Von der Vision zu einem Kindergarten für Generationen, diese Entwicklung erfährt gerade Architekt Rudolf Röbig, der den Entwurf für das Kinderhaus in Motten entwickelt hat und nun seit drei Jahren begleitet. Gesehen, wenn auch zunächst vor seinem geistigen Auge, hat er das neue Kinderhaus schon von Beginn an, nun werden seine Vorstellungen auch Bürgermeisterin Katja Habersack und der Gemeinde immer konkreter sichtbar.

"Noch im Zeitplan" sind die Arbeiten, es gab nur geringe Verzögerungen wegen Lieferschwierigkeiten, berichtet Katja Habersack beim Vorort-Termin. Auch im Hinblick auf die enorm steigenden Baukosten (siehe Infokasten) habe die Gemeinde Glück gehabt. "Viele Gewerke sind schon 2020 vergeben worden vor der Kostenexplosion 2021", so die Rathauschefin. Die Kostenentwicklung um etwa 100 Prozent lägen in der "allgemeinen Preissteigerung am Bau". Allerdings war zu Beginn ein nur etwa 500 Quadratmeter großes baugleiches Kinderhaus angedacht gewesen. Die Planungen wurden zwischenzeitlich auf die jetzige Ausbaugröße von 1000 Quadratmetern erweitert.

Neue Bedürfnisse

"Es muss zukunftsfähig sein. Das bedeutet nicht einfach nur ein Raum mehr. Es muss auch anders sein, denn es gibt neue Bedürfnisse, zum Beispiel ist der Bedarf an U-3-Plätzen gegenüber 2018 gestiegen", erklärt Katja Habersack die neue Ausrichtung. Für das neue Kinderhaus gibt es jetzt schon Voranmeldungen: fünf Kinder für die Krippe, zwei für die Regelgruppe. Sogar für das Kindergartenjahr 2022/2023 gibt es drei Anmeldungen - der Bedarf ist da. Ab Anfang 2022 soll das Kinderhaus bezugsfertig sein.

Das geschwungene Gesamtgebäude gliedert sich in vier Komplexe auf. Von der Dalherdaer Straße betritt man den Eingangsbereich. Hier ist Abstellplatz für den "Kinderfuhrpark", also Fahrräder oder Dreiräder, mit denen die Kindergartenkinder ankommen. Eine öffentliche Toilette und ein Lager für den Obst- und Gartenbauverein sind dort auch eingerichtet.

Beste Lösung

"Es ist ein feiner Zug von der Gemeinde, dass sie uns einen eigenen Raum kostenfrei zur Verfügung stellt", sagt Marion Herbert, 1. Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins. Ihre Meinung teilten nicht alle Vereinsmitglieder. Viele warfen dem Vorstand vor, sich nicht gegen die Pläne der Gemeinde gewehrt zu haben. In den 1970er Jahren hatte der Verein aus dem ehemaligen Sportplatz den Spielplatz gebaut. "Viel wurde in Eigenregie" gemacht, neue Spielgeräte angeschafft, Spielplatzfeste ausgerichtet. "Aber", betont Herbert: "Es ist gemeindlicher Grund." Der Vorstand sah sich zu einer Krisensitzung genötigt, in der erklärt wurde: "Es ist okay, wie es ist. Diese Lösung finden wir vom Verein die beste."

Spielplatzfeste

Alternativ genannte Kinderhaus-Standorte an der Bundesstraße oder im Überschwemmungsgebiet nennt Herbert "unsinnig". Für die nun verbleibenden 900 Quadratmeter für den öffentlichen Spielplatz sei weniger Pflege nötig, was den sinkenden Mitgliederzahlen des Vereins entgegenkomme. Für zukünftige Spielplatzfeste habe der Verein schon die Zusage der Gemeinde, auch den Spielplatz, die Küche und den Speisesaal des Kinderhauses nutzen zu dürfen.

Lichtdurchflutet

Im Eingangsbereich befindet sich auch der erste Gruppenraum, die Kinder dieser Ü-3-Gruppe haben von dort aus eine freie Sicht auf die Mottener Höhe und das Dorf. "Den Ausblick hat nicht jeder Kindergarten", zeigt sich Katja Habersack begeistert von dem Architektenplan.

Die angrenzenden Trakte sind so aufgeteilt, dass hangwärts die Funktionsräume wie Heizung, Technik, Turnhalle oder Personalraum geschaffen wurden. Richtung Dorf sind die Gruppenräume errichtet. An jeden Gruppenraum ist ein Differenzierungsraum angegliedert sowie ein altersgerechter Sanitärbereich.

Die Räume sind trotz des Vordachs lichtdurchflutet, durch die großen Fenster hat man einen entspannten Blick auf den - derzeit noch vor dem geistigen Auge befindlichen - Garten und Spielplatz. Sechs große Bäume, die bereits auf dem ehemaligen öffentlichen Spielplatz standen, konnten erhalten werden und werden im kommenden Frühjahr in die Außenanlage integriert.

Die Offenheit im Blick soll sich auch im pädagogischen Konzept wiederfinden. An den Speisesaal ist eine Küche angegliedert, in der einerseits das Mittagessen erwärmt wird, die aber auch Kindern die Möglichkeit bieten soll, ihre Ideen selbst auszuprobieren. Die Differenzierungsräume sind ebenfalls Teil des offenen Konzepts. Hier können Kleingruppen gezielt gefördert werden, durch ein Fenster in der Wand können Erzieherinnen die Kinder im Gruppenraum beaufsichtigen.

Spielplatz vor der Tür

Im Blick haben sie ebenfalls die Kinder, die in den Außenbereich gehen - kein Vergleich zu der jetzigen Situation im Josefsheim, wo die Gruppen geschlossen die Straße überqueren müssen, um zum Spielplatz zu gelangen. "Das größte Plus ist der Spielplatz vor der Tür. Das stellt einen großen Mehrwert dar und wird den Alltag viel entspannter gestalten", so Habersack über die künftige Situation im Kinderhaus.

Röbig berichtet von einer "sehr positiven Zusammenarbeit mit der Regierung von Unterfranken, die ihre Erfahrungen mit eingebracht hat". Mitspracherecht hatten auch die Kindergartenaufsicht und das Jugendamt, alle Fachrichtungen fließen in das Kinderhaus ein. Sein Plan "wird gut umgesetzt", freut sich der Architekt, seine Vision nimmt Gestalt an. Vorwiegend natürliche Materialien werden verbaut. Sichtbare Betonwände finden sich vor allem im Personalbereich, in den Gruppenräumen dominieren helle Holztöne. Auch für das Dach und die Fassade kommen natürliche Materialien zum Einsatz, sie werden einheitlich mit rotbraunen Ziegeln versehen.

"Ich wollte immer einen Ort schaffen", erklärt Röbig seine Arbeit: "Das ist der einzige Auftrag, den ich habe". Das Kinderhaus, "der Ort im Ort", füge sich gut in das Wohngebiet ein. Auch Katja Habersack freut sich: "Hier werden viele Generationen von Kindern den Ort beleben."

Das Kinderhaus in Zahlen

Die finanzielle Entwicklung: erste Kostenschätzung 2018: 1,911 Millionen Euro (für eine Grundfläche von 500 Quadratmeter). Kostenberechnung Dezember 2018: 2,182 Millionen Euro.

Gesamtkosten laut Finanzierungsplan als Grundlage für den Förderantrag im November 2019: 2,962 Millionen Euro. Fördersumme von der Regierung von Unterfranken: 2,023 Millionen Euro.

Aktuell/ Oktober 2021: 3,8 Millionen Euro (hinzu kommen die Kosten für die Einrichtung, die Ausschreibung erfolgt demnächst).

Die Grundfläche: 1.000 Quadratmeter.

Kapazität: Bis zu 75 Kinder werden ab dem kommenden Jahr im neuen Kinderhaus spielen können. Sie teilen sich auf in zwei Ü-3-Gruppen (Kindergarten) zu je 25 Kindern und zwei U-3-Gruppen (Krippe) zu je zwölf Kindern.