Die Gemeinde "ist finanziell gut aufgestellt" - so eröffnete Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) die Beratung um den Haushalt 2017. Im Verwaltungshaushalt stehen 2 715 050 Euro bereit, für den Vermögenshaushalt sind 2 475 500 Euro zusammengekommen. Die werden für dieses Jahr benötigt. Vogel: "Es wird nicht langweilig."
Die Umstrukturierung der Verwaltung steht an, daher wurden die Kosten für Fortbildung und Dienstreisen angepasst. EDV-Kosten werden für 2017 noch mit 14 000 Euro veranschlagt, lagen in den vergangen Jahren auf Grund von Neuerwerb und Neueinrichtungen noch höher. Für die Zukunft können diese laut Kämmerer Steffen Schneider weiter reduziert werden.
Ein neuer Posten taucht jedoch dieses Jahr auf. Für den Aufbau von ISIS12 (Informations-Sicherheitsmanagement System) werde fachliche Begleitung benötigt und mit 14 200 Euro angegeben. Die Unterhaltskosten im Rathaus verringern sich um 24 000 Euro auf 1000 Euro. Dafür steigt der Unterhalt des benachbarten Feuerwehrhauses enorm an. Mit einem neuen Dach sowie Putz- und Malerarbeiten für 40 000 Euro wird es saniert. Die für 2016 geplante Entschlammung in beiden Teichen I der Kläranlagen muss eventuell dieses Jahr durchgeführt werden, hierfür wurden erneut 30 000 Euro veranschlagt.
Trotz aller Ausgaben können dem Vermögenshaushalt dennoch 148 400 Euro zugeführt werden. Diese decken die Tilgungsleistungen um ein Vielfaches und bringen "Freiraum für Investitionen", so der Bürgermeister. Leider scheint gutes Wirtschaften die Bewilligung von Fördersätzen zu beinträchtigen. Je mehr zurückgelegt wird, desto niedriger fallen die Fördersätze aus. Dies habe der Rathauschef bereits beim Innenministerium angemerkt. Dennoch spricht sich Vogel dafür aus, "nicht auf Kredit zu leben".
Das Investitionsprogramm der Gemeinde sieht einen Umbau des Rathauses vor sowie die Umstrukturierung der Verwaltung. Für die baulichen Veränderungen sind 180 000 Euro vorgesehen. Völlig unplanbar ist die gemeindliche Beteiligung am Umbau der Kirche, da noch nicht genügend Daten vorliegen. Für die Jahre 2018 bis 2020 sind jeweils 50 000 Euro vorgesehen, diese Zahlen sind jedoch nur "sehr grob geschätzt", da "die Planungen seitens der Diözese ins Stocken geraten sind." Was das Kirchumfeld angeht, besteht eine ähnliche Planungsunsicherheit, daher kann auch keine konkrete Förderzusage getroffen werden. Erst für 2019 und 2020 sind Einnahmen von jeweils 200 000 Euro geschätzt. Auch alle angrenzenden Bereiche sind vom Vorwärtskommen an der Kirche abhängig und werden erst ab 2018 in der Finanzplanung berücksichtigt.


Ortsdurchfahrten im Blick

Die Ortsdurchfahrt in Motten soll 2017 endgültig abgerechnet werden. Mit 240 000 Euro bleibe der Gehwegebau im Rahmen. Die Fördermittel sollen in diesem Jahr vollständig abgerufen werden. Noch ohne jede Aussagekraft sind im Etat ab 2019 die Einnahmen und Ausgaben für die Ortsdurchfahrt in Kothen. Wann die Arbeiten dort beginnen, ist vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt abhängig.
Geschätzte Einnahmen in Höhe von 145 000 Euro stehen wiederum geschätzten Ausgaben in Höhe von 250 000 Euro - jeweils für 2018 und 2019 - gegenüber. Was die Erneuerung der Brücke Auersbergstraße angeht, fallen dieses Jahr lediglich Planungskosten in Höhe von 15 000 Euro an. Für die Neufassung der Quellen werden 580 000 Euro eingerechnet.
Die Einnahmen werden angeführt von der Einkommensteuerbeteiligung (768 000 Euro) und der Schlüsselzuweisung (406 800 Euro). Aber auch die Gewerbesteuer wird mit 400 000 Euro auf der Haben-Seite verbucht. Der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt macht sich auch im Gemeindehaushalt bemerkbar. Die vom Lohnsteueraufkommen abhängige Einkommenssteuer steigt stetig an, somit erhöht sich auch der Gemeindeanteil auf 768 000 Euro.
Erfreulich: Die Pro-Kopf-Verschuldung schrumpft. Auf jeden Mottener fallen nur noch 132,51 Euro Schulden an, insgesamt 234 680 Euro. Leider schrumpft auch die Bevölkerung in Motten - langsam, aber beständig. Der Abwärtstrend ist in nahezu allen Altersgruppen sichtbar, lediglich bei den über 65-Jährigen waren für vergangenes Jahr deutlich mehr Senioren verzeichnet.
Die Vermarktung freier Bauplätze (8 "Am Knorrs", 7 in Speicherz und 6 in Kothen) wird jetzt auch in der Immobilienbörse vom Innenentwicklungsmanagement des Landkreises vorangetrieben.

Rathaus-Umbau: Rat plädiert gegen teuerste Variante

Zur besseren Klärung zum Umbau des Mottener Rathauses legte Architekt Rudolf Röbig aus Schondra seinen bereits vorgestellten Entwurf nun mit Dachüberstand vor, dies gleich in zwei Varianten. "Um mehr Wert aus dem Umbau zu generieren", empfiehlt er eine Variante, in der der Dachüberstand an allen Gebäudeteilen vorgesehen ist. Der Eingangsbereich würde ohne Verkleidung bleiben, aber um zwei Mauerecken ergänzt.
"Aus meiner Sicht verbinde ich ein Rathaus mit Tradition, es darf kein beliebiger Supermarkt werden", so Röbig Der "traditionelle Gebäudetypus" wäre auch die teuerste Variante. Die "großzügig gerechneten" 400 000 Euro stießen dem Gemeinderat sauer auf. Die Räte erachteten dies für unnötig, eine rege Diskussion um einzelne kosteneinsparende Punkte schloss sich an. Wäre das Problem des eindringenden Wassers nicht auch mit einem neuen Blechkasten lösbar, um den Dachüberstand einzusparen? Muss an den sogenannten "notwendigen Türen", die den Treppenbereich von den Fluren in den einzelnen Etagen trennen, unbedingt eine jeweils 5000 Euro teure Schließ- und Öffnungsautomatik vorhanden sein? Rudolf Röbig hierzu: "Es gibt nicht halb-barrierefrei. Wenn man sich dazu entscheidet, muss man es richtig machen." Einwände aus dem Gemeinderat bezweifelten die Notwendigkeit und ob die gesetzliche Regelung dies so vorschreibe. Außerdem sei brandschutztechnisch doch alles in Ordnung.
Bürgermeister Jochen Vogel verwies auf Punkte, die zwingend angepackt werden sollten, wie das eindringende Wasser und die 20 Jahre alte IT-Verkabelung und stellte die grundsätzliche Frage: "Machen wir nur das Notwendigste oder einen Schritt weiter, um für die Zukunft fit zu sein?" Eine kostengünstigere Umbau-Variante sieht Dachüberstände nur am Mittelteil vor, nach derzeitigem Planungsstand belaufen sich die Kosten auf 350 000 Euro. Ein Komplettumbau inklusive Barrierefreiheit, jedoch ohne alle Dachüberstände, wird auf circa 200 000 Euro errechnet.
Rudolf Röbig soll in den wichtigsten Bereichen eine detaillierte Kostenaufstellung für die günstigste Umbauvariante ohne Dachüberstände vorlegen. Der Gemeinderat sprach sich mit 8:4 Stimmen gegen die "traditionelle" und teuerste Variante aus.

Zur Info

Etat
Der Verwaltungshaushalt ist für 2017 mit 2.715.050 Euro angegeben, im Vermögenshaushalt stehen 2.475.500 Euro. Nach der Kreisumlage (757.000 Euro) stehen die Personalkosten mit 494 000 Euro auf zweiter Stelle der Ausgaben im Vermögenshaushalt.

Vorhaben Insgesamt stehen der Gemeinde Rücklagen in Höhe von 1 940 600 Euro zur Verfügung. "Das wird sich verringern", sagte Bürgermeister Jochen Vogel. Voraussichtlich werden ca. 927 000 Euro für Investitionen ausgegeben. blm