Sie ist die einzige ihrer Art in ganz Unterfranken: Die Kläranlage in Oberleichtersbach setzt als erste in der Region auf das neue Biocos-System. Es handelt sich dabei um eine bedeutende technische Weiterentwicklung. Denn das neue System spart vor allem Energie. Der Verbrauch wird um rund 30 Prozent reduziert. Auch die Wartungskosten sind vergleichsweise gering.

"Das ist mit die modernste Anlage, die es zur Zeit gibt", betont Jürgen Finger vom Ingenieurbüro Arz in Würzburg, die im Vorfeld die verschiedenen Angebote ausgewertet hatte. Der Betreiber, sprich die Gemeinde, profitiere für die gesamte Lebensdauer der Anlage von den geringen Kosten für Betrieb und Reinvestition. "Für die nächsten 25 bis 30 Jahre wird das hier funktionieren", sagt Betriebsleiter Martin Hahn-Enders. Für die sparsame Anlage musste allerdings eine Menge Geld auf den Tisch gelegt werden. Insgesamt 2,3 Millionen Euro hat die neue Kläranlage gekostet. Trotz staatlicher Förderung trägt die Gemeinde Oberleichtersbach einen Großteil davon selbst.

Wiederverwertung

Stolz sind die Beteiligten auf die eigene Schlammpresse. "Das ist schon etwas Außergewöhnliches", sagt Martin Hahn-Enders. Der nach der Klärung übrig gebliebene Nassschlamm wird mechanisch entwässert und kann hinterher zur Bodenrekultivierung, Auffüllung von Gruben beim Braunkohleabbau oder als Brennstoff im Zementwerk wiederverwendet werden.

Die Presse ist besonders im Hinblick auf ein voraussichtlich kommendes Verbot zur landwirtschaftlichen Nutzung des Klärschlamms eine wichtige Vorsorge-Einrichtung. Bis jetzt sind insgesamt 1 740 Haushalte aus Oberleichtersbach, Unterleichtersbach, Mitgenfeld, Breitenbach und Einraffshof an die neue Kläranlage angeschlossen. Ausgelegt ist die Anlage für 2 200 Haushalte. Es könnten also noch einige hinzukommen.

Die offizielle Einweihung findet am Freitag, den 17. Oktober statt. Am Samstag, den 18. Oktober, kann sich dann jeder beim Tag der offenen Tür von 10 bis 16 Uhr bei Führungen über das Gelände die Funktionsweise der Anlage erklären lassen. Der Reinigungsablauf lässt sich grob in zwei Teile gliedern. Zunächst erfolgt die mechanische Reinigung, bei der grober Dreck und Müll herausgefiltert werden.

Biologische Reinigung

Es folgt die biologische Reinigung. Kleinstlebewesen bauen die Nährstoffe im Schlamm ab. "Sie fressen quasi die Ausscheidungen", sagt Jürgen Finger. Damit die Mikroorganismen überleben, muss jedoch Sauerstoff zugeführt werden. Dies geschieht mit Hilfe von zwei Kompressoren, die den Sauerstoffgehalt auf dem notwendigen Niveau halten. Die Reinigungsgrad der Anlage beträgt 98 Prozent. Diese Qualität wird sonst nur bei Großkläranlagen erreicht.

Die Auftragserteilung für die Anlage erfolgte bereits im Dezember 2012. Nach kurzer Planungsphase gingen die Bauarbeiten ab April 2013 zügig voran, so dass am 18. September 2013 alle relevanten Anlagenteile in Betrieb genommen werden konnten. Allein die Fertigstellung der Außenanlagen dauerte bis Juli 2014 an. Pro Sekunde kann die Kläranlage bis zu 30 Liter Abwasser auffangen. Im Durchschnitt sind es jedoch ungefähr sieben Liter. Bei starken Regenfällen sorgt ein Fangbecken mit Platz für 300 Kubikmeter Wasser für den nötigen Stauraum, damit die Anlage nicht überlastet wird.