Ein großes Jubiläum steht an. "500 Jahre Wallfahrt zum Maria Ehrenberg" sollten eigentlich heuer gefeiert werden, Corona hat allerdings neben vielen anderen Veranstaltungen auch diese aufgeschoben. Einstimmen in die Jubiläumsfeierlichkeiten, die nun im kommenden Jahr begangen werden, kann das Buch, das Guido Sauer, ehemaliger Pfarrer von Volkers, initiiert hat.

"Es waren ganz extreme vier Jahre", gibt der 68-Jährig zu, "aber Corona hat das Projekt zum Glück nicht erheblich erschwert." Die Treffen des Teams, zu dem die beiden Co-Autoren Walter Kömpel und Matthias Elm sowie Layouter Karl Hahn gehören, fanden bis März vergangenen Jahres statt, die Grundlagen waren bis dahin bereits gelegt. Die Kapitel waren entsprechend der jeweiligen Hintergründe und Interessen verteilt worden, im Frühjahr 2018 begann die Recherche- und Schreibarbeit.

5000 Stunden Arbeit

"Über den Daumen gepeilt" hat das gesamte Team an die 5000 Stunden investiert, berichtet Sauer. Das Ergebnis ist ein Buch, das die Wallfahrt auf den Maria Ehrenberg im Wandel der Jahrhunderte mit all seinen Aspekten, kirchlichen Strömungen und geschichtlichen Zusammenhängen beleuchtet. Sauers "Anspruch, dies wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig verständlich" zu schreiben, machte es zu einem Großprojekt.

Das Grundkonzept, das Guido Sauer recht schnell aufgestellt hatte, wurde im Laufe der Zeit "dauernd verändert". Man wollte weg von etablierten Stereotypen, Quellen kritisch hinterfragen und genauer hinschauen. Der Schreibprozess und das Zusammenspiel im Autorenteam verhalfen dem Projekt zur Reife. "Ich war manchmal selbst gespannt, was da rauskommt", blickt Sauer auf die Buchentwicklung zurück. So sollte das Gnadenbild der barmherzigen Gottesmutter Maria zunächst nur in einem Teilkapitel zur Sprache kommen, doch nach dem Fund neuer Quellen und dem Feedback des Teams hat er der Patronin "viel mehr Raum gegeben".

Dass sich die Fertigstellung des Buches länger als geplant hingezogen hatte, "war mental nicht immer einfach. Trotzdem gab es mir immer den Kick, dass es wert ist, bestimmten Sachen genauer nachzugehen", sagt Sauer. So konnte das Autorenteam eine zeitliche Lücke im 19. Jahrhundert schließen, über die in Sachen Wallfahrt kaum etwas bekannt gewesen war. Guido Sauer wurde es so zum Herzensprojekt: "Es ist mir nahe gegangen, es hat mich bewegt".

Langhaus musste gesichert werden

Besonders faszinieren ihn die Kapitel über die Treppenanlage. Warum die "Himmelsleiter" 252 Stufen in genau dieser Anordnung hat, begründet sich in einer alten Zahlensymbolik, die auf eine frühere Art, den Rosenkranz zu beten, zurückgeht. Co-Autor Matthias Elm hatte sich völlig in die Baugeschichte des Gotteshauses vertieft, "die viele Neuigkeiten über die alten Gemäuer bereit hält".

So war für ihn völlig neu, dass das von Andreas Gallasini entworfene und gebaute Langhaus 100 Jahre nach Fertigstellung durch extrem große Stützstreben gesichert werden musste, da die Last des Dachstuhls die Mauern nach außen drückte. In den 1850er Jahren mussten schließlich das Dach und der größte Teil der Außenmauern komplett erneuert werden.

Walter Kömpels Lieblingskapitel beleuchtet die Wallfahrten aus den unterschiedlichen Orten wie von Fulda, Hammelburg, Herolz oder Fladungen über zwei Jahrzehnte hinweg. Gerne hätte er dazu in den Archiven gestöbert, doch sind die Akten, die im Würzburger Diözesan-Archiv lagern, derzeit nicht zugänglich. So hieß es, in "Detektivarbeit die Leute ausfindig zu machen, die etwas über das Wallfahrtsgeschehen früherer Jahre zu erzählen wussten".

Unzensiert, aber keinesfalls unkontrolliert blieb das Werk. Zwei wissenschaftliche Mitarbeiter haben sich jedes Kapitel vorgenommen und auf Herz und Nieren geprüft. Kunsthistorikerin Michaela Queck und Volkskundler Johannes Nutz fielen nach unvoreingenommenem, aber kritischem Blick Fehler, Unstimmigkeiten und Optimierbares auf.

Viele Bilder und Grafiken

Karl Hahn hat aus den bei ihm eingereichten Textdateien und Bildern die Kapitel gestaltet. Sein nun elftes Buchlayout erforderte geschätzte 1000 Stunden, wobei die Vorbereitungen für das Layoutraster und die Auswahl der Schriften vor der eigentlichen Layout-Arbeit recht zeitintensiv waren. Zudem kümmerte er sich um das Einholen der Rechte für Fotografien, die Angebote bei Druckereien und die Anfertigung von diversen Grafiken.

Auf den 352 Seiten des Buches inklusive Buchdeckel sind 542 Bilder und Grafiken zu finden. Peinlichst genau wurden alle Bilder bearbeitet, formatiert und platziert, trotzdem: "Was bleibt, ist der spannende Moment, das Buch in der Hand halten zu dürfen."

Guido Sauer ist "sehr angetan", wie sich sechs Personen mit ihrem jeweiligen Fachwissen und Erfahrungsschatz eingebracht haben. Es war nicht immer einfach, zwischen den verschiedenen Meinungen Kompromisse zu finden, zumal ab März vergangenen Jahres für Abstimmungen nur noch telefoniert oder geskypt werden konnte. Es wurde gerungen, aber immer offen gesprochen. "Menschlich hat's gestimmt", lobt Guido Sauer die Zusammenarbeit: "Das Team spiegelt sich im Buch wieder".

Eine große Unterstützung erfuhr das Projekt durch Maria und Herbert Leibold aus Kothen. Das Ehepaar steuerte Berichte vom Leben auf dem Maria Ehrenberg sowie Fotos und Dias bei und wusste um viele Kontakte, die im Buch ebenfalls zur Sprache kommen. Die beiden Eheleute sind zwei von unzähligen ehrenamtlichen Helfern, ohne deren Dienst in puncto Frühjahrsputz, Landschaftspflege oder Sonntagsdienst der Betrieb auf dem Maria Ehrenberg undenkbar wäre. Guido Sauer war es wichtig, den vielen Unterstützern ein eigenes Kapitel zu widmen.

Das Buch

"500 Jahre Wallfahrt zum Maria Ehrenberg" (Auflage 1000 Stück) hat 352 Seiten, mit zahlreichen Fotografien, Grafiken und Karten in Farbe und schwarz-weiß.

Inhaltlich behandelt es verschiedene Aspekte des Maria Ehrenbergs und der Wallfahrtsgeschichte von der Ursprungssage über die Baugeschichte, die Treppenanlage, der Wandel der Wallfahrt in den verschiedenen Zeiten und Jahrhunderten, die Glocken, Ausschank und Verkauf von Andachtsgegenständen bis zur Sonderstellung des Wallfahrtsortes mitten in einem Truppenübungsplatz.

Verkauf für 25 Euro im Pfarrbüro Kothen und Bad Brückenau, Bürgerbüro Motten und Wildflecken, Fußboden Bauer in Kothen, Gasthof Zum Biber in Speicherz, Gasthof Postkutsche in Kothen, die Buchhandlungen Am Dom in Fulda, Schonder in Bischofsheim und Karl Nikolaus in Bad Brückenau sowie in den Sakristeien in Motten, Kothen, Speicherz und am Maria Ehrenberg nach den Gottesdiensten.