Warum spenden nur drei bis vier Prozent der Deutschen Blut, obwohl doch eine große Mehrheit dies befürwortet? Das fragt sich Richard Heurich auch. Zum 125. Mal nutzte er nun einen Blutspendetermin des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). "Es ist wichtig. Man könnte es selbst auch mal brauchen", begründet er seine Spendenbereitschaft. Seit 35 Jahren stellt der Speicherzer sein Blut zur medizinischen Verfügung. Den kleinen Stich spürt er schon gar nicht mehr. Zehn Minuten später ist der Blutspendedienst (BSD) des BRK um einen halben Liter Frischblut reicher.

Versorgung in Bayern

Bei dem jüngsten Blutspendetermin in Bad Brückenau erweckt es nicht den Eindruck, dass das BRK dringend mehr Blutspender benötigt. Es geht zu wie im Taubenschlag, fast minütlich kommen Spendenwillige herein. Tatsächlich könnte die aktive Spendenbereitschaft im Freistaat höher sein. Rund sieben Prozent der Bayern spenden Blut, doch wird jeder Dritte in seinem Leben einmal auf ein Blutprodukt angewiesen sein. Jeden Tag werden in Bayern etwa 2000 bis 2500 Blutkonserven benötigt.

Die tägliche Versorgung wird unterm Strich mit Blutpräparaten gewährleistet. Kritisch wird es in Ferien- und Erkältungszeiten. Hier helfen sich die Bundesländer gegenseitig aus. Dennoch suchen alle Blutspendedienste mehr und vor allem junge Spender. Gesunde Menschen zwischen 18 und 72 Jahren können Blut spenden. Abgewiesen werden müssen unter anderem Menschen, die frisch operiert sind, neue Piercings oder Tätowierungen haben, deutlich unter- oder übergewichtig sind oder kürzlich Urlaub in einem Malariagebiet gemacht haben.

Warum Blut spenden?

Bevor jemand zum Blutspender werden kann, muss er etwas Zeit für eine gründliche Anamnese und Voruntersuchung mitbringen. Puls, Körpertemperatur und der Eisenwert werden gemessen. Für die Anmeldung wird der Personalausweis benötigt, eventuell auch der schon vorhandene Blutspendeausweis. Ein Fragebogen zu Vorerkrankungen, Medikamenten oder zu Risikoverhalten klärt ab, ob eine Blutspende möglich ist. "Es wird alles ausgeschlossen, was dem Empfänger schaden könnte", sagt Petra Ruppert vom Blutspendedienst in Wiesentheid. "Es ist ja ein medizinisches Produkt. Von kleinen Operationen bis zur Lebensrettung ist es einsetzbar".

Nach der Blutspende soll der Spender ruhen. Die Mitarbeiter des BSD aber machen die Nacht durch. Das gespendete Blut wird im Produktions- und Logistikzentrum Wiesentheid auf Infektionskrankheiten untersucht und weiterverarbeitet. "Am übernächsten Tag wird es an die Krankenhäuser verteilt", erklärt Petra Ruppert.

So wird gespendetes Blut eingesetzt

In seine wesentlichen Bestandteile rote Blutkörperchen, Blutplasma und Thrombozyten aufgeteilt, kann ein halber Liter Blut dreifach helfen. Rote Blutkörperchen kommen bei Unfällen, Operationen und Blutarmut zum Einsatz. Plasmapräparate unterstützen die Blutgerinnung und Immunabwehr. Thrombozytenkonzentrate werden häufig bei Krebspatienten während einer Chemotherapie verwendet. Die Thrombozyten sind nur drei Tage lang haltbar - das zeigt, wie wichtig es ist, dass täglich gespendetes Blut zur Verfügung steht.

Die roten Blutkörperchen können nach 42 Tagen nicht mehr verwendet werden, daher ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen regelmäßig Blut spenden. Immerhin kommen etwa 90 Prozent der Spender regelmäßig zum Blutspenden. "Mit manchen Blutspendern sind wir schon per du", erzählt Petra Ruppert.

Gesundheitliche Vorteile für Spender

Dass die Blutspender vorher ausreichend trinken müssen, nicht zu fettreich essen sollen und am Spendetag Alkohol meiden sollen, empfinden sie nicht als Einschränkung. Neben dem guten Gewissen merken viele Spender auch, dass es ihnen körperlich besser geht. Durch den "Blutverlust" wird der Körper zur Blutneubildung angeregt, der Blutspender ist also auch selbst mit Frischblut versorgt. Langfristig profitieren die Spender auch, weil sich regelmäßiges Blutspenden blutdrucksenkend auswirkt. "Ich möchte solange Blut spenden, wie es geht. Wenn meine Gesundheit es zulässt, noch weitere 12 Jahre", will Richard Heurich bis zum zulässigen Höchstalter mit seinem Blut helfen.

Info

Der Blutspendedienst (BSD) des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) wurde 1953 gegründet. Er soll für Bayern die benötigten Blutspenden sammeln, auf ihre Sicherheit überprüfen, aufbereiten und zur Verfügung stellen. Zu 70 Prozent stellt der BSD die Versorgung mit Blutkonserven im Freistaat sicher.

Circa 650 Mitarbeiter des BSD fahren werktags in circa 100 Fahrzeugen zu jährlich rund 4500 Blutspendeterminen. Unterstützt wird er von etwa 230 freiberuflichen Ärzten und 16 000 freiwilligen Helfern. Quelle: Blutspendedienst Der BSD betreibt außerdem mit der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern ein Gemeinschaftsprojekt. Bei der Voruntersuchung und Anamnese können sich Blutspender auch als Stammzellenspender registrieren lassen.