Anfang diesen Jahres gab es einen großen Einschnitt in die Geschäfte der Holzwerke Vorndran am Buchrasen. "40 Prozent des Holzes liefern wir nach Asien, die Aufträge sind im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie weggebrochen", erklärt Geschäftsführer Wolfram Vorndran. Doch das ist nicht der Grund dafür, dass der Sägebetrieb Ende 2021 eingestellt und die Gesellschaft aufgelöst werden. "Wirtschaftlich ist der Betrieb gesund", sagt der Geschäftsführer.

Private Gründe und die fehlende Nachfolge seien ausschlaggebend für diese Entscheidung gewesen. "Nichtsdestotrotz haben sich viele Faktoren rund um das Holz in den vergangenen Jahren sehr verändert", so Vorndran. Konkret spricht er zunehmende Dürreschäden und den Schädlingsbefall, vor allem in den vergangenen drei Trockenjahren, an. "Das macht uns schon Sorgen, dass die qualitativen Ausfälle der Holzstämme so zugenommen haben."

Holz ist zu trocken

Wie sich die Situation mit der Trockenheit in Zukunft weiterentwickele, könne man heute einfach nicht sagen. Das Holz erhält Vorndran ausschließlich aus regionalen Wäldern. "Buchenholz verträgt aufgrund hoher Transportkosten keine weiten Transportwege", sagt der Fachmann. Hessenforst und die Bayerischen Staatsforsten seien Hauptlieferanten. Grüne Politik auf Seiten der hessischen Regierung machten die Hürden für eine zuverlässige Holzversorgung noch größer.

"Wegen der längeren Trocknungszeiten von Eichenholz wird in den kommenden Wochen bereits der Eichenrundholzeinschnitt beendet", kündigt Vorndran an. Eichenholz werde deshalb nicht mehr eingekauft. Im kommenden Sommer wird dann der Bucheinschnitt beendet und die Sägen werden schweigen. "Die zweite Jahreshälfte benötigen wir, um die Schnittholzvorräte und die Maschinen zu verkaufen und das Gelände zu räumen", sagt Vorndran.

Lange Familientradition

Der jetzige Geschäftsführer übernahm als jüngster von vier Brüdern das Werk am Buchrasen von seinem Vater, der ebenfalls Wolfram Vorndran heißt, und dessen Bruder Philipp Vorndran. Großvater Philipp Vorndran aus Zeitlofs gründete im Jahr 1919 eine Holzhandlung. Später baute er auf dem Gelände, auf dem heute der Verbrauchermarkt Edeka steht, ein Sägewerk. Mehrere Holzlager in naher Umgebung der Stadt, unter anderem ein Areal hinter dem Bauhof zur Sinn hin, gehörten zum Sägewerk dazu.

In den 1960er Jahren kaufte der Großvater das weitläufige Areal am Buchrasen als Lagerplatz. Es war das erste Unternehmen, das sich im Oberleichtersbacher Gewerbegebiet ansiedelte. "Die Höhenlage ist ideal für die Trocknung des Holzes", sagt Vorndran. In den folgenden Jahren entstand dort zusätzlich eine Parkettfabrik unter der Leitung des Großvaters und der beiden Söhne. Die Maschinen des Sägewerkes stammen alle aus den 1990er Jahren, als zum Holzlagerplatz und der Parkettfabrik ein Sägewerk hinzukam.

Kleinere Grundstücke verkauft

Aktuell sind 23 Mitarbeiter im Werk beschäftigt, viele davon seit sehr langer Zeit. "Einige Mitarbeiter erreichen in Kürze das Rentenalter", sagt der Geschäftsführer. Nach seiner Aussage drohe den restlichen keine Arbeitslosigkeit: "Im nahelegenden Fertighausunternehmen werden Mitarbeiter gesucht", lässt er anklingen.

Bereits jetzt hat Vorndran kleinere Grundstücke, die nicht für den aktuelle Sägebetrieb gebraucht werden, an Hanse Haus verkauft. Für das gesamte Betriebsgelände bestünde eine Kaufoption, "allerdings nicht vor 2022", betont Vorndran. Auf Nachfrage bei Hanse Haus bestätigt Pressesprecher Sebastian Gensichen bereits den Kauf von Grundstücken der Holzwerke.

Neues Werk geplant

"Für den größten Teil des Betriebsgeländes hat Hanse Haus eine Kaufoption für Januar 2022", sagt der Pressesprecher. Konkret plane das Unternehmen ein weiteres Werk zur Produktion der Fertighäuser. "Das geplante Werk IV soll wie unser bereits bestehendes Werk II aussehen", sagt Gensichen. Dafür stelle der Betrieb bis Ende dieses Jahres 119 neue Mitarbeiter ein, die im kommenden Jahr eingearbeitet werden.

Die Arbeit im Holzwerk habe Vorndran gerne gemacht, auch wenn immer viel zu tun war. Für seine berufliche Zukunft hat er noch keine konkreten Pläne. "Ich könnte mir vorstellen, auch weiterhin in der Branche tätig zu sein", lässt er durchblicken.

**INFOKASTEN**

Zur Geschichte der Holzwerke Philipp Vorndran

1919 gründet Philipp Vorndran eine Holzhandlung für Nadelholz. Anschließend wurde in Bad Brückenau ein Sägewerk auf dem Grundstück des heutigen Verbrauchermarktes Edeka errichtet und auf auf den Einschnitt von Buche und Eiche umgestellt. Der Betrieb produzierte viel Schnittholz für die Polstermöbelindustrie im Coburger Raum.

Anfang der 1960er Jahren erwarb Philipp Vorndran als erster Betrieb am Buchrasen eine Fläche, um dort Holz zu lagern und zu trocknen. Eine Parkettfabrik entstand, die Ende der 1990er Jahre wegen der Konkurrenz aus Osteuropa nach dem Fall des des Eisernen Vorhanges geschlossen wurde. Ein dazugehöriges Baustoffgeschäft in Bad Brückenau schloss im Jahr 2002.

1993 entstand ein Sägewerk am Buchrasen, das noch bis zum Sommer 2021 in Betrieb sein soll.