Dass die Coronapandemie in den stationären Alten-und Pflegeheimen für große Einschränkungen, Vorsorgemaßnahmen und schmerzhafte Isolationssituationen gesorgt hat, wissen die meisten. Doch wie sieht die Situation eigentlich in den Tagespflegeeinrichtungen aus, denn hier kommen die zu betreuenden Senioren ja täglich und gehen wieder nach Hause.

"Es ist schon eine große Herausforderung, die es aber wert ist anzunehmen", sagt Jasmin Kirchner, die Pflegeleiterin der Tagespflege des Seniorenzentrums Haus Waldenfels in Bad Brückenau. "Wenn ich mich an die strahlenden Gesichter unserer Gäste erinnere, als sie nach der, durch den Lockdown bedingten Schließung von Mitte März bis Mitte Juni wieder kommen durften, weiß ich, wie wichtig ihr Aufenthalt hier bei uns ist", sagt sie und fügt hinzu: "Auch für die Angehörigen war diese Zeit extrem schwer, da auch keine Kurzzeitpflege möglich war. Das bedeutete Betreuung und Pflege sieben Tage die Woche für 24 Stunden am Tag".

Betroffen gemacht hat sie die Feststellung, dass viele Senioren während der Schließung zügig körperlich abgebaut hatten. "Wir bieten hier über den ganzen Tag Förderangebote für die Senioren. Auch haben sie Kontakt zu anderen Senioren und somit Kommunikationsmöglichkeiten. Das können die Angehörigen natürlich unmöglich genauso leisten, wie hier in der Einrichtung", sagt Jasmin Kirchner.

Weniger betreute Personen

Um den Betrieb aber wieder aufnehmen zu können, galt und gilt es immense Hygienevorschriften einzuhalten. So musste zunächst die Zahl der zu betreuenden Personen von, normalerweise 15 auf acht nahezu halbiert werden, um die nötigen Abstandsregeln einhalten zu können.

Regelmäßige Covid 19-Tests stehen genauso auf der Tagesordnung, wie das tägliche Fiebermessen beim Eintreffen der Tagespflegegäste. Sobald jemand seinen Platz verlässt, herrscht die allgemeingültige Maskenpflicht. Schwerstdemente Gäste, die es nicht verstehen, plötzlich keinen Körperkontakt mehr haben zu dürfen, oder eine Maske aufsetzten zu müssen, können deshalb derzeit nicht betreut werden.

Schutzkittel und Handschuhe

Für die Betreuer gelten außerdem strenge Hygienevorschriften. Sie müssen die Maske beständig tragen. Bei bevorstehendem Körperkontakt muss die Pflegekraft immer eine Schutzausrüstung, also Schutzkittel und Handschuhe, tragen und danach entsorgen. Flächen und Gegenstände, die von den Senioren berührt werden, müssen sofort desinfiziert werden.

"Schade ist es auch, dass wir momentan nicht alle Förderangebote anbieten können. Normalerweise backen und kochen wir zweimal in der Woche zusammen. Die Senioren helfen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, immer mit. Dieses Angebot ist derzeit leider nicht möglich",bedauert Betreuerin, Ellen Hüther.

Dennoch werden Gebäck und Speisen von den Betreuern zubereitet. Es geht dem Personal darum, den Senioren wenigstens den Geruch von frischzubereitetem Essen zu bescheren. Der gemeinsame Esstisch musste weichen und wurde durch mehrere kleinere ersetzt. Auch das beliebte gemeinsame Singen darf nun nicht sein. Vor allem ist den Betreuerinnen wichtig, den Angehörigen die Angst vor einer Corona-Ansteckung ihrer Lieben zu relativieren. Bei Tagespflegegästen ohne oder mit einer leichteren Demenz ist eine Ansteckung mit Covid 19 in der Tagespflegeeinrichtung verhältnismäßig unwahrscheinlich.