und "nicht verkopft weitergeben". Sein Bestreben werde es vom ersten Tag an sein, auch den Kontakt zu jenen Menschen zu suchen, die nicht zur Kerngemeinde gehören.

Kein Geheimnis machte Gisela Bornowski daraus, dass es nicht immer einfach ist, Jesus auf dessen Weg zu folgen. In manchen Gegenden der Welt könne das Christsein sogar lebensgefährlich werden. Wenn das Predigtwort am Tag der Ordination in der Lutherbibel die Überschrift "Vom Ernst der Nachfolge" trägt, heiße das auch, dass ein Pfarrer neue Wege beschreiten müsse, die oft mit Misstrauen oder sogar anfänglicher Ablehnung verbunden sind. "Vertrau den Wegen" sei eben leichter gesungen als getan.

"Ich möchte keinen anderen Beruf haben", so das Fazit der Oberkirchenrätin, die vor nunmehr fast 30 Jahren ordiniert worden ist. Das Vertrauen und das Wagnis, Jesus zu folgen und im Dienst der Kirche zu stehen, hätten sich trotz aller Anstrengungen, "die oft bis an die Belastungsgrenze gegangen sind", gelohnt. Diese Erkenntnis schrieb sie ihrem neuen Pfarrerkollegen vor dem Übergang zur feierlichen Ordination ins Stammbuch.

Studium in Hamburg und Erlangen

Sichtlich bewegt bedankte sich Niels Hönerlage nach dem Festgottesdienst bei allen, die ihn bisher privat und beruflich begleitet haben und auch in Zukunft an seiner Seite stehen wollen. Für die vielfältigen Aufgaben, die vor ihm liegen, sei er sehr motiviert und freue sich auf zahlreiche spannende Begegnungen. Bereits die ersten Kontakte mit den Menschen an seiner neuen Wirkungsstätte seien interessant und warmherzig gewesen.

Das notwendige Rüstzeug bringt der junge Pfarrer jedenfalls mit. Intensive Erfahrungen hat er nach dem Studium in Hamburg und Erlangen unter anderem bei der Flüchtlingshilfe in Göttingen sowie durch sein Vikariat am Heuchelhof in Würzburg gesammelt. Auf Hönerlages feierliche Einsegnung und Einsetzung in der Weißenbacher Kirche folgte ein Empfang im "Steinernen Wirtshaus", wo auch der Gesangverein Detter zugegen war. Bei dieser Zusammenkunft gab es für die Gäste noch reichlich Gelegenheit für Grußworte oder zu einem Gespräch im kleinen Kreis.