Für Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter beginnen derzeit wieder Überlegungen, wie die landwirtschaftlichen Flächen optimal bewirtschaftet werden können. Auch das Thema Artenvielfalt spielt dabei eine große Rolle. Die Förderung über das Vertragsnaturschutz- und das Kulturlandschaftsprogramm können noch bis 23. Februar beantragt werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamts Rhön-Grabfeld.

Damit deutsche Landwirte in den letzten Jahrzehnten auf dem Weltmarkt bestehen konnten, mussten sie in ihrer Bewirtschaftung mit der Zeit gehen. Das heißt, die Felder wurden immer größer, Bäche und Wasserläufe wurden begradigt und feuchte Stellen auf den Äckern und Wiesen trockengelegt. Ein wirtschaftlicher Zwang, der einen Artenrückgang an Pflanzen und Tieren in der Agrarlandschaft zur Folge hat. So fehlen nun teilweise feuchte Brache und Grenzstrukturen, die Wiesenvögel und Insekten als Lebens- und Nahrungsstätte brauchen.

Günstige Lebensbedingungen

Ausgerechnet auf das Gebiet der ehemaligen Grenzanlage zwischen Ost- und Westdeutschland konnten sich jedoch viele Pflanzen und Vögel zurückziehen und günstige Lebensbedingungen vorfinden. Auf dem sogenannten "Todesstreifen" entlang des "eisernen Zaunes" entwickelte sich ein Biotopverbund, der seinesgleichen sucht. Heute beschrieben als "Grünes Band". Hiervon profitiert auch die Vogel- und Pflanzenwelt des Landkreises Rhön-Grabfeld. In den wertvollen Wiesenbrütergebieten finden wir hier doch einige Vogelarten z.B. Bekassine oder Braunkehlchen, die in anderen Landstrichen bereits ausgelöscht wurden.

Das Ziel, diese einzigartige Vogelwelt zu erhalten, zu fördern und "wert-zu-schätzen" eint die Biodiversitätsberaterin des Landkreises Rhön-Grabfeld, Larissa Renninger, und die Ansprechpartnerin für Wildlebensraumberatung des AELF Bad Neustadt/S, Theresia Dietz.

Beide arbeiten mit daran, die noch vorhandene Artenvielfalt in der Region zu erhalten und vor weiteren Verlusten zu schützen.

Information für Landwirte

"Das funktioniert nur mit den Landbewirtschaftern und -bewirtschafterinnen vor Ort. Sie arbeiten auf den Äckern und Wiesen und entdecken z.B. die Brutplätze der Vögel. Deshalb informieren wir interessierte Landwirte in den am "Grünen Band" anliegenden Gemarkungen Aubstadt, Rothausen und Ottelmannshausen vor Ort auf deren Flächen über die schützenswerten Vogelarten, deren Lebensräume und Bedürfnisse an Brutplätzen und Nahrung", erklärt Larissa Renninger.

In den letzten Wochen haben mehrere Geländetermine mit Landwirtinnen und Landwirten stattgefunden, um die Ansprüche der Wiesenvögel zu erklären und Fördermöglichkeiten vorzustellen.

"Vogelarten wie Braunkehlchen, Bekassine und Co kann ich nur an Hand von Bildern zeigen, denn die Tiere sind derzeit in ihren Überwinterungsgebieten. Aber hier auf dem Feld kann ich mit Karten die noch vorhandenen Lebensräume zeigen. Ich kann den interessierten Landwirten unmittelbar erklären, wo und wie sie diese mit gezielten Wiesen- und Ackerbaumaßnahmen in die offene Agrarlandschaft erweitern können. Es besteht die Möglichkeit Lebensräume um ganze Ackerschläge zu erweitern oder mit gezielt angelegten Wanderkorridoren vorhandene Biotope zu verbinden", erläutert Theresia Dietz. "Den zusätzlichen Arbeitsaufwand und eventuelle Ernteeinbußen durch die naturschonende Bewirtschaftung ökologisch wertvoller Flächen, können Landwirte über staatliche -Fördermaßnahmen ersetzt bekommen. Die sogenannten AgrarUmweltmaßnahmen (AUM), die sich aus dem Vertragsnaturschutz (VNP) und dem Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) zusammensetzen, können bis 23. Februar am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt/S beantragt werden", so Dietz.

Über die staatlichen Fördermaßnahmen können sich Interessierte im Förderwegweiser des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Internet, informieren.