Inmitten eines kahlen Raumes stehen zwei Handwerker auf einem Gerüst und bohren Löcher in die Decke. Wo einst die Spielautomaten klingelten, dröhnen jetzt die Akkuschrauber. Die Renovierung der ehemaligen Spielothek Firlefanz in der Sinnaustraße ist im vollen Gange. "Das ist eine Totalsanierung", sagt Miteigentümer Albert Brandt, "über den Preis sprechen wir nicht." Schon im März hatte die BKP Immobilien GmbH das alte Gebäude ersteigert. Seit acht Wochen sind die Geschäftsführer Albert Brandt und Rainer Paul sowie verschiedene Handwerkerfirmen aus bad Brückenaus näherer Umgebung mit dem Umbau beschäftigt.

Einzug zur Adventszeit

Wenn die Renovierung abgeschlossen ist, soll Pächterin Gabriele Hamelmann mit ihrem Friseursalon einziehen. Sie freut sich vor allem darüber, bald alle Räumlichkeiten auf einer Etage zu haben. "Immer die Treppe hoch und runter - das ist dann schon ein wenig nervig", sagt sie. Im Moment befindet sich ihr Salon im Haus nebenan.
In den neuen Räumen wird sie trotz weniger Stockwerke mehr Platz zur Verfügung haben. Daher beabsichtigt sie bald zwei weitere Vollzeitkräfte einzustellen. Weiter möchte sie alles komplett neu einrichten. Wenn es nach ihr geht, kann der Umzug nicht schnell genug kommen. "Wir hoffen, dass wir noch vor Weihnachten einziehen können", sagt sie. Das dürfte klappen. Denn die Eigentümer haben den 1. Dezember als Eröffnungstag im Sinn. Auf den rund 240 Quadratmetern gibt es jedoch noch einiges zu tun. Zur Zeit wird die Decke in Schuss gebracht. In den nächsten Wochen soll der Innenausbau komplett fertig gestellt sein.

Schimmel musste zwar nicht bekämpft werden, aber dafür mussten die Abflüsse allesamt neu gelegt werden. "Die waren teilweise undefinierbar abgeleitet", sagt Albert Brandt, "niemand wusste, wo die Rohre hinführen." Originalpläne habe es keine gegeben, sondern nur neu erstellte Zeichnungen eines Gutachters. Für die Arbeiten an den Abflüssen kam die Straßensanierung gerade zum rechten Zeitpunkt.

Bevor das Haus im Frühjahr versteigert wurde, stand es vier Jahre lang leer. Nicht nur von außen war es sehr heruntergekommen. "Es hat böse ausgeschaut", sagt Miteigentümer Rainer Paul, "das war alles total verrostet und zusammengefallen." Die zwei Müllcontainer vor dem Gebäude waren bereits dreimal randvoll mit Bauschutt befüllt. Bevor die ehemalige Spielothek Firlefanz so verwahrloste, hatte es bereits einige Vorbesitzer gegeben.

Besitzer kamen und gingen

Gebaut wurde das Haus 1950 von der Firma Auto Löhmer. Die blieb immerhin 17 Jahre lang in den Räumlichkeiten. Danach folgten ein Sparmarkt, das Elektronikgeschäft Stelzner, Zweirad Müller, Farben Linder und schließlich die Spielothek. "Das soll jetzt ein Vorzeigehaus werden", sagt Rainer Paul. Er und Albert Brandt wollen in Zukunft noch weitere gewerbliche Objekte in Bad Brückenau ersteigern. "Wir wollen die Stadt attraktiver machen", so Paul. Natürlich sei dieses Vorhaben kein reiner Akt der Nächstenliebe. Die Rentabilität spiele schon eine Rolle.

Das Gebäude, in dem sich bis jetzt der Friseursalon befindet, wird später vermutlich stockwerkweise vermietet. Das Erdgeschoss soll weiterhin für Geschäftsräume zur Verfügung stehen und das obere Stockwerk soll entweder als Wohnfläche oder als Büro dienen. Die Interessenten müssen sich aber noch bis zum endgültigen Umzug des Friseursalons gedulden, damit Gabriele Hamelmann in Ruhe arbeiten kann.