Bad Brückenau
Versorgungslücke

Prümmer-Klinik: Landrat reagiert

Die Einstellung der Not- und Grundversorgung in Bad Brückenau schlägt hohe Wellen. Nun äußert sich Landrat Thomas Bold dazu. Was er davon hält und welche Lösungen es gibt.
Das Schild der Franz von Prümmer Klinik in Bad Brückenau wirft einen langen Schatten. Wo werden Patienten zukünftig behandelt? Foto: Julia Raab
Das Schild der Franz von Prümmer Klinik in Bad Brückenau wirft einen langen Schatten. Wo werden Patienten zukünftig behandelt? Foto: Julia Raab
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Die Notfallversorgung in der Franz von Prümmer Klinik funktionierte in den vergangenen Monaten nur sehr eingeschränkt. Immer wieder mussten sich Abteilungen des Krankenhauses von der Integrierten Leitstelle (ILS) in Schweinfurt abmelden. Grund dafür waren laut Klinikleitung insbesondere Fachkräftemangel und Krankheitsfälle während der Corona-Pandemie.

Anfang September verkündete schließlich der Vorstand der Deutschen Regional Klinik GmbH, Andre Eydt, die Einstellung der Grund- und Notfallversorgung in der kleinen Klinik (wir berichteten). Um das Krankenhaus zu erhalten, plant der Vorstand die Ausweitung der geriatrischen Behandlung sowie Chirurgie/Orthopädie. "Aufnahmen erfolgen also per Anmeldung und Einweisung und nicht mehr über den Rettungsdienst", hieß es in der Pressemitteilung vom 5. September.

Petition gestartet

Laut Krankenhaussimulator der Gesetzlichen Kassenärztlichen Vereinigung (GKV) bedeutet eine Einstellung der Grundversorgung, dass 8100 Menschen im Umkreis über 30 Minuten Fahrzeit auf sich nehmen müssen, um ein Krankenhaus mit Grund- und Notfallversorgung zu erreichen. Das wären in diesem Fall die Kliniken in Fulda, Bad Neustadt und Bad Kissingen. Der Simulator der Krankenkasse betrachtet die Versorgung von Patienten in ganz Deutschland.

Wenige Tage nach Bekanntgabe startete eine Petition. Die Aktionsgruppe "Schluss mit Kliniksterben in Bayern" fordert darin Landrat, Stadt und Klinikleitung auf, Gespräche zur Aufrechterhaltung der Versorgung in Bad Brückenau zu führen. Mittlerweile haben 3112 Menschen (Stand: 21. September) unterschieben. Jetzt meldet sich auch Landrat Thomas Bold (CSU) zu Wort.

Gemeinsame Lösung erforderlich

"Die Bürgerinnen und Bürger drücken mit der Petition ihre Sorgen aus, das kann ich angesichts der Situation verstehen", schreibt Bold. Jede Einschränkung des Leistungsspektrums stelle den Landkreis vor neue Herausforderungen, "denen müssen wir uns stellen und gemeinsam eine Lösung finden".

Planbare Eingriffe würden schon jetzt immer häufiger in Spezialkliniken ausgeführt. Bisher habe der Landkreis die wohnortnahe stationäre Versorgung - "zwar mit Einschränkungen, aber es gibt sie", fügt er hinzu. Der Erhalt müsse auch künftig das Ziel sein.

Zur Debatte steht auch die Möglichkeit, eine Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung im Krankenhaus zu errichten. Auch dazu äußert sich Bold: "Wir müssen versuchen, eine solche Möglichkeit für Bad Brückenau zu schaffen." Das Krankenhaus habe den Willen zur Aufnahme einer Bereitschaftsdienstpraxis signalisiert, kommentiert er weiter.

Nur durch Einweisung

Die Grundversorgung in Bad Brückenau sieht er differenziert und blickt zurück: Durch die Entscheidung zur Privatisierung der Klinik vor 25 Jahren sei es gelungen, eine wohnortnahe Krankenhausversorgung für die Bevölkerung zu erhalten. "Viele Krankenhäuser mussten seit damals bereits komplett schließen", stellt er klar.

Trotz aller Umstrukturierungen sei es dennoch gelungen, das Leistungsspektrum immer wieder anzupassen. "Die Schließung der Notaufnahme ist eine bedauerliche Einschränkung der Leistung im Raum Bad Brückenau." Aber: Bereits in der Vergangenheit seien schwerwiegende Fälle an entsprechende Kliniken eingewiesen worden. Damit bestätigt er die Aussagen des Bad Brückenauer Notarztes Prof. Dr. Emmanuel Fritschka.

Der Landrat bedauere die Situation, die auf personelle und wirtschaftliche Gründe zurückzuführen sei. Die derzeitige Situation ist als Folge der Krankenhausfinanzierung zu sehen. Er hält fest: "Auch weiterhin können zu den Öffnungszeiten Einweisungen durch die Ärzte vor Ort erfolgen."