Hinter Claudia Wawerzinek liegt eine turbulente Woche. Als Initiatorin hatte sie für Betroffene der Flutkatastrophe aus dem Ahrtal eine fünftägige Auszeit im Altlandkreis Bad Brückenau organisiert. "Ich bin total happy", sagt Wawerzinek rückblickend. "Es war einfach schön, zu sehen, wie die Leute aufgetaut sind, gelacht haben und wieder lustig waren."

Freitagabend sei sogar getanzt worden, berichtet die Bad Brückenauerin. "Sie hätten die Leute mal sehen sollen, als sie am Montag angekommen sind. Die wussten ja nicht, wer ich bin und was auf sie zukommt." Doch die anfängliche Zurückhaltung habe sich nach und nach aufgelöst.

Den Betroffenen aus dem Flutgebiet neue Kraft geben

Ihr Ansinnen sei es gewesen, die Betroffenen aus dem Katastrophengebiet einmal weg von ihren Sorgen, Nöten und Ängsten zu holen, ihnen neue Kraft zu geben und sie wieder zu festigen. "Mein Ziel habe ich erreicht", sagt Wawerzinek. Und: "Es hat Spaß gemacht. Das könnte eigentlich mein Hauptjob werden", scherzt sie.

Schwer sei es im Nachhinein betrachtet nicht gewesen, die Auszeit im Altlandkreis auf die Beine zu stellen. Es habe sich alles einfach irgendwie ergeben. Dass sich viele Unternehmen und Privatpersonen (siehe unten) so hilfsbereit und spendabel zeigten, habe sie nicht erwartet. "Hochachtung" spricht Wawerzinek vor allem den Helferinnen und Helfern in Detter und in Geroda aus. "Das war einmalig."

In Detter stellte die Freiwillige Feuerwehr ein Grillfest für die Gäste aus dem Ahrtal auf die Beine. Feuerwehrkommandant Tim Keßler erinnert sich, wie es dazu kam: Der Stellvertretende Kommandant habe im Gemeinderat von der Initiative für die Betroffenen der Flut erfahren. Man sei sich sofort einig gewesen, helfen zu wollen.

Grillabend für Gäste aus dem Ahrtal in Detter

"Wir wussten grob, dass es ein Grillabend werden soll, Genaueres wussten wir nicht", sagt Keßler und lacht. "Wir haben eine tolle Gemeinschaft im Dorf", erklärt der Feuerwehrkommandant. Sofort sei "ein Haufen Zusagen" für Salate und Kuchen gekommen. Mit Unterstützung des Getränkehandels Schlotter und der Metzgerei Schuhmann organisierten zahlreiche Helferinnen und Helfer in Detter einen für die Gäste aus dem Ahrtal wohl unvergesslichen Abend.

"Die Leute waren am Anfang noch ein bisschen unsicher. Es war schön zu sehen, wie sie nach und nach aufgetaut sind", sagt Keßler und erzählt: "Wir haben die letzten zwei Stunden gesungen und geklatscht. Die Leute konnten ihre Sorgen wirklich einmal vergessen."

Die sorgenfreie Zeit war nicht das Einzige, was sie den Gästen aus dem Ahrtal schenkten. "Wir hatten vor Kurzem Kirmes", berichtet Keßler. "Dabei gehen wir immer von Haus zu Haus, spielen ein Lied und trinken einen Schnaps." In einer Spendenbox werde dabei Geld gesammelt.

Normalweise komme der Erlös der Landjugend zu Gute. In diesem Jahr entschied man sich, das Geld an die Betroffenen aus dem Ahrtal zu spenden. Auch Erlöse aus einem Verkauf des örtlichen Getränkehändlers und einem Holzdeko-Verkauf flossen mit ein, sodass am Ende 3500 Euro zusammenkamen.

Rhöner Spezialitäten in einem Päckchen überreicht

In Geroda wurden die Gäste aus dem Ahrtal von Familie Hergenröder in "Die Böll" eingeladen. Sie hatte für jede und jeden auch ein Päckchen mit Rhöner Spezialitäten zusammengestellt. Zudem hatte Bürgermeister Alexander Schneider die Betroffenen der Flutkatastrophe dort begrüßt und das Gespräch gesucht.

"Ich war wirklich nur Beiwerk", wiegelt er ab. "Aber es war mir eine Herzensangelegenheit, den Menschen ein wenig Zeit zu schenken und zu fragen, wie es ihnen ergangen ist." Was er gehört habe, sei erschütternd gewesen, und es sei im Laufe des Abends auch sehr emotional geworden, berichtet er.

Die Gäste aus dem Ahrtal sind inzwischen wieder nach Hause zurückgekehrt. Am Samstag wurden sie im Staatsbad verabschiedet. Per WhatsApp-Gruppe besteht weiterhin der Kontakt in die Rhön.

Claudia Wawerzinek ist indes schon vollauf mit den Planungen für die nächste Gruppe beschäftigt. Im Oktober werden Familien mit Kindern aus dem Ahrtal im Altlandkreis erwartet. Geplant sind unter anderem ein Empfang im Gasthaus Breitenbach der Familie Herdt in Römershag und Ausflüge in den Freizeitpark in Steinau, in einen Tierpark sowie auf die Wasserkuppe.

Ein Dankeschön an die Unterstützerinnen und Unterstützer: An die Sponsorinnen und Sponsoren, die den Betroffenen der Flutkatastrophe eine kostenlose Auszeit im Altlandkreis Bad Brückenau ermöglichten, richtet Initiatorin Claudia Wawerzinek ein herzliches Dankeschön.

Im Einzelnen: Dorint Hotel, Inge Schäfer, Hotel Mühle, Dr. Schumm, Silvia Seitz, Dr. Bernd Hein, Edeka Bad Brückenau, Lebensmittel Intermax, Feuerwehr Detter, Adler Modemärkte, Metzgerei Schurich, Stadtwerke Bad Brückenau, Mineralbrunnen Bad Brückenau, Herzog von Franken (Thüngen), Rhön-Sprudel, Gemeinde Geroda, Hans und Sybille Rohrmüller, Berghaus Rhön, Feierabänd, Jugendblasorchester Scholl, Hexenhäuschen, Brückenauer Kuchenbäckerinnen, Staatsbad und Stadt Bad Brückenau, Hotel Scheurich, Dreistelzhof Familie Wehner, Hotel Jägerhof Staatsbad, Hotel Bieber, Ferienhof Hüfner, Hotel Rhönperle, Hotel Breitenbach, Hotel Ursula, Hotel Deutsches Haus, Apartment Tessmann, Zimmer Gerlinde Martin, Gaststätte Breitenbach, Ristorante Pizzeria Da Rocco, Gasthaus Die Böll, Gasthaus Siebener, Eisdiele Coco Stadtmitte, Lis Heinbuch Bed & Breakfast, Fullgraf-Reisen, Ramsbrock-Reisen, Reisedienst Kimmel, Kreis Omnibusbetrieb (KOB).