Bis zum Jahresende wollte die Stadt eine Lösung für die außergewöhnlich hohen Anmeldungszahlen bei der Kleinkindbetreuung finden, hieß es im Sommer aus dem Rathaus. Und kurz vor Weihnachten präsentiert Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) nun den Plan: Voraussichtlich am 1. März sollen insgesamt vier Gruppen in einen bis dahin neu geschaffenen Containerkindergarten einziehen.

Ein zweistöckiges Gebäude - bestehend aus 48 Containern - soll dafür in der Düsseldorfer Straße mit der neuen Hausnummer 1A aufgebaut werden. Zusätzlich gibt es Parkmöglichkeiten auf der anderen Seite des Radweges hinter der Galerie Form und Farbe. Vor den Containern entsteht ein Spielplatz mit separatem Kleinkindbereich.

Gebrauchter Kindergarten

Was ursprünglich nur der sogenannte Plan B der Stadt war, entwickelt sich nun zu einer ganz passablen Lösung. Denn der neue Kindergarten bietet alles, was die Betreuung der ganz Kleinen benötigt: Von der kleinen Toilette bis zu den Wickelmöglichkeiten, Handläufen an breiteren Treppenstufen, Küche und Schlafräumen für den Mittagsschlaf sowie Schallschutzdecken ist alles dabei.

Die Container kommen aus Stuttgart und waren dort bereits als Kindergarten in Gebrauch. Im Erdgeschoss befindet sich ausreichend Platz für zwei Krippengruppen, im Obergeschoss kommen zwei Regelgruppen unter. "Das ist mittlerweile mehr als nur ein Plan B", betont Vogel.

Warum ein bestehendes Gebäude nicht als Kindergeraten in Betracht kam, erläutert das Stadtoberhaupt: "Wegen der hohen Brandschutzvorgaben und nötigen Umbaumaßnahmen für Kinder ist es finanziell nicht attraktiv, in ein altes Gebäude als Übergangslösung zu investieren", sagt Vogel.

Aufbau nächste Woche

Nach dem Ausloten mehrerer Optionen, unter anderem in Römershag in der Nähe des Schulzentrums, erhielt schließlich die Idee mit dem gebrauchten Container-Kindergarten Auftrieb. Auch kostentechnisch stellt sich die Lösung als ein Gewinn heraus. Eine Million Euro investiert die Stadt in das kleinkindgerechte Gebäude mitsamt Erschließungs-, Bau- und Spielplatzkosten. "Das sind uns die Kinder wert", betont Vogel.

Bereits in der kommenden Woche baut eine Firma die Container aus Stuttgart auf dem Bahnhofsgelände an der Düsseldorfer Straße auf. Danach geht es um die Beschaffung der Einrichtung. "Die Vorbereitungen dafür laufen bereits auf Hochtouren", sagt der Bürgermeister.

Den neuen Kindergarten bezeichnet Vogel als "mittelfristige Lösung für die Kinderbetreuung". Konkret spricht er von einem Zeitraum von "realistisch etwa fünf bis sechs Jahren, bis wir einen neuen Kindergarten geplant und gebaut haben", schätzt er. Dabei müsse beachtet werden, dass momentan weitere große Projekte auf dem Plan stehen.

Wernarz schließt

Für den Wernarzer Kindergarten gibt es parallel dazu eine neue Entwicklung: Wegen massiven brandschutztechnischen Mängeln lag dem Stadtrat am vergangenen Donnerstagabend eine Beschlussvorlage für die Auflösung des Kindergartens vor. Erst eine Woche zuvor erfuhren Stadträte und Kindergartenleitung davon.

"Es gibt dort akuten Handlungsbedarf", machte der Bürgermeister im Gremium deutlich. Die Kindergartengruppe setzt sich vorrangig aus Kindern aus Wernarz, Eckarts und dem Staatsbad zusammen. Sie kommen ab März im Übergangskindergarten in der Stadt unter. Das sei zunächst vorrangiges Ziel, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Wenn das geschafft sei, dann komme der nächste Schritt. "Dafür müssen wir die Gesamtsituation berücksichtigen", erklärte Vogel. Dazu gehöre zum einen die Standortsuche und Größe des neuen Kindergartens in der Stadt und auch die Überlegung, in welchem Umfang der Kindergarten in Wernarz wieder in Betrieb genommen werde.

Option offen lassen

Viel Verständnis für die Entscheidung, aber auch einzelne Kritik, kam aus der Reihe der Stadtratsmitglieder. Eva Reichert-Nelkenstock (Grüne), Ortsprecherin für Wernarz, hielt ein flammendes Plädoyer für den Kindergarten im Stadtteil. "Das ist die einzige Infrastruktur im Ort und sehr wichtig für die Menschen dort", sagte sie. Sie bat um Prüfung, ob der Kindergarten nicht als zweigruppiger nach Sanierungsmaßnahmen wieder öffnen könne.

Weitere Stadtratsmitglieder meldeten sich zu Wort und unterstrichen die Möglichkeit, das alte Gebäude als Option aufrecht zu erhalten. "Das sollte dann auch zeitnah entschieden werden", sagte Karin Ott (CSU), Ortssprecherin für das Staatsbad. Dem folgten weitere Stadtratsmitglieder in Redebeiträgen wie Monika Wiesner (CSU), Dieter Seban (CSU), Florian Wildenauer (SPD).

Dass die Auflösung des Kindergartens nicht spurlos - vor allem an der Wernarzern selbst - vonstatten gehen würde, war fast zu erwarten. Im Publikum saßen unter anderem Eltern, die das Vorgehen der Stadt kritisierten. "Wir finden es grundsätzlich gut, dass die Sicherheit der Kinder im Vordergrund steht", beginnt eine Mutter aus Wernarz.

Kritik von Eltern

Allerdings werde von vielen Eltern das Vorgehen der Stadt kritisiert. "Vor einer Woche erhielten wir Briefe, in denen uns davon mitgeteilt wurde", sagt sie. Weder ein Gespräch im Vorfeld, noch ein Besuch im Kindergarten verriet von dem Vorhaben. "Die Kinder haben hier leider keine Lobby", so das abschließende Wort der Mutter.

Das Gremium war sich schließlich einig, das Gebäude in Wernarz weiter als Option und Backup-Lösung beizubehalten. In welchem Umfang dann eine Ertüchtigung erfolge, müsse noch erarbeitet werden. Der Stadtrat stimmt ohne Gegenstimme für diese Lösung.

Kosten und Gruppen

1 Million Euro investiert die Stadt in die Ausweitung der Betreuungsangebote für Kleinkinder.

750 Tausend Euro davon kosten Container, Inneneinrichtung und Spielplatz.

Vier Gruppen - darunter die Wernarzer Gruppe - entstehen im neuen Kindergarten in der Düsseldorfer Straße.